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Gegen Massenarbeitslosigkei: Forderungen nach der 30-Stunde-Woche

Die Zahl der Arbeitslosen in der Euro-Zone ist auf einem Rekordhoch. In einem offenen Brief machen Wissenschaftler und Politiker einen überraschenden Lösungsvorschlag. Den meisten Arbeitnehmern dürfte er gefallen.

30 Stunden pro Woche, dann ist Feierabend – das würde den meisten Arbeitnehmern gefallen. Quelle: dpa
30 Stunden pro Woche, dann ist Feierabend – das würde den meisten Arbeitnehmern gefallen. Quelle: dpa

Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Europa haben mehr als hundert Wissenschaftler, Gewerkschafter, Politiker und Kirchenvertreter die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich gefordert. Der Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit müsse höchste wirtschaftliche und politische, soziale und humanitäre Priorität haben, heißt es in einem am Montag veröffentlichten offenen Brief. Der Brief ist an die Vorstände von Gewerkschaften, Parteien, Sozial- und Umweltverbänden sowie die Kirchen gerichtet.

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Deutschland und die ganze EU befänden sich in einer schweren ökonomischen und sozialen Krise, heißt es in dem Brief. Die Arbeitslosigkeit habe in Europa „unerträgliche Größenordnungen“ erreicht. Besonders erschreckend sei die Jugendarbeitslosigkeit. In Deutschland sei die Zahl der Jobs in den vergangenen Jahren zwar gestiegen, es seien aber überwiegend Kurz-Jobs, die als Lebensgrundlage nicht ausreichten. Notwendig sei eine faire Verteilung der Arbeit durch eine kollektive Arbeitszeitverkürzung.

Kurzarbeit erklärt

  • Was ist Kurzarbeit?

    Kurzarbeit beschreibt einen geplanten Arbeitsausfall, der Unternehmen von Lohnkosten entlasten soll. Kurzarbeitergeld wird anstelle von Lohn gezahlt. Es gibt drei unterschiedliche Formen: Zum einen saisonale Kurzarbeit bestimmter Branchen, etwa im Winter für das Baugewerbe. Zum anderen gibt es die Transfer-Kurzarbeit (Kurzarbeit Null), die bei betrieblichen Restrukturierungen greift. Die dritte Variante ist die konjunkturelle Kurzarbeit, die infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise von den Unternehmen am häufigsten beantragt wurde.

  • Wie läuft die Beantragung?

    Die Unternehmen müssen geplante Kurzarbeit mit Zustimmung ihres Betriebsrats bei der Bundesagentur für Arbeit anmelden. Bei tarifgebundenen Unternehmen muss die Möglichkeit zur Kurzarbeit im Tarifvertrag geregelt sein. Erst nach einer Genehmigung seitens der Agentur und frühestens vom Monat der Antragstellung an darf in dem jeweiligen Unternehmen weniger gearbeitet werden. Es sind zahlreiche Formen der Arbeitsreduzierung möglich. So können ganze Wochen oder auch einzelne Schichten oder Tage ausfallen.

  • Was bekommen die Arbeitnehmer?

    Die Mitarbeiter erhalten von ihren Arbeitgebern für die tatsächlich gearbeitete Zeit weiterhin Lohn und Gehalt. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt für die ausgefallene Zeit, angelehnt an das Arbeitslosengeld, zusätzlich einen gewissen Prozentsatz des wegfallenden Netto-Entgelts - 60 Prozent bei Kinderlosen, 67 Prozent bei Eltern. Diese Lohnersatzleistung wird nicht versteuert, aber in die Berechnung der Steuerprogression einbezogen. Der Arbeitgeber muss 80 Prozent der kompletten Sozialversicherungsbeiträge abführen.

  • Was waren die wichtigsten Änderungen aus dem Konjunkturpaket 2009?

    Mit dem Jahreswechsel 2009 war die mögliche Höchstförderdauer befristet auf 18 Monate verlängert worden, später dann sogar auf 24 Monate. Die Voraussetzung, dass ein Drittel der Belegschaft betroffen sein muss, entfiel ebenfalls befristet. Der Arbeitsausfall musste nur noch mindestens zehn Prozent betragen. Die Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitgebers übernahm die Arbeitsagentur bis zur Hälfte und sogar komplett, wenn in mindestens der Hälfte der unfreiwilligen Freizeit die Mitarbeiter weitergebildet werden.

Der Offene Brief wurde auf der Seite der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik veröffentlicht. Unterschrieben haben ihn neben vielen Wissenschaftlern und Gewerkschaftern Politiker der Linken, der Piraten und der SPD. Unter den bekannten Unterzeichnern sind etwa die Linken-Parteivorsitzende Katja Kipping und Vize-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht, der Bremer Professor Rudolf Hickel, der Berliner Professor Peter Grottian oder der Hannoveraner Professor Oskar Negt.

  • 12.02.2013, 11:46 UhrAlfred

    Höllenbubi,
    bitte verschonen Sie uns doch mit Ihren frühpubertären,
    linksidiotischen Phrasen!
    Frankreich kommt, wenn es so weitermacht, Ihren Idealen schon etwas näher.
    Alle "erledigten" kommunistischen Staaten entsprachen
    Ihrem Ideal. Es wurden die Bauern, die Handwerker, die
    Unternehmer ...... enteignet. Lernen Sie eigentlich nichts aus der Geschichte? Wer Widerstand leistete,
    landete in Lagern. Millionen von Toten waren das Er-
    gebnis, zerstörte Gesellschaften!
    Freiheit, Liberalität, Eigentum, Verantwortung, ein Staat, der Chancen ermöglicht, keine Gleichmacherei, in der Wirtschaft "Wertschöpfung" im Wettbewerb, das sind die "Kopf"- und die "Handwerte" für eine nach-
    haltig erfolgreiche Gesellschaft!

  • 12.02.2013, 01:54 UhrGameOver_PolitMafia

    11.02.2013, 22:16 Uhr @hellboy

    Wenn die 30-Stunden-Woche kommt!
    Dafür braucht man nicht viel Verstand,
    dann auch nur mit den finanziellen Einbußen!
    Das ist so klar wie frisches Wasser!
    Arm arbeiten!
    Das hab ich in meinem Kommentar bewusst weggelassen,
    ich dachte ,so weit reicht der Verstand der Leser!

  • 12.02.2013, 00:20 UhrWolfgang

    Das ist ein frommer Wunschtraum!

    In unserem Grundgesetz ist jedoch das Eigentumsrecht festgeschrieben. Somit wäre Ihr Vorschlag verfassungswidrig! Zur Durchsetzung wäre eine Grundgesetzänderung notwendig.

    Im Übrigen halte ich die Vorstellung, die Eigentümer grösserer Vermögen würden die Enteignung abwarten, für reichlich weltfremd. Bevor solch eine Geschichte überhaupt nur zur Abstimmung käme, hätten die Betroffenen ihr Vermögen längst in Sicherheit gebracht.

    Der Zusammenbruch unserer Wirtschaft aufgrund der massiven Verkäufe jeglicher Art von Geldanlagen sowie der Auflösung von Barvermögen auf kurzfristig kündbaren Konten und der Kündigung von Krediten wäre abzusehen. An Neuinvestitionen möchte ich dabei gar nicht mal mehr denken.

    Also bitte verschonen Sie uns hier mit Ihren weltfremden Fantastereien.

    Im Übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass unser Problem nicht die zu langen Arbeitszeiten sind. Unser Problem sind die zu hohen Lohnnebenkosten sowie die Steuerbelastungen. Schauen Sie sich doch mal an, wie viel Geld ein Arbeitgeber incl. Sozialabgaben ausgeben muss, um einen Bruttostundenlohn von sagen wir mal 15 € zu bezahlen. Ziehen Sie davon die AG-Beiträge zur Sozialversicherung sowie Lohnsteuer Soli, Pflegeversicherung etc. ab. Wenn Sie von dem dann noch übrig bleibenden Betrag die MwSt.+ Sondersteuern wie Mineralölsteuer etc. abziehen und diese Netto-Kaufkraft ins Verhältnis zur Gesamtlohnaufwendung des Betriebes setzen, dann erkennen Sie deutlich, woran unser System krankt.

    Das Kapital braucht Deutschland nicht, aber Deutschland braucht das Kapital. Wenn ich einen Haufen Geld hätte, wer wollte mich denn daran hindern, es irgendwo auf der Welt in eine Finanzierungsgesellschaft zu packen, die dann global investiert. An dieses Vermögen käme der deutsche Fiskus in 100 kalten Wintern nie und nimmer ran.

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