Gemeinsames Netz
Chancen für eine Stromnetz AG in Deutschland tendieren gegen null

Eine deutsche Netz AG, die die bisher den Energieversorgern gehörenden Stromnetze bündelt, rückt in weite Ferne. „Aus dem Prozess ist jede Dynamik heraus“, heißt es in Regierungskreisen. Auch die Netzbetreiber winken ab. Sie arbeiten längst an anderen Konzepten

DÜSSELDORF/BERLIN. Noch im Herbst vergangenen Jahres hatte der damalige Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) den Manager Max Dietrich Kley beauftragt, unter den vier deutschen Betreibern der Stromübertragungsnetze Möglichkeiten für die Schaffung einer deutschlandweiten Netz AG auszuloten. Kley, der sich bei seiner Tätigkeit bislang nicht in die Karten schauen lässt und Nachfragen zum Thema abschlägig bescheidet, soll Mitte März ein Konzept vorlegen. Doch die Erwartungen an den Infineon-Aufsichtsratschef und früheren Finanzvorstand der BASF tendieren gegen Null: „Das wird schnell wieder in der Schublade verschwinden“, heißt es in der Branche. RWE-Chef Jürgen Großmann fasst seinen bisherigen Eindruck so zusammen: „Ich habe von Herrn Kley keinen Vorschlag erhalten. Ich bin nicht der Meinung, dass es eine Deutsche Netz AG geben wird. Den Ruf danach habe ich in den vergangenen Wochen auch nicht mehr so nachdrücklich gehört.“

Die Gründung einer Netz AG war im vergangenen Jahr angestoßen worden, um den Druck seitens der EU-Kommission zu kontern. Die Brüsseler Behörde hatte sich vehement für eine rigorose Trennung von Netz und Stromerzeugung ausgesprochen. Zugleich wurde eine Netz AG als die geeignete Plattform angesehen, um den dringend erforderlichen Ausbau der Infrastruktur voranzutreiben.

Inzwischen hat allerdings der Elan der EU-Kommission in Sachen Trennung von Netz und Erzeugung nachgelassen. Dazu hat der Widerstand einzelner Mitgliedstaaten der Gemeinschaft beigetragen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte noch vor wenigen Wochen Kommissionspräsidenten Jose Manuel Barroso mitgeteilt, ihr sei an starken integrierten Energiekonzernen gelegen.

Mittlerweile hat sich die Auffassung verfestigt, dass man dem Thema Netz AG keine großen Priorität mehr einräumen muss. Dazu trägt auch bei, dass die Ausgestaltung einer Netz AG innerhalb der Großen Koalition umstritten ist. Die SPD spricht sich dafür aus, den Staat an einer Netzgesellschaft mit 25,1 Prozent zu beteiligen, die Union lehnt das ab. Im Beschluss der Bundesregierung für das Mitte Januar verabschiedete Konjunkturpaket heißt es nur noch, die Schaffung einer deutschlandweiten Netz AG sei „wünschenswert“.

Seite 1:

Chancen für eine Stromnetz AG in Deutschland tendieren gegen null

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%