Gemeinsame Erklärung
Wirtschaftsverbände wehren sich gegen Ausbildungsabgabe

Eindringlich warnen die Verbände vor einer Zwangsabgabe, die keine Lehrstellen schaffe.

dpa BERLIN/SCHWERIN. Die acht großen Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft haben in einer gemeinsamen Erklärung eindringlich vor der Einführung einer Ausbildungsabgabe gewarnt. Die Wirtschaft unternehme gegenwärtig alle Anstrengungen, trotz schwieriger Lage das Lehrstellenangebot zu steigern. Forderungen nach einer Abgabe verunsicherten dagegen die Betriebe und schafften keine Lehrstellen, heißt es in dem am Dienstag in Berlin veröffentlichten Papier. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) kritisierte dagegen erneut, dass in Deutschland nur noch 30 % aller Betriebe ausbildeten.

Die Verbände äußern die Befürchtung, dass mit einer Abgabe von nicht ausbildenden Betrieben die Berufsausbildung auf Dauer vom Beschäftigungssystem abgekoppelt werde. Aus ihrer Sicht sollte weiter der einzelne Betrieb für die Finanzierung der Berufsausbildung verantwortlich bleiben. Eine Abgabe würde darüber hinaus auch diejenigen Unternehmen treffen, die nicht ausbilden dürfen oder denen geeignete Bewerber fehlten, heißt es in der Erklärung weiter. Auch der intensiv ausbildende Mittelstand werde durch eine Umlage nicht entlastet. Gerade kleine und mittlere Betriebe litten vielmehr unter dem Mangel an geeigneten Bewerbern, zu geringer betrieblicher Ausbildungszeit und zu komplexen Ausbildungsordnungen.

Bulmahn wies bei einer nationalen Berufsbildungskonferenz am Dienstag in Schwerin erneut darauf hin, dass es in Deutschland zur Zeit einen Bedarf von mindesten 50 000 zusätzlichen betrieblichen Ausbildungsstellen gebe. „Wir können es uns gesellschaftspolitisch nicht leisten, wenn 70 000 bis 80 000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz bleiben“, sagte sie.

Sie räumte ein, dass viele Jugendliche nicht ausreichend auf ihre Berufsausbildung vorbereitet seien. Die seit Jahren nahezu unveränderte Abbrecherquote von 30 % sei viel zu hoch. Die Ministerin forderte eine intensivere Partnerschaft zwischen Schulen und ausbildenden Betrieben. Die Industrie- und Handelskammern trügen die Verantwortung für eine gute Berufsausbildung. Bulmahn hält zudem mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Ausbildung für erforderlich. So müsse bei einigen Berufen über eine zweijährige Ausbildung nachgedacht werden. Eine Bäckereiverkäuferin brauche keine dreijährige Ausbildung. Diese sei aber beispielsweise für eine IT- Fachkraft notwendig.

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