Gegen die Vorschriften
Bundeswehr gönnt Soldaten zu wenig Pause

Das Verteidigungsministerium schreibt vor: Bundeswehrsoldaten dürfen höchstens vier Monate lang im Einsatz bleiben, danach sollen sie sich 20 Monate lang erholen. Doch in vielen Fällen bleibt das graue Theorie.
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MünchenDie Soldaten der Bundeswehr werden laut einem Bericht in vielen Fällen länger und häufiger in Einsätze geschickt als vom Verteidigungsministerium vorgesehen. Immer wieder werde gegen die Vorschrift verstoßen, wonach ein Einsatz maximal vier Monate dauern darf und von 20 Monaten Regenerationszeit gefolgt werden muss, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Sie berief sich auf eine Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour (Grüne).

Den Angaben zufolge wurde zwischen Januar 2010 und Anfang Dezember 2012 in etwa einem Viertel der Fälle die Einsatzdauer von vier Monaten überschritten. Soldaten, die später erneut in den Einsatz geschickt wurden, hatten demnach lediglich in der Hälfte der Fälle die vorgesehene Regenerationszeit von 20 Monaten. Besonders betroffen seien Soldaten des Heeres.

Nouripour beklagte, "Theorie und Praxis der Einsatzsystematik" lägen weit auseinander. "Dabei ist längst bekannt, dass bei längerer Einsatzdauer die Gefahr psychischer Krankheiten massiv steigt", sagte er der Zeitung.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), sagte dem Blatt, die Zahlen bestätigten seine eigenen Befunde. Gerade für Spezialisten in der Bundeswehr seien "vielfach die Grenzen der Belastbarkeit erreicht".

Dagegen sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey (CDU), die Zahlen belegten, "dass der planerischen Zielvorgabe einer Einsatzdauer von vier Monaten bereits heute überwiegend Rechnung getragen wird".

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Ich habe heute morgen dem netten Herrn von der Polizei erklärt, dass ich der "Zielvorgabe einer Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf Landstraßen bereits heute überwiegend Rechnung trage". Hat nichts gebracht. Gibt nen Punkt ...

  • Es ist wohl kaum zu erwarten, dass sich an diesem Zustand bzw. Verstoß sich etwas ändern wird.

    De Maiziere gibt nach eigenen Angaben nichts auf Flurfunk, Veröffentlichungen in Medien etc.

    Solange De Maiziere keine offizielle Unterlage aus seinem eigenen Ministerium hat, wird er wohl nicht tätig werden. Demnach kann man mutmaßen, dass De Maiziere die Gesundheit seiner Soldaten egal ist. Der Staatssekretär Thomas Kossendey ebenfalls CDU sieht ohnehin keinen Handlungsbedarf. Für ihn sind die Vorgaben weitgehend erreicht, obwohl 25% der Vorlagen verfehlt werden.

    Was sind also 25%? Für De Maiziere ist so etwas lösbar. Für die betroffenen Soldaten oftmals Auslöser psychischer Krankheiten, die ihre Familien zerstören und vom Staat im Stich gelassen nicht selten nach kurzer Zeit in Hartz4 landen.

    De Maiziere sitzt fest im Sattel und mimt den Ahnungslosen. Merkel spielt das Spiel mit! Verheizen wir also weiterhin unsere Soldaten und pumpen Politiker wie De Maiziere mit Luxusdiäten und Pensionen voll.

    Modernes Sklaventum in der Bundeswehr mit De Maiziere!

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