Gender Mainstreaming
Grüne sehen AfD auf NPD-Kurs

Wo steht die AfD in der Familienpolitik? Ein Beschluss des Landesverbands Baden-Württemberg deute auf eine NPD-Nähe hin, meint Grünen-Politiker Beck. Für die SPD ist die AfD nun erst recht unwählbar geworden.
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BerlinDie Südwest-AfD sorgt für Entsetzen bei den Grünen. Grund ist eine auf dem Landesparteitag am vergangenen Wochenende einstimmig verabschiedete Erklärung, in der das Konzept des sogenannten „Gender Mainstreaming“ abgelehnt wird. In Baden-Württemberg wird im März ein neuer Landtag gewählt.

„Der von der AfD beschlossene Mütterkreuzzug überholt selbst Putins homophobes Propagandagesetz von rechts“, sagte der Grünen-Politiker Volker Beck dem Handelsblatt. „Alle, die nicht in einer heterosexuellen Beziehung leben, bei der allein der Mann das Sagen  hat, sollen zur Diskriminierung freigegeben werden. Damit unterscheidet sich die AfD in ihrer Anti-Gleichstellungspolitik nicht mehr viel von der NPD.“

Laut dem Beschluss fordert die Alternative für Deutschland in Baden Württemberg, deren Vorsitzender Jörg Meuthen zugleich Co-Chef der Bundes-AfD ist, die ersatzlose Rücknahme aller Gesetze und Vorschriften, die, wie es in der Erklärung heißt, im Sinne der „Gender-Ideologie“ seien, darunter das Bundesgleichstellungsgesetz sowie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Überdies fordert die Partei die Streichung aller Stellen für Gleichstellungsbeauftragte.

In einer Pressemitteilung des Landesverbands wird die Ablehnung des Gender-Mainstreamings, also die bewusste Berücksichtigung von geschlechterrelevanten Aspekten in politischen Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen und die Ermöglichung vielfältiger Lebensentwürfe für alle Geschlechter, damit begründet, dass „die Nivellierung der Unterschiede zwischen Männern und Frauen“ einen „unzulässigen Eingriff des Staates“ in das private und gesellschaftliche Leben darstelle. Daher verurteile die AfD alle Versuche, Mütter politisch und ökonomisch in Richtung Berufstätigkeit zu zwingen.

In der Mitteilung ist die Rede von „Auswüchsen“ des Gender Mainstreaming, wie etwa „die Ermunterung zu sexuellen Experimenten im Sexualkundeunterricht oder Quotenregelungen für verschiedenste Arbeits- und Lebensbereiche“, die ebenfalls abgelehnt werden.

Beck sagte dazu, wer den Diskriminierungsschutz von Frauen im Arbeitsrecht ersatzlos streichen wolle, zeige dass er „gesellschaftspolitisch erzreaktionär ist und Deutschland gern in die vorrepublikanischen Verhältnisse des Biedermeier zurückkatapultieren möchte“. Wenn die AfD „einen solchen Unsinn“ auf einem Parteitag einstimmig beschließe, zeige  sie, dass „Frauenbenachteiligung und Minderheitenfeindlichkeit“ nach dem Weggang ihres früheren Bundesvorsitzenden Bernd Lucke das Ruder übernommen haben.

Kommentare zu " Gender Mainstreaming: Grüne sehen AfD auf NPD-Kurs"

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  • Die Überschrift ist kein guter, sondern sie ist Tendenzjournalismus. Ausgerechnet die Grünen als repräsentative Kritiker anzudienen, ist weit hergeholt. Schliesslich hat die Partei nach eigenen Publikationen grosse Probleme mit der Päderastie gehabt und auch Herr Beck hat sich da entschuldigen müssen. Diesen interessanten Herrn jetzt als Kronzeugen für den Titel aufzubieten, ist ein starkes Stück,.

  • Eins verstehe ich nicht. Hier wird auf der Presse herumgetrampelt, die bei den PEGIDISTEN so beliebte "Lügenpresse" zitiert, aber wo hat denn die Presse gelogen? Es wurde berichtet und zwar dass, was in der Tat stattgefunden hat. Es wurde nichts erfunden, nichts hinzugedichtet, sondern einfach und wahrheitsgemäß die Situation beschrieben. Leider aber nicht zu Gunsten der AfD. Ist das der Grund für das permanente gekeife? Haben sich da ein paar treue Apologeten von PEGIDA und AfD auf die Füße getreten gefühlt? Ist da vielleicht sogar ein getroffener Hund, der da bellt. Demokratie heißt unter anderem auch, dass man unangenehme Wahrheiten schlucken muss ohne das die Politiker oder die Nachrichtenüberbringer persönlich niedergemacht werden. Also ich finde, dass das mehr als nur widerliche Runterputzen von Herrn Beck so ziemlich am Thema vorbei ist. Auch dumme und unsachliche Argumente, die jeder Wahrheit entbehren gehören nicht in eine sachliche Diskussion. Das Armutszeugnis stellt sich somit nicht die Zeitschrift aus, sondern die Diskutierenden, die mit Schaum vor dem Mund versuchen Tatsachen tot zu brüllen.

  • Zu Zeiten von Herrn Tichy war die "Wirtschaftswoche" eine interessante und lesenswerte Nachrichtenquelle mit guten Journalisten wie Roland Tichy selber, Hugo Müller Vogg, Bettina Röhl und anderen.

    Heute abgeruscht und vollständig mainstreamig und langweilig.

    Mit "Tichys Einblick" gibt es Ersatz als online-Zeitung. Lesenswert als Ergänzung zum HB.

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