Gegen von der Leyens Anweisung: CSU verteidigt Wehrmachtstraditionen

Gegen von der Leyens Anweisung
CSU verteidigt Wehrmachtstraditionen

Wie stark darf sich die Bundeswehr in ihren Traditionen auf die Wehrmacht beziehen? Die Verteidigungsministerin will einen klaren Schnitt, die CSU sieht darin eine „Pauschalverurteilung“ der Soldaten.
  • 8

BerlinIn der Debatte über Rechtsextremisten in der Bundeswehr wehren sich CSU-Politiker dagegen, jedes Andenken an die Wehrmacht und ihre Soldaten in Bausch und Bogen zu verurteilen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) fälle mit dem Satz, die Wehrmacht dürfe in keiner Form traditionsstiftend für die Bundeswehr sein, „ein totales Unwerturteil“ über deren Soldaten, schreibt der Justiziar der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl, in einem Gastbeitrag für den „Münchner Merkur“ (Dienstag). Politischer Missbrauch der Wehrmacht durch die Nationalsozialisten dürfe nicht zu einer „Pauschalverurteilung“ führen. „Dies fordert die Achtung gegenüber unseren Vätern und Großvätern.“

Uhl sagte, die Bewertung von der Leyens stehe in einem bemerkenswerten Widerspruch zu abgewogeneren Äußerungen von deutscher und ausländischer Seite. Politiker von Frankreichs Ex-Präsident Mitterrand bis zum ehemaligen US-Präsidenten Eisenhower hätten die Wehrmacht differenzierter beurteilt.

Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) sagte dem „Münchner Merkur“, Millionen Deutsche bewahrten Fotos ihrer Väter in Wehrmachtsuniform auf. Diese seien „unter der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten eingezogen“ worden. „Eine pauschale Verurteilung ihrer Väter empfinden viele Deutsche als ungerecht.“

Als Zeichen für einen neuen Umgang der Bundeswehr mit ihrer Tradition will die Verteidigungsministerin auch Kasernen mit den Namen von Wehrmachtsoffizieren umbenennen. Die Truppe müsse nach innen und außen klar signalisieren, dass sie nicht in der Tradition der Wehrmacht stehe.

Im Zuge der Affäre des unter Terrorverdacht stehenden rechtsextremen Oberleutnants Franco A. lässt von der Leyen (CDU) Kasernen auch nach Andenken an die Wehrmacht durchsuchen.

In diesem Zusammenhang ließ die Bundeswehr-Universität auch ein Bild des 2015 gestorbenen Altkanzlers Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform aus dem Flur eines Studentenwohnheims entfernen. Das rügte der ehemalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD). „Das ist billig. Mehr noch, es ist empörend“, schreibt Scharping in einem Gastbeitrag für die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Dienstag). „Hexenverbrennung hätte man das früher wohl genannt.“ Er sprach von einer „bilderstürmerischen Aktion“.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Gegen von der Leyens Anweisung: CSU verteidigt Wehrmachtstraditionen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wie wichtig Traditionen sind und man sie nicht hat, sieht man in politischen Deutschland ganz ganz deutlich vor Augen. Die Kanzlerin kommt aus einer Diktatur hat keine Aufarbeitung des Holocaust in der DDR mitmachen müssen und man sieht wie sie Teile der DDR in ihre Politik mit einbaut. Die Westdeutschen Politiker nach dem Krieg kommen alle aus der Hitler Zeit und gingen in die Politik ,Verwaltung ,Justiz etc. als wäre nichts gewesen. Ohne politische Tradition wird dieses Land regiert und man merkt immer mehr, wie einige Politiker mit Geltungssucht und Fehlverhalten sich nicht an eine gute Politik Tradition orientieren können , wie es z.B in England möglich ist.

    Sie trugen keine Wehrmachtsuniform , ihre Uniform war der Anzug.

    Das VDL dazu gehört ohne politisches Korsett sieht man heute. Sie läuft Amok durch die Kasernen und sollte vor den Wahlen überlegen, dass sie nach den wählen keiner mehr sehen will. Aber der Schaden ist schon groß.

    Kümmert euch lieber um unsere Soldaten in Der Türkei, da hängt Erdogan in den Barracken und den sollte VDL als erstes abhängen.

    Geht ja nicht, Besuchsverbot vom Mullah für die Eigentümer der BW.

  • Fehler sind aus meiner Sicht menschlich. Und jeder von uns hätte als Verteidigungsminister in dieser Situation welche gemacht. Nur dass sie einerseits nach einem Fehler gegensteuert und offentlich korrigiert; dann mit dem Besuch der Kasernen und Gesprächen mit den Soldaten wieder vieles richtig macht, um letztlich mit dem Hintern alles wieder einzureissen ist mir schleierhaft. Wehrmacht ist doch nicht gleichzusetzen mit der Naziherrschaft. Es gibt doch bestimmt Traditionen und Geschichte, die weitergetragen werden muss. Stauffenberg etc. Warum muss man denn nun alles auslöschen wollen....
    Nur um zu beweisen, dass sie Aktivität zeigt?

  • Das kommt dabei heraus, wenn man unbedarfte, nur dumme Politiker mit Aufgaben betraut, die Verteidigung des eigenen Landes, Aufrechterhaltung von Moral und Kampfkraft, sowie Führung zur Zielerfüllung, bedeuten. Es sind immer die Poltiker, die Soldaten einsetzen. Um eine Aufgabe optimal zu erfüllen, muß ein Soldat optimal funktionieren, schon aus Selbsterhaltungstrieb. Da kann man sich nicht an einem Kegelklub oder einem Schwafelverein orientieren, sondern muß sich an soldatische Vorbilder anlehnen. Vom Können waren es nun mal unsere Vorfahren, die in den wenigsten Fällen Nazis waren. Deshalb ist es falsch, Soldaten mit diesen gleichzusetzen. Die Politiker haben die Soldaten missbraucht. Frau UvdL ist eine Politikerin und wirft alle Zusammenhänge durcheinander und überzieht vermeintliche Notwendigkeiten. Sie ist letztendlich gleich den früheren Politikern und würde wahrscheinlich gleich handeln.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%