"Genug Umverteilung in den Sozialsystemen"
Experten lehnen Unions-Kinderbonus ab

Der von der Union geplante Kinderbonus in der Alterssicherung ist nach Auffassung führender Rentenexperten ordnungspolitisch verfehlt und wird sein Ziel nicht ereichen.

BERLIN. Im Handelsblatt äußern der Wirtschaftsweise Bert Rürup, der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen, der Mannheimer Demographie-Forscher Axel Börsch-Supan und der Forschungsdirektor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Gert Wagner, erhebliche Vorbehalte gegen das Vorhaben, für jedes ab 2007 geborene Kind den Rentenbeitrag aus Steuermitteln um 50 Euro zu ermäßigen.

"Durch das Konzept werden die Erziehungsleistungen von Beamten, Selbstständigen und Sozialhilfeempfängern diskriminiert, die keine Rentenversicherungsbeiträge bezahlen", monierte Rürup. Raffelhüschen warnte im Handelsblatt: "Wir haben genug Umverteilung in den Sozialsystemen. Das sollten wir nicht noch ausbauen."

Nach Auffassung von Börsch-Supan verstoßen die Pläne gegen das Äquivalenzprinzip von Beitrag und Leistungen in der Rentenversicherung: "Damit begeben wir uns auf eine schiefe Ebene."

Sämtliche Professoren sprechen sich grundsätzlich für eine stärkere Familienförderung aus. Sie halten jedoch den Kinderbonus in der Rentenversicherung für den falschen Weg. "Nach allem, was wir weltweit wissen, spielen Sozialtransfers kaum eine Rolle für die Entscheidung, Kinder zu bekommen", sagte DIW-Direktor Wagner.

Entscheidend sei vielmehr eine bessere Kinderbetreuung und die Verringerung der ökonomischen Unsicherheit. "Alle Länder, in denen die Kinderzahlen wieder deutlich ansteigen, arbeiten weniger mit monetären Hilfen, sondern schaffen eine Infrastruktur, die die Erwerbstätigkeit und Kindererziehung vereinbar macht", argumentierte auch Franz Ruland, der Chef des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR).

Im Gegensatz zum ehemaligen Verfassungsrichter Paul Kirchhof, der dem Kompetenzteam der CDU angehört, halte er weitere Familienleistungen im Rentensystem nicht für erforderlich. Durch die Anerkennung von Erziehungszeiten gebe es "bereits jetzt ausreichend differenzierte Leistungen", sagte Ruland.

Der Kinderbonus wird nach Berechnungen des Handelsblatts in der Endstufe jährlich zwischen 4,2 und fünf Milliarden Euro kosten. Die von der Union zur Finanzierung angekündigte Abschaffung der Eigenheimzulage bringe dem Bund hingegen maximal 2,5 Milliarden Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%