Generation Merkel, Teil 6
K wie Kanzlerin, K wie Krieg

Höre ich „Krise“, denke ich an Merkel. Lese ich „Krieg“, denke ich an Merkel. Die Kanzlerin ist ein Sinnbild für eine Politik, die nur damit beschäftigt ist, Gefahren abzuwenden. Platz für Reformen? Fehlanzeige.

Das Jahr, in dem Angela Merkel Bundeskanzlerin wurde, war der Beginn der Apokalypse. Zumindest auf den Leinwänden der Kinos, schauderhaft inszeniert von Steven Spielberg, der im „Krieg der Welten“ Menschen gegen Aliens kämpfen ließ.   

Krieg war damals für meine Generation so weit entfernt wie die Landung von Außerirdischen auf der Erde. Krieg kannten wir nur aus dem Kino, aus Büchern oder aus Urgroßvaters Erzählungen. Vielleicht hatte so mancher noch Bilder der Kriege in Bosnien im Kopf. Mehr als das kannte ich nicht vom Krieg. Und dann kam Merkel. Und das doppelte „K“, Krieg und Krisen, kroch in meine Gedanken und lässt mich nicht mehr los. Auch nicht zehn Jahre danach.

Höre ich „Krise“, denke ich an Merkel. Lese ich „Krieg“, denke ich an Merkel. Irakkrieg, Afghanistankrieg, Finanzkrise, Eurokrise, Krimkrise, Griechenlandkrise, Flüchtlingskrise: Merkel und ihre Politik ist für meine Generation nicht nur der Inbegriff des doppelten „K“ geworden. Es ist für mich Sinnbild einer Politik, die nur damit beschäftigt ist, Gefahren abzuwenden. Oder die hechelnd hinterherläuft, wenn wieder etwas zu Bruch geht wie beispielsweise die Verhandlungen über die Krim. Eine Politik, die Trümmer aufsammelt und versucht, sie wieder zusammen zu flicken.

Viel Platz für große Reformen im eigenen Land, geschweige denn für Weltveränderung, blieb und bleibt Merkel da nicht. Und mit diesem Gefühl ist meine Generation aufgewachsen: Restaurieren statt Selbstgestalten, Reparieren statt Selbstmachen. 

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