Gerhard Schröder auf der IAA
Der Autokanzler posiert

Es war natürlich kein normaler öffentlicher Auftritt, den Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Dienstag auf der Frankfurter Automesse IAA absolvierte.

HB FRANKFURT AM MAIN. Der "Autokanzler" in seinem Element - würde ihm das Posieren neben den PS-starken und blank geputzten Produkten der deutschen Industrie fünf Tage vor der Bundestagswahl noch einmal zusätzliche Prozentpunkte einbringen? Oder sollte es eher eine Abschiedstour zu den Bossen der großen Konzerne werden, zu denen er stets ein gutes Verhältnis hatte?

Hunderte von Neugierigen standen beim Rundgang des Kanzlers durch die Messehallen Spalier, jede seiner Gesten und Worte konnte als Symbol im Wahlkampf ausgelegt werden. Und so geschah es auch prompt, als sich Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) ungefragt neben Schröder auf die Vordersitze eines BMW Z4-Cabrios drängte. Sofort machte das Wort von der Großen Koalition die Runde. Schröder hatte Glück: Er saß am Steuer des BMW, Koch und die CDU waren nur Beifahrer.

Erleichtert, dass Audis Hybrid tatsächlich fährt

Routiniert lächelte Schröder in die Kameras, zeichnete mit den Händen die Formen der nagelneuen Automobile nach und zeigte sich grundsätzlich begeistert. "Schon ein tolles Auto", lobte er die neue S-Klasse von Mercedes-Benz. Erleichtert atmete der Kanzler auf, als ihm versichert wurde, dass die noch nicht serienreife Hybrid-Variante des Audi-Geländewagens Q7 auch "tatsächlich fährt". Die deutsche Autoindustrie habe den Vorsprung der Japaner bei dem Zukunftsantrieb also doch nicht verschlafen.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sprach Schröder "Komplimente für die glanzvollen Ergebnisse" aus. Wieder war die Symbolik am Werk - solche Zitate würde sich Schröder am Wahlabend sicher auch wünschen. Die Konzernchefs vergaßen bisweilen ihre gute Manieren, um neben Schröder abgelichtet zu werden. So wich der künftige DaimlerChrysler - Chef Dieter Zetsche nicht von der Seite des Kanzlers, während der noch amtierende Boss des größten deutschen Unternehmens, Jürgen Schrempp, nicht so richtig wusste, wohin mit sich.

Hessens Wirtschaftsminister hat seine liebe Not

Die Sicherheitskräfte ließen nicht jeden in den erlauchten Kreis der wirklich Prominenten. "Ich bin der Wirtschaftsminister von Hessen", versicherte Alois Rhiel (CDU) einem der Bodyguards und bat um Durchlass an der Absperrung. Das ging gerade noch durch.

Auf einer Rolltreppe rief ein Journalist Schröder zu, dass es nun "endlich mal nach oben gehe". Der Kanzler quittierte alle guten Wünsche mit einem erhobenen Daumen und lächelte ohne Aussetzer. Eine Umarmung Schröders bekam allerdings nur der Betriebsratschef von Opel, Klaus Franz, zu spüren. Dass der Bundeskanzler auch mal vom Protokoll des Rundgangs abweicht, hat auf der IAA Tradition. Diesmal schaute er bei Renault-Chef Carlos Ghosn vorbei, und der Besuch konnte durchaus als Geste deutsch-französischer Freundschaft des Europa-Politikers Schröder interpretiert werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%