Generation Merkel, Teil 4
Mutti braucht #Hilfe

Deutschland kriecht der Digitalisierung hinterher. Schuld ist auch die Kanzlerin. Denn Angela Merkel macht das Thema nicht zur Chefsache und lässt andere twittern und bloggen – mit fatalen Folgen.

DüsseldorfNeulich auf dem evangelischen Kirchentag. Eine Besucherin fragt Angela Merkel, was sie von Facebook halte. Die Kanzlerin antwortet: „Es ist schön, dass man es hat. Das ist so schön, wie man ein Auto hat oder eine ordentliche Waschmaschine.“ Gelächter.

Die Zuhörer müssen sich wohl vorgestellt haben, wie die Bundeskanzlerin ihre Hosenanzüge in die Waschtrommel steckt. Zum Glück kann man davon ausgehen, dass sie das nicht selber macht. Würde sie sich darum so bemühen, wie um den digitalen Dialog, ihre Kleider blieben wohl dreckig.

Denn die Kanzlerin interessiert sich nicht wirklich für soziale Netzwerke und nimmt die Digitalisierung nicht ernst genug. Das kann man schon daran erkennen, wie die wichtigste Frau des Landes sich selbst in den neuen Medien präsentiert: Auf Facebook hat die Staatsfrau rund 1,2 Millionen Fans.

Mehr als ein paar Feiertagsgrüße versendet Merkel dort aber nicht, die meisten Beiträge tragen das Kürzel „/redaktion“, stammen also von ihren Mitarbeitern und nicht ihr selbst. Und der jüngste Eintrag ist gut zwei Monate alt. Persönliche Auftritte, Selbstkritik, echte Meinung? Fehlanzeige. Auf Twitter übernimmt Regierungssprecher Steffen Seibert die Kommunikation der Kanzlerin gleich ganz und unter seinem Namen.

Andere Politiker haben die Notwendigkeit des digitalen Dialogs für die heutige Politik längst erkannt. Obama ist das beste Beispiel: Der König unter den Digitalpräsidenten dreht witzige Viralvideos mit dem Online-Portal Buzzfeed, um seine Gesundheitsreform zu bewerben und diskutiert im Netz-Forum Reddit über Biersorten und Basketball. Seine Kommunikationsberater holen sich ihre Inspiration direkt aus dem Silicon Valley. Auch deutsche Politiker wie Sigmar Gabriel und Cem Özdemir scheuen sich nicht vor einem etwas beschwingteren Auftritt im Netz.

Merkel inszeniert derweil einen Dialog mit dem Youtube-Star LeFloid, einem offensichtlichen Vertreter der jungen Generation, um auch dieser näher zu kommen. So richtig glückt das nicht, zu entrückt wirkt die gesetzte Landesmutter im Licht der Netzwelt. Der digitale Wandel, er ist an ihr vorbeigezogen.

Meine Generation dagegen hat ihn hautnah miterlebt, vom ersten Modemrattern im Wohnzimmer und blockierten Telefonleitungen bis zu Wlan und Smartphone, vom Chatrooms über ICQ, von Studivz bis hin zu Facebook, Twitter und Instagram.

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