Gehaltsunterschiede: Bei Beamten droht die Zwei-Klassen-Gesellschaft

Gehaltsunterschiede
Bei Beamten droht die Zwei-Klassen-Gesellschaft

Der Beamtenbund fordert mehr Geld - nicht nur für die eine Million Angestellten in den Ländern. Auch die Beamtenbezüge sollen erhöht und ein weiteres Auseinanderdriften in den Länder gestoppt werden.
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KölnDie Gehälter der Beamten in den 16 Bundesländern driften nach einer Analyse des Beamtenbundes (dbb) seit der Föderalismusreform von 2006 immer weiter auseinander. So bekommt ein junger Staatsanwalt oder Studienrat im Süden der Republik inzwischen schon bei der Einstellung fast 400 Euro im Monat mehr als etwa in Berlin oder Brandenburg.

Beamtenbundschef Klaus Dauderstädt forderte in einem dpa-Gespräch eine Korrektur der Föderalismusreform. Auch beim Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie den Arbeitszeiten würden die Unterschiede zwischen den Bundesländern immer größer.

Der Beamtenbund kommt an diesem Montag in Köln zu seiner Jahrestagung zusammen. Im Mittelpunkt steht dabei die ab Ende Januar anstehende Tarifrunde für die rund eine Million Angestellten in den Ländern - etwa Krankenschwestern, Polizisten und Verwaltungspersonal. Der Beamtenbund fordert zusammen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für die Tarifbeschäftigten Einkommensverbesserungen von 6,5 Prozent.

Das Ergebnis müsse „zeit- und inhaltsgleich“ auch auf die Landesbeamten übertragen werden, forderte Dauderstädt. „Wir müssen eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im öffentlichen Dienst verhindern.“ Ärmeren Bundesländern falle es immer schwerer, gute Steuerbeamte, Staatsanwälte, Lehrer oder Polizisten für den Staatsdienst zu gewinnen - und sie dauerhaft als Mitarbeiter zu halten. „Besonders in der Steuerverwaltung ist die Abwerbung durch die Wirtschaft extrem“, sagte der dbb-Chef.

Der dbb fordert auch eine einheitliche Bezahlung von Lehrern. „Blockieren die Arbeitgeber hier weiterhin, dann wird es bei den Verhandlungen in der Einkommensrunde 2013 ein munteres Tänzchen geben“, warnte der Tarif-Verhandlungsführer des dbb, Willi Russ, im Magazin „Focus“. „Dass ein Mathematiklehrer in Dresden bis zu 1000 Euro weniger bekommt als sein Kollege in München, ist nicht hinnehmbar.“ Lehrer seien die einzige Berufsgruppe im öffentlichen Dienst ohne ein Tarif-Eingruppierungsrecht.

 
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Niemand hat Sie gezwungen, Polizist zu werden. Es steht Ihnen frei, etwas anderes zu tun.

    Hören Sie auf zu jammern und strecken in Zukunft keinen Mittelfinger mehr aus. Dann wird Ihnen dieser auch nicht gebrochen und erspart Ihnen weitere Unannehmlichkeiten. Wer Bürger als „ASSI“ bezeichnet, muss sich nicht darüber wundern, wenn Gewalt eskaliert. Wechseln Sie den Job oder machen Sie Innendienst, statt über den Job zu meckern, den Sie sich freiwillig(!) ausgesucht haben.

  • @ DagmarK,
    Angestellte im öffentlichen Dienst und Beamte waren einmal insofern in der Pension/Rente gleich gestellt, da über die VBL die Differenz Rente zu Pension geleistet wurde.
    Das wurde gestrichen und ..."es wird sich bemüht diese volle Differenz auch künftig zu leisten".
    Fragen sie doch entsprechende Angestellte. Die werden ihnen versichern, dass es bei "Bemühen" geblieben ist und real eben nicht die volle Different geleistet wurde.
    Im übrigen ist die ganze Diskussion Beamte/Beschäftigte falsch aufgezogen:
    Repressalien gegen Uniformträger sind ebenso vorhanden wie gegen normale Bürger. Alles identisch, bis hin zum "Fingerbrechen" und letztlich auf den Rechtskosten sitzen bleiben.
    Der Unterschied Rente/Beitrag und Pension/Minibeitrag; das ist nicht akzeptabel.
    Von mir aus könnten auch alle Beschäftigen zu Beamte ernannt werden und die Rente fällt dann als Manna vom Himmel.

  • „Wir müssen eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im öffentlichen Dienst verhindern.“

    Wenn er das schon als Zweiklassen-Gesellschaft, wo stehen dann in dieser Hierarchie die Zeitarbeiter im öffentlichen Dienst?

    Da werden Bürokräfte für (wenn es hoch kommt) 10 Euro brutto die Stunde beschäftigt.

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