Genkartoffel-Verbot
Seehofer will Genkartoffel von BASF verbieten

CSU-Chef Horst Seehofer wird für seine getreue Parteifreundin und Nachfolgerin im Bundeslandwirtschaftsministerium, Ilse Aigner, zunehmend ungemütlich: Nach dem unionsintern umstrittenen Verbot von gentechnisch verändertem Mais, will er nun eine gentechnisch veränderte Kartoffelsorte von BASF verbieten lassen.

pt/pm/dhs/shf/ebo BERLIN. Mit ihrem Verbot des gewerblichen Anbaus der gentechnisch veränderten Maissorte Mon 810 vor einer Woche Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) nicht nur die Wirtschaft gegen sich aufgebracht. Der US-Saatgutkonzern Monsanto hat inzwischen Klage beim Verwaltungsgericht Braunschweig eingereicht. Auch in der Unionsfraktion steht Aigner mit ihrer von München gesteuerten Gentechnikpolitik immer isolierter da.

Dessen ungeachtet drängt die Parteispitze die Ministerin schon zur nächsten gentechnikfeindlichen Tat. Beim regelmäßigen Jour Fixe am Sonntagabend sollen Seehofer und Bayerns Umweltminister Markus Söder Aigner gedrängt haben, nach dem Genmais-Verbot nun auch die genmanipulierte Amflora-Kartoffel von BASF zu verbieten. Dabei geht es hier nicht einmal um großflächigen Anbau. Der Konzern hatte beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit nur beantragt, in Mecklenburg-Vorpommern auf bis zu 40 Hektar Ackerfläche seine Genkartoffel versuchsweise anbauen zu dürfen. Deren Erbgut ist so verändert, dass die aus der Kartoffel zu gewinnende Stärke für industrielle Zwecke interessant ist, so zur Herstellung von Papier oder Klebstoffen.

"Es ging darum, die Einzelfallentscheidung bei Mon 810 in eine grundsätzliche Richtung einzubetten", sagte ein Teilnehmer der sonntäglichen Runde dem Handelsblatt. Für Seehofer wäre das Verbot der Genkartoffel ein weiterer Beleg dafür, dass die mitten im Europawahlkampf steckende CSU den Gentechnik- ängsten der Bayern Rechnung trägt. Denn die CSU braucht jede Stimme, um bei den Europawahlen nicht unter die Fünf-Prozent-Hürde zu fallen. "Das Genmais-Verbot hat uns da schon sehr geholfen", hat der CSU-Spitzenkandidat für die Europawahlen Markus Ferber beobachtet: "Wir müssen die Sorgen der Menschen ernst nehmen."

Doch nicht nur gegenüber der Schwesterpartei CDU, auch in der CSU kommt die Parteispitze mit dieser Linie in Erklärungsnöte. Vor allem in der Landesgruppe, also unter den CSU-Abgeordneten im Bundestag, mehren sich die Stimmen derer, die Aigners Entscheidung beim Genmais offen kritisieren.

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