Gegen Produktionsverlagerung
Bundesweiter Protestag bei Siemens

Gegen drohende Stellenstreichungen und Produktionsverlagerungen beim Industriekonzern Siemens will die IG Metall am Freitag mit einem bundesweiten Aktionstag protestieren.

HB MÜNCHEN. An Siemens-Standorten in ganz Deutschland würden die Beschäftigten Protestkundgebungen veranstalten, kündigte die Gewerkschaft am Donnerstag in München an. Allein in Bayern seien Aktionen an 13 Werken geplant. Die IG Metall konnte nicht sagen, wie viele Mitarbeiter an den Protesten teilnehmen oder wie viele Arbeitsstunden ausfallen würden. Siemens beschäftigt in Deutschland rund 170 000 Menschen.

Zwischen Siemens und der IG Metall hat sich in den letzten Monaten der Tonfall verschärft, seitdem das Management erklärt hat, in Deutschland seien rund 5000 Arbeitsplätze bedroht. Der Konzern will die Produktivität der inländischen Werke an die der billigeren ausländischen Standorte anpassen und fordert Zugeständnisse der Belegschaft an den betroffenen Standorten - etwa die Einführung der der 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich oder Einschränkungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld.

Über die Zahl der angeblich betroffenen Stellen gibt es unterschiedliche Angaben. Die IG Metall spricht von kurzfristig über 10.000 und mittelfristig sogar „einigen zehntausend“ Stellen, die bedroht seien. Siemens hat dies wiederholt als „Milchmädchenrechnung“ bezeichnet.

Im Zentrum der aktuellen Debatte stehen unter anderem Fertigungsstandorte für Telefone in Nordrhein-Westfalen, die nach Gewerkschaftsangaben nach Ungarn verlagert werden sollen. Nach einem Bericht des Berliner „Tagesspiegel“ ergab ein vom Betriebsrat in Auftrag gegebenes Gutachten der Unternehmensberatung „Ernst & Young“, dass selbst flexiblere Arbeitszeiten und Rationalisierungen die Kostenvorteile eines Standorts in Ungarn nicht wettmachen würden. Der Betriebsrat war dazu für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nach Angaben der IG Metall will der Konzern die Arbeitszeit für weitaus mehr Mitarbeiter als bislang diskutiert verlängern. Das Management habe gefordert, einen Sondertarifvertrag aus der Gebäudetechnik auf 19.000 weitere Mitarbeiter aus den Bereichen Service, Vertrieb und Dienstleistung anzuwenden, teilte die Gewerkschaft erst letzte Woche mit. Dieser ermögliche eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf bis zu 36,9 von derzeit 35 Stunden.

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