Geplante Terrortat
Kriminalpsychologen rätseln über getarnten Soldaten

Der Fall des als Flüchtling getarnten Bundeswehrsoldaten bereitet Psychologen Kopfzerbrechen: Ermittlungen zu Motiven, Hintergründen und Vorgeschichte bringen Skurriles ans Tageslicht.
  • 17

BerlinNach der Festnahme eines als Flüchtling registrierten und unter Terrorverdacht stehenden Bundeswehrsoldaten harren noch zahlreiche Fragen der Aufklärung. Die Ermittler gehen in diesem äußerst ungewöhnlichen Fall von einem fremdenfeindlichen Motiv aus. Der Fall sei rätselhaft, sagte der Wiesbadener Kriminalpsychologe Rudolf Egg der Deutschen Presse-Agentur. Der Oberleutnant habe mit dem Asylverfahren einen „Riesenaufwand betrieben“, konstatierte der Kriminalpsychologe. „Und das ist ja auch riskant“, sagte Egg. „Das bleibt eigenartig.“

Der am Mittwoch im unterfränkischen Hammelburg festgenommene 28 Jahre alte Oberleutnant war erstmals vor fast drei Monaten auf dem Flughafen Wien aufgefallen, weil er eine Pistole in einer Toilette vor den Sicherheitskontrollen auf dem Flughafen versteckt hatte. Es bestehe der Verdacht, dass er mit der Waffe eine schwere staatsgefährdende Straftat geplant habe, berichtete die Staatsanwaltschaft in Frankfurt, ohne etwas über mögliche Anschlagsziele sagen zu können.

Den Ermittlungen zufolge hatte sich der Offenbacher Ende Dezember 2015 bei der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen unter falschem Namen als syrischer Flüchtling ausgegeben. Die Behörden schöpften dem Anschein nach bei der Registrierung keinen Verdacht. Anschließend erhielt er eine Unterkunft in einem Flüchtlingsheim und bezog als Asylbewerber mit eingeschränktem Schutzstatus neben seinem Sold weiteres Geld unter falschem Namen.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte die nachträgliche Überprüfung von Asylbescheiden. Dies sei aus Sicherheitsgründen nötig, sagte Herrmann der „Welt“ (Freitag) und verwies auf Fälle, in denen die Identität der Asylsuchenden nicht eindeutig festgestellt werden konnte. Der jetzt aufgedeckte Fall sei auch „ein makabrer Beleg, dass seit 2015/2016 zeitweise Asylbewerber ohne ernsthafte Prüfung ihrer Identität anerkannt wurden“, sagte er.

Der Fall soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Freitag Thema im Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestags sein. Die Bundesregierung ist dazu verpflichtet, das Gremium umfassend über die allgemeinen Tätigkeiten der Nachrichtendienste und über Vorgänge von besonderer Bedeutung zu unterrichten.

Der in Frankreich stationierte Soldat sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Nach Informationen der Zeitungen der Funke Mediengruppe soll der Terrorverdächtige einen Arabisch-Kurs belegt haben und in einer rechtsextremen WhatsApp-Gruppe aktiv gewesen sein. Auch gegen einen 24-jährigen mutmaßlichen Komplizen erging Haftbefehl.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Geplante Terrortat: Kriminalpsychologen rätseln über getarnten Soldaten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Herr G. Nampf

    In der Beurteilung zu Höcke & Konsorten, nebst seiner glühenden Bewunderer, wie dieser Hofmann, der hier oft genug und immer wieder von „unser Reich“ faselt, stimme ich Ihnen genauso zu, wie zu auch zukünftig fehlender Akzeptanz der AfD in der breiten Bevölkerung, wenn sich diese Partei nicht von diesen geistigen Dumpfbacken trennt.

    Das aber wird nach Lage der Dinge nicht erfolgen, denn dazu ist betreffende Anteil in der Partei zu groß. Anders wäre es sicher gekommen, hätte Lucke nicht das Handtuch geworfen und damit über 2000 Parteiaustritte vernünftiger Leute verursacht.

    Zur Erinnerung: Auch damals ging es um einen Rausschmiss Höckes, den Lucke wollte - und damit komme ich zur Petry, die dem sich widersetzte und sich Unterstützung gegen Lucke aus dem Kreis der damals schon reichlich vorhandenen Höcke-Freaks sicherte.

    In einem Kommentar in der WiWo habe ich damals nach dem Sturz von Lucke geschrieben, dass diese intrigante Petry als „Provinzfürstin“ enden wird. Das scheint die tatsächlich ernst genommen zu haben, wenn ich mir so ihre Selbstdemontage ansehe.

  • @ G. Nampf28.04.2017, 09:48 Uhr

    "...Famieliennachzug...."

    Oh Gott, daran habe ich gar nicht gedacht. Dann ist diese Königin, dieses riesenhafte Ungeheuer ja auch bald im Land....
    Was das alles für Folgen hat!


    :D

  • @Novi Prinz

    Nicht schlecht :) Noch besser hätte er es angestellt, wenn er gleich in Uniform Asyl beantragt und angegeben hätte, sein Ziel wäre es, in führender Position in der BW für die Demokratie kämpfen zu wollen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%