George W. Bush setzt künstliche Ernährung einer Koma-Patientin per Gesetz durch
„Im Zweifel für das Leben“

US-Präsident George W. Bush unterzeichnete in der Nacht zu gestern ein Gesetz zum Fall der Komapatientin Terri Schiavo. Mit dem Eilgesetz haben sich die US-Parlamentarier auf ein ethisch schwieriges Feld begeben.

WASHINGTON. Der Anruf kam gegen ein Uhr morgens. Ein enger Mitarbeiter weckte Präsident George W. Bush, der in der Regel um 22 Uhr zu Bett geht. Kurz darauf unter-zeichnete er ein Gesetz, das vom Repräsentantenhaus mit 203 zu 58 Stimmen am Sonntag in einer Nacht- und Nebelaktion durchgepeitscht worden war. Das Papier gibt den Eltern der Koma-Patientin die Gelegenheit, bei einem Bundesrichter die Fortsetzung der künstlichen Ernährung für ihre Tochter zu fordern. Der Senat hatte die Vorlage zuvor bereits durchgewunken.

Am Freitag hatten Ärzte die Ma-gensonde aus dem Körper der 41-jährigen Frau entfernt: Deren Ehe-mann hatte dies bei einem Gericht in Florida beantragt und Recht bekommen. „Lasst sie endlich in Ruhe sterben“, mahnte Michael Schiavo im Fernsehen. Terris Eltern wiesen dies empört zurück. Das Schicksal der Frau, die nach einem Herzinfarkt seit 15 Jahren im Koma liegt, wühlt Amerika auf. Und der Präsident ließ keinen Zweifel, auf wessen Seite er steht: „Ich werde weiterhin bei denen sein, die das Leben aller Amerikaner verteidigen, auch das der Behinderten.“

Im Repräsentantenhaus war eine erbitterte Debatte vorausgegangen. Der Sprecher der Kammer, der Re-publikaner Dennis Hastert, zitierte aus einem Text von Papst Johannes Paul II. zugunsten von lebensverlän-gernden medizinischen Behandlun-gen. Dagegen kritisierte der demo-kratische Parlamentarier Robert Wexler: „Der Kongress verletzt die Gewaltenteilung, die dem rechtspre-chenden und dem gesetzgebenden Arm seit mehr als 200 Jahren eine besondere Rolle zugewiesen hat.“

Seite 1:

„Im Zweifel für das Leben“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%