Genscher ist tot
„Deutschland verliert einen großen Staatsmann“

Als großen Staatsmann, Architekten der Einheit und das „freundliche Gesicht Deutschlands“ würdigen einstige Weggefährten und Prominente Hans-Dietrich Genscher. Viele erinnern auch an dessen größte politische Momente.

BerlinMit Trauer und Bestürzung reagieren Politiker, ehemalige Weggefährten und Prominente auf den Tod Hans-Dietrich Genschers. Die Bundesregierung hat den früheren Außenminister in einer ersten Reaktion auf die Todesnachricht als großen Staatsmann gewürdigt.

Die Mitteilung erreichte den stellvertretenden Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag in einer routinemäßigen Bundespressekonferenz in Berlin. Streiter sagte, Genscher habe wie ganz wenige andere die Geschicke Deutschlands beeinflusst.

Er nannte ihn einen großen Europäer und großen Deutschen. Er, Streiter, fühle sich in diesem Moment als stellvertretender Regierungssprecher „zu klein, um diesen großen Staatsmann zu würdigen“. Der langjährige Bundesaußenminister und FDP-Chef war am Donnerstag verstorben. Das teilte sein Büro am Freitag in Bonn mit. Genscher starb demnach im Alter von 89 Jahren an Herz-Kreislauf-Versagen.

Bundespräsident Joachim Gauck nannte Genscher eine „herausragende Persönlichkeit in der Geschichte unseres Landes“. Gauck erinnerte am Freitag in Berlin an die Rolle Genschers bei der deutschen Wiedervereinigung. „Beharrlich, allgegenwärtig und mit feinem Gespür für historische Momente hat er das friedliche Zusammenwachsen unseres Landes und unseres Kontinents vorangetrieben.“

Genscher habe Deutschland mit „seiner Verlässlichkeit und seinem diplomatischen Geschick“ in der Welt ein Gesicht gegeben und das Vertrauen bei den Partnern des Landes gestärkt. „Hans-Dietrich Genscher hat Großes geleistet, er hat die Geschichte unseres Landes in unruhigen Jahrzehnten mitgestaltet und geprägt“, teilte der Bundespräsident weiter mit.

Genscher war von 1974 bis 1992 Bundesaußenminister und Vizekanzler. Von 1974 bis 1985 war er Bundesvorsitzender der FDP, seit 1992 dann Ehrenvorsitzender der Partei. Auch nach dem Ausscheiden aus seinen politischen Ämtern hatte Genscher sich regelmäßig zu aktuellen politischen Themen zu Wort gemeldet.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner reagierte prompt. Genscher „hat Geschichte geschrieben und unser Land geprägt. Wir haben ihm viel zu verdanken. Unsere Trauer kann nicht größer sein“, schrieb Lindner bei Twitter. Genscher sei „Architekt der Einheit, einer der Begründer der EU und unser väterlicher Freund“. Ex-FDP-Chef Philipp Rösler sagte vor Journalisten: „In tiefster Trauer und voll von unendlichem Respekt vor Hans-Dietrich Genschers Leistungen für Deutschland, Europa und die Welt.“

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) würdigte Genscher als „großen Deutschen und großen Europäer“. „Sein Platz in den Geschichtsbüchern ist ihm gewiss“, erklärte Steinmeier am Freitag am Rande eines Besuchs in Tadschikistan.

Dies sei „eine Nachricht, die mich tief bewegt und mit großer Trauer erfüllt“, sagte Steinmeier. Genscher habe „in seinem langen und bewegten Leben buchstäblich Geschichte geschrieben“. Dabei sei ihm besonders die Überwindung der Teilung Deutschlands und der Spaltung Europas eine lebenslange Aufgabe gewesen.

Im Ausland sorgte die Todesnachricht ebenfalls für Bestürzen. Der ehemalige US-Außenminister James A. Baker hob das Engagement und die Leidenschaft dieses „herausragenden Staatsmannes“ hervor. Deutschland, Europa und auch der Rest der Welt haben enorm von Genscher profitiert, so Baker. Auch Jean-Claude Juncker reagierte Betroffen: „Er wird mir und Europa fehlen. Denn er hatte sein ganzes unermüdliches politisches Wirken der Versöhnung, der Einigung und dem Wohlergehen dieses Kontinents verschrieben. Damit hat er viel für uns Europäer erreicht“, erklärte der EU-Kommissionpräsident am Freitag.

Michael Roth, SPD-Staatsminister im Auswärtigen Amt teilte mit: „Hans-Dietrich Genscher war in meiner Jugend der 'ewige' Außenminister und hat das Amt geprägt. Möge ihm jetzt die ewige Ruhe beschieden sein.“ SPD-Vize Ralf Stegner würdigte Genscher als liberalen Politiker: „Sicher einflussreichster Freidemokrat der letzten Jahrzehnte. Erfahrener Außenminister+Mann der Wende“. Und CDU-Vize Armin Laschet schrieb: „Das Jahr 2016 brachte nach meinem Gefühl in gerade mal drei Monaten schon allzuviele Todesnachrichten.“

Johannes Vogel, Generalsekretär der FDP-NRW und ehemaliger Chef der Jungen Liberalen, schrieb bei Twitter: „Weder die FDP noch vor allem unser Land kann man sich ohne Hans-Dietrich Genscher wirklich vorstellen. Herzliches Beileid seiner Familie!“

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„Seine Ausreise in den Himmel ist heute…möglich geworden“

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