Generation Merkel, Teil 2
Das bisschen Haushalt

„Mutti Merkel“ hat die Schwarze Null zur Staatsräson erhoben. Doch was denken Angehörige der „Generation Merkel“ über diese Linie der Bundeskanzlerin? Annkathrin Frind über die Folgen der Schuldenfreiheit.

Hand aufs Herz, ich bin selbstverliebt. Die größte Investition meines Lebens bin ich selber. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel unser Land ein Jahr regierte, wurde ich Investorin in eigener Sache. 

Ich begann an einer Universität in Nordrhein-Westfalen zu studieren. Dort, wo Studenten damals noch Gebühren zahlen mussten. 500 Euro pro Semester. Teuer. Die Praktika in Berlin. Teurer. Die Auslandssemester in Paris. Noch viel teurer. 

Neun Jahre später habe ich einen Masterabschluss, einen Job und ein Plus auf dem Bankkonto.

Auch Deutschlands Haushaltskasse ist voll: „Hurra, wir sind schuldenfrei!“ Mutti Merkel schmeißt das bisschen Haushalt unseres Staates fast von allein. Sie hat den in Seifenwasser getränkten Mopp ausgewrungen und die Flecken im Bundeshaushalt weggewischt. Meine Generation sollte ihr das Großreinemachen danken, könnte man meinen.

Doch von dem ausgeglichenen Haushalt profitiert meine Generation nicht – er schadet ihr sogar, weil die Regierung Investitionen aufschiebt. Obwohl der Staat derzeit in der Niedrigzinsphase der Europäischen Zentralbank billig Geld leihen könnte, bleibt er knausrig. Mit einer Investitionsquote von 17 Prozent, also dem Anteil aller Investitionen an unserem Bruttoinlandsprodukt, liegen wir Deutschen unter OECD-Durchschnitt. Arm für die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Für die Bundeskanzlerin und ihren Finanzminister ist die Schwarze Null Staatsräson. Das Land soll nur das Geld ausgeben, was es einnimmt. Zwar polstern die Steuerzahler das Sackerl mit 21,1 Milliarden Euro mehr als geplant auf. Doch Deutschland spart sich einfach die Zukunft, die Zukunft meiner Generation. Sind wir Ihnen nicht mehr Investitionen wert, Frau Merkel?

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Ist Merkel selbstverliebt?

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