Gegendemos in ganz Deutschland
Pegida in der Unterzahl

Pegida spaltet das Land, doch die Gegner sind in der Überzahl: Etwa 100.000 Menschen gehen gegen die islam- und asylkritische Bewegung auf die Straße. Trotzdem geben die Anschläge in Paris Pegida neuen Aufschwung.
  • 84

Dresden/Düsseldorf/BerlinNeue Demonstrationen der Anti-Islam-Bewegung Pegida und Gegenproteste sind weitgehend ruhig verlaufen. Nach den Anschlägen von Paris hat die islam- und asylkritische Pegida-Bewegung am Montag nach Polizeiangaben deutlich mehr Teilnehmer angezogen als bislang. Demnach nahmen am Abend 25.000 Bürger an dem Protestzug in der Innenstadt teil, wie die Polizei mitteilte. Die Organisatoren sprachen von 40.000 Teilnehmern.

Am Rande des Demonstrationszugs gab es einzelne Blockadeversuche von Pegida-Gegnern. Mehr als 7000 Menschen demonstrierten in Dresden gegen Pegida. Zu größeren Zwischenfällen oder Festnahmen sei es nicht gekommen, sagte ein Polizeisprecher.

„Wir sind Dresden, wir sind Deutschland, wir sind Europa!“, hieß es in dem Demonstrationsaufruf der Organisatoren des Bündnisses „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) für diesen Montag. Die Anhänger der Bewegung, die seit dem vergangenen Herbst vor einer angeblich drohenden „Islamisierung des Abendlandes“ warnt, sollten diesmal mit Flaggen und „Trauerflor für die Terror-Opfer von Paris“ erscheinen.

Und tatsächlich sind in Dresden mehr Flaggen zu sehen: Pegida-Anhänger schwenkten zahlreiche Deutschlandfahnen und Transparente mit der Aufschrift „Stopp Multi-Kulti“ und „Wir sind das Volk“. Viele Demonstranten waren in Schwarz gekleidet und trugen Trauerflor. Viele forderten Meinungsfreiheit. Allerdings skandierten auch Demonstranten „Lügenpresse“.

Doch deutschlandweit überwiegt der Widerspruch: Bundesweit gingen nach Schätzungen insgesamt etwa 100.000 Menschen gegen die Anti-Islam-Bewegung auf die Straße. Die größten Kundgebungen gab es am Montagabend in Leipzig, München und Hannover.

In Leipzig stellten sich rund 30.000 Menschen dem Aufmarsch des Pegida-Ablegers Legida entgegen. Das sagte Stadtsprecher Matthias Hasberg am Montag. Hingegen folgten dem Aufruf des Bündnisses „Leipzig gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Legida) laut Polizei nur 4800 Teilnehmer.

Der Aufmarsch wurde zudem laut Polizei massiv von Gegendemonstranten blockiert und konnte sich nicht wie geplant in Bewegungen setzen. Bereits am Nachmittag bezogen 2500 Menschen in der überfüllten Leipziger Nikolaikirche Position für eine weltoffene Stadt. Insgesamt gab es sieben Gegendemonstrationen gegen den ersten sogenannten Spaziergang von Legida. Im Waldstraßenviertel, wo der islamfeindliche Ableger des Dresdner Pegida-Bündnisses demonstrierte, ging ein Auto in Flammen auf. Zunächst war unklar, wer den Wagen in Brand gesetzt hatte.

In München nahmen rund 20.000 Menschen an einer Demonstration unter dem Motto „München ist bunt“ teil. Wie in anderen Großstädten gedachten sie auch der Opfer der Terrorattacken in Paris. In Düsseldorf waren etwa 5000 Gegendemonstranten auf den Beinen. In Saarbrücken demonstrierten 9000 Menschen gegen das örtliche Islamkritiker-Bündnis.

In Hannover wurden acht Menschen vorläufig festgenommen, teilte die Polizei mit. Vier Teilnehmer der Pegida-Gruppe Hagida aus Hannover wurden am Montagabend wegen Sachbeschädigung, Widerstandes, versuchter Gefangenenbefreiung und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen abgeführt. Unter den rund 200 Teilnehmern seien auch 60 aus dem gewaltbereiten rechten Spektrum gewesen, teilte die Polizei mit.

In den Reihen der rund 2500 Menschen, die den Aufzug verhindern wollten, seien etwa 300 gewaltbereite Demonstranten linker Gruppierungen gewesen. Während und nach dem Abschluss der Pegida-Demonstration sei es zu massiven Übergriffen einiger Teilnehmer der Gegenproteste gegen die Polizei gekommen. Dabei seien vier Personen vorläufig festgenommen worden. Bei der zentralen Gegenversammlung in Hannover demonstrierten rund 17 000 Menschen friedlich.

Kommentare zu " Gegendemos in ganz Deutschland: Pegida in der Unterzahl"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ”Manche unserer Gegner können es sich nicht verkneifen, uns in der Zuwanderungsdiskussion in die rechtsextreme Ecke zu rücken, nur weil wir im Zusammenhang mit Zuwanderung auf die Gefahr von Parallelgesellschaften aufmerksam machen.
    Das, liebe Freunde, ist der Gipfel der Verlogenheit!
    Eine solche Scheinheiligkeit wird vor den Menschen wie ein Kartenhaus zusammenfallen.
    Deshalb werden wir auch weiter eine geregelte Steuerung und Begrenzung von Zuwanderung fordern!”

    Wer hat es wohl gesagt? PEGIDA? Lucke? NPD?

    Man glaubt es kaum, aber es stimmt:

    Merkel

    Redemanuskript des Leipziger CDU-Parteitag im Jahre 2003; zitiert, wörtlich. http://www.zeit.de/reden/deutsche_innenpolitik/200349_merkelcduparteitag/seite-12

  • Ich bin auch immer verwundert über die große Anzahl von Kindern bei dem Block der "Gutmenschen" Werden die eigentlich mitgezählt? Außerdem ist es unverantwortlich von den friedensbewegten Eltern ihre Kinder der Gefahr einer Prügelei auszusetzen, die ja gern von dieser Seite initiert wird!!

  • Manipulation von Zahlen sind doch das "täglich Brot" der Lügenpresse, schon zu Ostzonenzeiten wurden Wahlen gefälscht, heute macht man eben bei Demonstrantenzahlen weiter, wie man es gelernt hat!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%