Gerhard Schröder
Auftritt nur für echte Freunde

Gerhard Schröder gibt wieder den Politiker. Doch nicht seiner Partei will er damit helfen - sondern nur seinem Kumpel Frank-Walter Steinmeier. Wie der Bundeskanzler a. D. in diesen Tagen für den Bundeskanzler in spe wirbt.

BERLIN. Hätten sich an diesem Morgen nicht 70 000 Krankenhausangestellte am Ku'damm getroffen, um gegen die Politik der Großen Koalition zu demonstrieren - Gerhard Schröder wäre pünktlich zur Lobhudelei gekommen. Die Uhr zeigt zehn nach zehn, 300 Gäste wollen ihn hören. Im Rücken der Kameraleute und Fotografen stehen Gastgeber Sigmar Gabriel und der Chef des Energiekonzerns RWE, Jürgen Großmann. Da betritt Schröder mit seinen Sicherheitsbeamten das Foyer des Dorint-Hotels am Zoo.

Spot an, Blitzlichter, klick, klick. Gastgeber Gabriel schiebt sich nach vorne, schüttelt die Hand Schröders. Der zieht ihn heftig an sich; ihre Oberkörper prallen gegeneinander, wie es bei jubelnden Sportlern gerne mal passiert. Sigmar Gabriel winkt Großmann für ein gemeinsames Foto heran. Klick, klick, klick. Dann sagt Gerhard Schröder: "So, packen wir's."

Gerhard Schröder ist wieder da. Vor drei Jahren hat er als Bundeskanzler die politische Bühne verlassen. An diesem Donnerstag, zwei Tage vor dem 27. September - an dem die SPD vor exakt zehn Jahren die Macht im Land übernahm - spricht er als "Bundeskanzler a. D." auf der Konferenz seines Ziehsohns, Bundesumweltminister Gabriel. Die da heißt: "Energiestandort Deutschland 1998-2008 - Bilanz und Perspektiven". Es ist ein Fest, dessen Unterschrift auch lauten könnte: "Wir Sozialdemokraten - allen voran ich, Gerhard Schröder - haben die Energiewende in Deutschland eingeleitet."

In dieser Aussage steckt so viel Wahrheit wie in Schröders Behauptung im Wahlkampf 1998, der aufkeimende Aufschwung habe das Land seinetwegen erreicht. Aber weshalb schaltet er sich ein? Betritt das Mysterium der SPD wieder die Parteibühne? Zog er gar die Fäden im Hintergrund, als sein Freund Frank-Walter Steinmeier zum Kanzlerkandidaten ausgerufen wurde und Kurt Beck sich zum Rücktritt gezwungen sah? Manche sehen es so.

Fest steht: Die politischen Termine mit Gerhard Schröder häufen sich. Doch alle, die ihn kennen, sagen: Er tritt nicht für die Partei auf, sondern für seine Freunde - auch wenn sich das derzeit schwer trennen lässt. Die Partei hat Schröder nie Liebe entgegengebracht, und sie war nicht einmal in der Lage, eine zentrale Zehn-Jahre-an-der-Regierung-Feier auf die Beine zu stellen.

Die Schröder-Woche begann am vergangenen Montag. Der SPD-Verlag "Vorwärts" feiert sein Sommerfest bei nasskalten zwölf Grad in der Berliner Kulturbrauerei. Es ist nicht selbstverständlich, dass der Alt-Bundeskanzler erscheint. Sein Freund Steinmeier befindet sich auf dem Weg nach New York, zur Uno. Schröder lehnt an einem Stehtisch. Wie ein Magnet zieht er die Fotografen an - und die gesamte SPD-Prominenz. Umweltminister Gabriel steht da, Finanzminister Peer Steinbrück, der Arbeitsminister Olaf Scholz, der Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann, die Schatzmeisterin Barbara Hendricks. Hannelore Kraft, Landeschefin in Nordrhein-Westfalen, schiebt sich geschickt vor Steinbrück, um direkt neben Schröder stehen zu können. Es wird geplauscht, gelacht, gewitzelt. Die SPD will guter Laune sein. Umfragen hin oder her.

Schröder genießt sich als Mittelpunkt. Geschlossenheit zählt. Keine Rede davon, dass die SPD unter seiner Führung mehr als 200000 Mitglieder verlor und eine neue Partei links von der SPD emporspross, dass etliche Gewerkschafter mit der Schröder-SPD ihre politische Heimat verloren.

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