Genfer Zentrale schaltet sich ein
Prominente und Spender laufen Unicef davon

Unicef kommt auch nach dem Rücktritt der Vorsitzenden Heide Simonis nicht zur Ruhe. Einem Zeitungsbericht zufolge greift jetzt das Unicef-Komitee - das Kontrollorgan des Hilfswerks - den Vorstand massiv an. Und auch die Zentrale in Genf meldet sich zu Wort. Denn Spender und prominente Repräsentanten reagieren nun offenbar doch empfindlich auf den Fall.

HB BERLIN. Als Konsequenz aus den Verschwendungsvorwürfen plant der Vorstand des deutschen Komitees des Kinderhilfswerks Unicef organisatorische Veränderungen. Es werde Strukturververänderungen in der Geschäftsstelle und bei der Arbeit des Vorstandes geben, sagte der amtierende Vorsitzende des Komitees, Reinhard Schlagintweit, der „Financial Times Deutschland“.

Bereits kommende Woche wolle der Vorstand einen Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG beraten, die bis dahin Vorschläge für organisatorische Veränderungen machen will.

KPMG hatte Mitte Januar in einem ersten Bericht „Verstöße gegen bestehende Regeln der Vergabe, Durchführung und Kontrolle von Transaktionen“ festgestellt, aber keine persönliche Bereicherung. Am Montag wurde der Vorwurf laut, der Vorstand habe einen kritischen Bericht von Wirtschaftsprüfern zur Verwendung von Spendengeldern geschönt. Im Streit mit Geschäftsführer Dietrich Garlichs und ihren Vorstandskollegen über die Konsequenzen aus dem Bericht war die Vorsitzende Heide Simonis am Samstag zurückgetreten.

Nun wächst der Druck auf den Vorstand, für Ruhe zu sorgen: „Wir sind besorgt wegen des Image-Schadens für Unicef“, sagt die Sprecherin des Genfer Hauptquartiers der Organisation, Veronique Taveau, der Zeitung. Sie hoffe auf eine schnelle Lösung, damit wieder ungestört gearbeitet werden könne. Die FDP-Vertreterin in der Mitgliederversammlung, Miriam Gruß, forderte ein Vorziehen der nächsten Versammlung. Die vielen tausend ehrenamtlichen Helfer müssten endlich wissen, was Sache ist, sagte Gruß.

Auch bei den Prominenten, die Unicef unterstützen, wächst die Kritik. Die Fernseh-Journalistin Nina Ruge, Mitglied des Unicef-Komitees, sagte der „Bild“-Zeitung: „Es ist den vielen freiwilligen Helfern an der Basis nicht zu vermitteln, wenn ein ehemaliger Unicef-Mitarbeiter als Pensionär für seine Arbeit 850 Euro Honorar am Tag von Unicef kassiert.“ Die Schwimmerin und Unicef-Repräsentantin Sandra Völker hatte sich am Montag von der Organisation getrennt.

Die Unicef-Regionalgruppe Niederrhein löst sich bereits auf, wie ihr Leiter Herbert Schröders der „Rheinischen Post“ sagte. „Wir hatten 20 Mitarbeiter, von ihnen werden 15 ganz aufhören und fünf zu Nachbargruppen gehen.“ Schröders hatte die Gruppe vor 25 Jahren gegründet. Eine Sprecherin der Kölner Zentrale sagte der Zeitung, Unicef habe in den vergangenen Wochen rund 5000 Dauerspender verloren.

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