George Soros : „Deutschland hat keine Wahl“

George Soros
„Deutschland hat keine Wahl“

Star-Investor Soros sieht Deutschland in der Pflicht. Zur Lösung der Euro-Krise soll es mehr Geld auf den Tisch legen. Bundesbank-Urgestein Issing hält dagegen. Beide lieferten sich am Abend einen Schlagabtausch.
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FrankfurtAm Mittwoch trafen in Frankfurt zwei Welten aufeinander. Die eine Welt ist die des Investors George Soros – die andere die der Deutschen Bundesbank und ihres langjährigen Chefvolkswirts (1990-1998) Otmar Issing. Beide diskutierten am Mittwochabend an der Frankfurter Universität über die Rolle Deutschlands in der Euro-Krise.

Für Issing, der zwischen 1998 und 2006 auch Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) war, sind gemeinsame Regeln das Ein und Alles in einer Währungsunion. „Die Eurozone ist eine Rechtsgemeinschaft“, sagt er. Sie gründe auf den Maastrichter-Schuldenkriterien und dem Ausschluss einer gemeinsamen Haftung der Mitgliedsstaaten (No-Bailout-Klausel). Die Ursache für die Krise sieht Issing darin, dass einige Länder kontinuierlich gegen die Regeln verstoßen hätten.

Soros dagegen hält die Maastrichter-Kriterien für überholt. „Die Euro-Krise war im Maastrichter Vertrag nicht vorgesehen“, argumentiert er. Die Regeln seien im aktuellen Umfeld nicht praktikabel. „Die Euro-Krise ist nicht ausgestanden.“ Auch wenn sich die Situation an den Finanzmärkten seit der Intervention der EZB verbessert habe, sagt Soros. Die aktuelle Politik in den Euro-Krisenländern ist aus seiner Sicht „nicht durchzuhalten.“ Die Länder würden durch Arbeitslosigkeit, wirtschaftlichen Niedergang und die hohen Schulden erdrückt.

Vor der Bundestagswahl hatte Soros betont: Deutschland muss seine Verantwortung für die Eurozone akzeptieren oder aus dem Euro austreten. Die erste Variante bedeutet nach Soros' Lesart: Deutschland soll mehr Geld auf den Tisch legen. Inzwischen habe sich die Wahl jedoch erübrigt. „Jetzt ist die einzige Alternative für Deutschland seine dominante Position zu akzeptieren.“ Es müsse als „wohlwollender Hegemon nach Wegen suchen, die Schuldnerländer aus der Schusslinie zu bringen", fordert er. Und präsentiert dafür auch gleich einen Vorschlag.

Sein Plan geht so: Die Eurozone soll einen gemeinsamen Haushalt aufbauen, der etwa vier Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht. Das Budget soll aus Unternehmenssteuern finanziert werden – und die Einnahmen in eine gemeinsame Arbeitslosenversicherung fließen. Wenn die Arbeitslosigkeit in einem Land stiege, erhielte es höhere Zahlungen aus der gemeinsamen Versicherung. Damit – so die Hoffnung – ließen sich Krisen besser abfedern.

Kommentare zu " George Soros : „Deutschland hat keine Wahl“"

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  • Sorror hat ausnahmsweise mal recht. Ich mag ihn nicht, diesen alten Zocker,, aber wo er recht hat hat er recht.
    Wieso fragt man da, was will dieser Mann?
    Naja, vielleicht uns die augen öffenen und auch den medien, die ja über jahre keine rühmliche rolle gespielt haben.
    Dieser mann ist alt, reich, unabhängig, er kann es sich leisten, die WAHRHEIT zu sagen, laut und deutlich. Er kann uns die rosa Brille wegnehmen und uns mit der EU Sache , dem Eu untergang konfrontieren. Er hat nicht mehr zu verlieren.
    Würden aktive noch berufstätige leute bei uns die wahrheit sagen, müssten sie sofort mit beruflichen Konsequenzen rechen, als kuschen sie alle, sie belügen uns täglich.
    Diese EU mit dem EURO ist nicht mehr zu halten, sie taumelt gerade ihrem Ende entgegen. das sieht doch ein Blinder mit dem Krückstock.
    Es ist langsam rührend, wei sich alle um Schönwetterberichte bemühen, wie man alle Kräfte dagen bekämmpft .. siehe auch AfD.
    Wir sollten froh sein, das sich leute aufmachen, der Wahrheit ins Auge zu sehen, statt sich weiter selber zu belügen.
    Dass sich ausgerechnet Sorros zum Wahrheitsprediger aufgemacht hat, das ist ja schon erstaunlich. Bekanntlich hören ja die deutschen auf alles was aus den USA kommt.
    Vielleicht hört man ja auf ihn.

  • So machts China mit Hongkong, Singapur und glaub sogar Shanghai (oder ist da der Yuan). Dient als Puffer für Spekulationen gegen die Hauptwährung. Aber das traue ich unseren Politikern nicht annähernd zu.

  • George Soros ist ein linksliberales Ekel-Paket!

    Wir dürfen nicht vergessen: Beinahe hätte er England in den Ruin getrieben. Menschen sind ihm egal, ihn interessiert nur sein Profit.
    ALLES, was er sagt, kann man getrost in die Tonne kloppen!

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