Gerangel bei Aufstellung der Listen
Prominente Genossen fürchten um Mandat

Die SPD bereitet sich auf einen Generationenwechsel in der Opposition vor. Prominente Minister wie Hans Eichel (Finanzen) und Otto Schily (Inneres) werden voraussichtlich nicht mehr auf den Spitzenplätzen ihrer Landesverbände in den Bundestagswahlkampf ziehen.

BERLIN. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement kandidiert ohnehin nicht für das Parlament. Generalsekretär Klaus Uwe Benneter muss um sein Abgeordnetenmandat bangen. Nachwuchskräfte wie die Parteilinke Andrea Nahles und der niedersächsische Fraktionschef Sigmar Gabriel rechnen sich gute Chancen für den Bundestag und für Parteiämter aus.

Bundesweit werden derzeit in den Wahlkreisen die Direktkandidaten für die Bundestagswahl nominiert. In der SPD hat daher ein großes Gerangel begonnen: Die Partei muss nicht nur damit rechnen, dass sich ihre Fraktion von derzeit 251 Frauen und Männern deutlich verkleinern wird. Nach den derzeitigen Umfragen dürften zahlreiche Wahlkreise vor allem in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen, die bislang direkt gewonnen wurden, verloren gehen. Entsprechend groß ist der Andrang auf einen sicheren Listenplatz. Die Listen werden auf Delegiertenkonferenzen ab dem 9. Juli beschlossen.

Schon jetzt ist klar, dass einige prominente Politiker wie Ute Vogt und Hans-Martin Bury (Baden-Württemberg), SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier und der Parlamentarische Geschäftsführer Wilhelm Schmidt (Niedersachsen), Rudolf Scharping (Rheinland-Pfalz) und der nordrhein-westfälische Landesgruppenchef Hans Peter Kemper nicht mehr antreten. Doch das mindert den Druck auf die als "sicher" geltenden vorderen Listenplätze nur unwesentlich.

In Rheinland-Pfalz dürfte Andrea Nahles, deren Wiedereinzug in den Bundestag 2002 knapp scheiterte, dieses Mal an der Listenspitze platziert werden. Die Verfechterin der Bürgerversicherung, die bereits jetzt dem Parteipräsidium angehört, gilt neben Sigmar Gabriel, der in Niedersachsen antritt, auch als Anwärterin auf den durch Clements Abschied freiwerdenden Posten des stellvertretenden Parteivorsitzenden, der im November neu zu besetzen ist.

In Bayern muss Innenminister Schily den Posten des Spitzenkandidaten räumen. Statt seiner soll der populäre Fraktionsvize Ludwig Stiegler als Zugpferd in die Auseinandersetzung ziehen. Der Mann mit dem roten Pullover, der dem linken Parteiflügel angehört, war erst kürzlich mit 95 Prozent zum Landeschef wiedergewählt worden. Nach dem in der Satzung festgelegten Mann-Frau-Schema dürften auf Platz 2 Familienministerin Renate Schmidt und erst auf dem dritten Platz Schily folgen.

Vom Spitzenplatz verdrängt werden soll auch Kassenwart Hans Eichel in Hessen. Starke Kräfte in der Partei sähen lieber Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul als Nummer eins. Eine Kampfkandidatur hat Wieczorek-Zeul ausgeschlossen. Die beiden Politiker müssten sich also einigen. Zudem soll Justizministerin Brigitte Zypries, die in Darmstadt kandidiert, auf der Liste abgesichert werden.

Die Kandidatenriege in Nordrhein-Westfalen dürfte von Parteichef Franz Müntefering angeführt werden. Sozialministerin Ulla Schmidt werden gute Chancen auf Platz zwei eingeräumt. Ansonsten steht im mitgliederstärksten Verband auf den ersten 30 Plätzen eine kleine Revolution bevor: Sie sollen entgegen der Tradition nicht mehr strikt nach regionalem Proporz vergeben werden. Vielmehr will sich der Landesvorstand an der Leistung orientieren und insbesondere jüngeren Kandidaten eine Chance geben.

Bis zum 7. August zittern muss SPD-General Benneter. Seine Direktkandidatur in Berlin-Zehlendorf steht auf wackligen Füßen. Erst an diesem Tag entscheidet sich, ob Benneter auf der Liste abgesichert wird.

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