Gerhardt will Westerwelle nicht weichen
FDP droht Machtkampf um die Fraktionsspitze

Zwei Tage nach der Bundestagswahl ist in der FDP ein Ringen um den Fraktionsvorsitz ausgebrochen. Nach dpa-Informationen will der bisherige Amtsinhaber Wolfgang Gerhardt seine Position nicht freiwillig Parteichef Guido Westerwelle überlassen.

HB BERLIN. Gerhardt wolle selbst entscheiden, wann und wie er den Fraktionsvorsitz abgibt, hieß es. Die konstituierende Sitzung der auf 61 Mitglieder angewachsenen FDP-Fraktion ist für den 28. September geplant.

Westerwelle warnte seine Partei vor einer öffentlichen Erörterung der Personalie und ließ seine Kandidatur für den Fraktionsvorsitz offen. Er habe mit Gerhardt "bisher hervorragend zusammengearbeitet". Laut dpa hat Westerwelle noch in der Wahlnacht Gerhardt über die Absicht informiert, auch den Fraktionsvorsitz zu übernehmen. "Er will sich nicht vom Hof jagen lassen", sei Gerhards Reaktion gewesen.

Vize-Parteichef Andreas Pinkwart sagte: "Westerwelle hat als Spitzenkandidat im Wahlkampf das erste Zugriffsrecht." Die Gruppe der jungen Abgeordneten um Ex-Juli-Chef Daniel Bahr hatte sich am Montag öffentlich für Westerwelle als Fraktionschef ausgesprochen.

In der Umgebung von Gerhardt wird darauf verwiesen, dass der Fraktionschef vor der Wahl wesentlich zur programmatischen Profilierung der FDP beigetragen habe. Auch habe er das beste Zweitstimmenregebnis aller Abgeordneten geholt. Die FDP habe auch bei den über 60-Jährigen überdurchschnittlich gut abgeschnitten, die nicht unbedingt Anhänger Westerwelles seien. Als denkbar galt bisher in der Fraktion, dass Gerhardt für zwei Jahre den Vorsitz behält und ihn dann an Westerwelle abgibt.

"Positives Profil nicht beschädigen"

FDP-Präsidiumsmitglied Birgit Homburger bezeichnete den öffentlichen Streit als "kropfunnötig". "Die Diskussion gefährdet den Wahlsieg und schadet der FDP", sagte sie. Der FDP-Abgeordnete Hans-Joachim Otto führte den Erfolg bei der Bundestagswahl auf die geschlossene Zusammenarbeit von Westerwelle und Gerhardt zurück. "Dieses positive Profil darf nicht durch öffentliche Personaldebatten beschädigt werden."

Die FDP hatte bei der Bundestagswahl am Sonntag ihr Ergebnis von 7,4 auf 9,8 Prozent deutlich verbessert. Dieser Erfolg wird in der Partei vor allem Westerwelle zugeschrieben.

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