Gerhard Schröders Autobiografie
Rückblick eines Altkanzlers

Ein gutes Jahr nach seinem Ausscheiden aus der Politik meldet sich der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder wortreich zurück. In seiner 544 Seiten dicken Autobiografie rechnet er mit dem bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, mit den deutschen Gewerkschaften und mit dem US-Präsidenten George Bush ab.

HB BERLIN. Sensationelle Enthüllungen wie in der Autobiografie von Günter Grass, der seine SS-Vergangenheit gestand, finden sich in den Memoiren Gerhard Schröders wohl nicht. Überraschendes aber fördert der Altbundeskanzler in seinem Werk „Entscheidungen: Mein Leben in der Politik“ doch zu Tage. Das wird bereits in den am Sonntag vom „Spiegel“ veröffentlichten Auszügen deutlich. In ihnen zeichnet der 62-Jährige unter anderem ein überraschend positives Bild von US-Präsident George W. Bush.

Eigentlich galt das Verhältnis zwischen den beiden Politikern immer als äußerst gespannt. In seiner Autobiografie jedoch beschreibt Schröder Bush als fast kumpelhaften Typen. Bei einem Besuch in Berlin im Mai 2002 habe man mitsamt den Delegationen „gemeinsam und sehr entspannt zu Tisch“ gesessen. Nicht die Politik sei Thema gewesen, sondern der Fußball. „Es war mal wieder Fußball-Weltmeisterschaft, und Bush fragte nach den Chancen der deutschen Nationalmannschaft. Meine nicht sehr hoffnungsvolle Einschätzung ihrer Qualitäten wurde dann durch die Teilnahme am Endspiel gegen Brasilien glänzend widerlegt.“

Allerdings sei er trotz der entspannten Atmosphäre auch misstrauisch geworden. „Immer wieder klang auch in unseren Gesprächen unter vier Augen durch, wie sehr sich dieser Präsident als „gottesfürchtig' und im Einklang mit dieser für ihn höchsten Instanz verstand“, schreibt Schröder. Das Problem, das er mit einer solchen Position habe, beginne dort, wo sich der Eindruck aufdränge, politische Entscheidungen seien die Folgen des Gesprächs mit Gott. Diese Absolutheit im Anspruch habe seine politische Skepsis verstärkt - „ungeachtet meiner persönlichen Sympathie für Amerika und seinen Präsidenten“.

Teilen der Gewerkschaften und der SPD-Linken wirft Schröder vor, wegen der rot-grünen Reformpolitik „systematisch“ seinen Sturz betrieben zu haben. Mit der Entscheidung für eine vorgezogene Bundestagswahl sei er einem erzwungenen Rücktritt aus den eigenen Reihen zuvorgekommen, schreibt Schröder. In mehreren Interviews warf er zudem seiner Nachfolgerin, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Führungsschwäche vor. Zugleich kritisierte Schröder die Arbeit der großen Koalition.

„Dem IG-Metall-Vorsitzenden Jürgen Peters und dem Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske ging es nicht mehr nur um Änderungen an Details der Agenda 2010, vielmehr wollten sie das Reformprogramm als solches und damit verbunden mich als Bundeskanzler zu Fall bringen“, zeigte sich Schröder in seinem Buch und in mehreren Interviews überzeugt. Auch der IG-Bau-Vorsitzende Klaus Wiesehügel habe die SPD- Linke indirekt zum Kanzlersturz ermuntert.

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