Geheimdienste
Irak-Krieg: Wichtige Infos vom BND

Die Informationen des Bundesnachrichtendienstes (BND) aus Bagdad vor und während Irak-Krieges waren für die USA möglicherweise von größerer Bedeutung, als die Bundesregierung es bislang einräumt.

HB BERLIN. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zitierte am Wochenende zwei damals hochrangig tätige US-Offiziere, die die Informationen als "extrem wichtig und wertvoll" und als "detailliert und zuverlässig" beschreiben.

US-General a. D. James Marks, der damals den Aufklärungsstab der Bodentruppen leitete, sagte: "Wir haben den Informationen aus Deutschland stärker vertraut als denen der CIA." Die BND-Meldungen hätten dazu beigetragen, dass der Kriegsbeginn vorgezogen worden sei und Pläne für einen Überraschungsangriff von Luftlandetruppen auf den Bagdader Flughafen wieder verworfen wurden.

Oberst Carol Stewart, die beim Aufklärungsstab des Central Command eingesetzt war, sagte dem Blatt zufolge, die Deutschen hätten "exzellente Arbeit" geleistet: "Ich wusste, dass die Deutschen gegen den Krieg waren, deshalb hat es mich gewundert, dass sie während des Krieges eine derart positive und hilfreiche Rolle für uns spielten." Die Offizierin fügte hinzu: "Wer behauptet, dass diese Meldungen für die Kampfhandlungen keine Rolle gespielt hätten, lebt auf einem anderen Planeten."

Die Informationen der BND-Agenten 2003 aus Bagdad hatte Anfang Dezember auch den BND-Untersuchungsausschuss des Bundestages beschäftigt. CDU, FDP, Grüne und Linke sahen es nach Anhörungen unter anderem des ehemalige BND-Präsident August Hanning als erwiesen an, dass damals kriegsrelevante Informationen an die USA weitergegeben wurden. Hanning hatte deutlich gemacht, dass an die Amerikaner nicht nur Koordinaten von "Nicht-Zielen" wie Hotels weitergegeben wurden, sondern auch von Stellungen irakischer Truppen und eines Offizierskasinos.

In seiner nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag will der Ausschuss nun Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und seinen Vorgänger Joschka Fischer dazu befragen. Steinmeier war als Kanzleramtsminister damals für die Geheimdienste zuständig.

Die FDP kündigte an, sie wolle Marks und Stewart als Zeugen vor dem Ausschuss befragen. Das FDP-Mitglied Max Stadler sagte der "Welt am Sonntag", die Aussagen der beiden Offiziere verdeutlichten, dass der Einsatz deutscher Agenten "Teil einer indirekten Mitwirkung am Kriegsgeschehen" gewesen sei.

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