Gerhard Schröder in Düsseldorf
„So Gute wie mich gibt’s nicht mehr“

Putin, Griechenland, die Fifa: Gerhard Schröder verbreitet in Düsseldorf seine Sicht auf die Welt. Der Altkanzler gibt ein bisschen an, er witzelt – doch beim Thema SPD und Parteichef Gabriel wird er streng.
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DüsseldorfWirtschaftskompetenz. Das ist jetzt sein Stichwort. Großes Thema. „Wir hatten Wirtschaftskompetenz“, sagt Gerhard Schröder – und betont das „hatten“. Er meint die SPD, damals, als er Kanzler und Parteichef war. Und jetzt? „Es gibt bei der SPD eine gewisse Schwäche, was die Wirtschaft angeht“, mahnt der Altkanzler auf der Bühne mit dieser tiefen, raumfüllenden Schröder-Stimme. „Die Rente mit 63 und die Mütterrente sind ein teurer Spaß, das wird sich rächen“. Applaus.

Der Agenda-Kanzler musste zusehen, wie seine Nachfolger gemeinsam mit der Union das Reformwerk abschleifen. „Die SPD könnte heute stolzer sein mit dem, was sie erreicht hat“, sagt Schröder. Doch sei es ja leider so: „Die SPD ist mit dem, was sie schafft, nie zufrieden und wird nie zufrieden sein“. Das liege an ihrem ewigen Streben nach einer perfekten Gesellschaft.

Doch Schröder ist lieber der Unperfekte, der Pragmatiker, dem Ideologie suspekt ist. Der stolz ist auf seine Agenda – und das an diesem Montagabend in Düsseldorf bis in die natürlich dunklen Haarspitzen ausstrahlt. Braun gebrannt, die blauen Augen wach, sitzt der 70-Jährige auf der Bühne beim „Ständehaus-Treff“ im edlen Kunstmuseum K21 vor den versammelten Stadt-Honoratioren und beantwortet geduldig und gut gelaunt alle Fragen.

Da sitzt kein Elder Statesman, kein Großvater der Nation. Da sitzt einer, der Energie versprüht, der seiner Meinung nach 2005 viel zu früh in die bundespolitische Rente gezwungen wurde. Natürlich sagt der Altkanzler auch, er sei zufrieden mit seinem Leben nach der Politik. Dass er jeden Tag um halb sieben aufstehe, die Kinder zur Schule bringe und sie nachmittags wieder abhole. Doch als Loriot’schen Rentner Herrn Lohse, der hier einkauft, mag man sich Schröder nicht vorstellen. Er hat ja noch „weltweit Reden“ und hat die „zwei, drei vier Mandate, die den Menschen ernähren“, wie er es lächelnd umschreibt. Er meint damit unter anderem sein umstrittenes Aufsichtsrats-Mandat im russischen Gazprom-Imperium, eine Sache, die ihm viele in Deutschland noch übler nehmen als die Agenda 2010.

Kommentare zu " Gerhard Schröder in Düsseldorf: „So Gute wie mich gibt’s nicht mehr“"

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  • Schuld an der Deutschen Misere hat weder Gerd Schröder noch Angela Merkel.
    Schuld hat die über geordnete Beamten-Diktatur, die sich jeglicher Beamten-Reform widersetzt.
    Und das nur aus Eigennutz.
    Das Schicksal des Deutschen Volks ist diesen Blutsaugern scheißegal

    Wir müssen erst wieder Revolution von unten machen, damit sich was wandert.

  • Also ich bin ganz bestimmt kein Merkel-Fan.
    Aber ich muß mich heute noch vor Lachen kringeln, wenn ich an die Show denke, die Schröder halb besoffen nach Merkels Wahl abgeliefert hat.
    In einem hat er allerdings recht: auch wenn er finanziell involviert ist, mit den Russen sollte es sich Deutschland auf gar keinen Fall verscherzen. Das gibt Prügel, die wir nur schwer aushalten können. Aber wir müssen ja auch die Fahne unserer amerikanischen Freunde hochhalten. Das sind Drahtseilakte, da brauchen wir Vollblutpolitiker. Die Vollpfosten haben wir schon. Da muß der Wähler nachbessern, soweit er nicht schläft oder sich gleich ganz verweigert.

  • @ M. Steer
    Wer die Deutschen verstehen will, sollte sich erst einmal intensiv mit deren Geschichte und Ihrer Vergangenheit beschäftigen, hierzu zählen die territorialen Aufsplitterungen der letzten Jahrhunderte ebenso, wie die Versailler Verträge, daraus resultierend das besiegte "Führer wir folgen Dir" Volk.
    Es hat sich daran bisher Nichts geändert - leider !
    Der außenpolitische Druck der ehemaligen Siegermächte ist nicht besser, sondern subtiler geworden. Der Fleiß der Deutschen, wenngleich rudimentärer geworden, aber bei den Selbständigen immer noch mehr ausgeprägt als bei den vielen Euroländer um uns herum.
    Die selbsternannten Intellektuellen Gutmenschen Linker und Grüner Spinner und deren Zöglinge trommeln gebetsmühlenartig das Lied vom korrekten Gutmenschen. Ein zutiefst infantiler Wortschatz vom Antisemitisten, Rassisten und Nazi legt fast stündlich Zeugnis von der zunehmenden Verdummung dieser Gruppen ab.
    Im realen Leben zerfällt die Infrastruktur ebenso, wie unser weltweit geschätztes Bildungssystem, unser Volksvermögen wird von Luxemburger Herbergsvätern mittels aufgestellter Bienenkörbe an bedrohte Großkonzerne verpfändet.
    Selbstherrliche Karrieristen empfangen mit kirchlichem Wohlwollen den Karlspreis und ganz NRW erfindet sich multikulturell täglich neu.im Seelenheil des bösartigen Kapitalismus, der Marktwirtschaft und des spießigen Bürgertums.
    In einer Gesellschaft der Unfreien werden Macht und Willkür angebetet "Friedrich Schiller"
    Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihre Parteien oder deren Vasallen

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