Gerhart Baum
„Piraten sind keine neue Freiheitspartei“

Der Altliberale Gerhart Baum hat die Hoffnung für die FDP noch nicht aufgegeben. Wie seine Partei zu retten ist, sagt er im Interview – mit einen deutlichen Seitenhieb auf die Piratenpartei.
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Handelsblatt Online: Herr Baum, haben Christian Lindner und Wolfgang Kubicki das Zeug, die FDP zu retten?
Gerhart Baum: Beiden kommt jetzt eine ganz entscheidende Rolle zu. Aber alleine werden sie es nicht schaffen. Die Partei hat ja noch andere wichtige Repräsentanten in Berlin und in den Ländern.

Was zeichnet die beiden aus, dass sie so wichtig sind für die Partei in ihrer momentan schwierigen Lage?

Christian Lindner hat ein eigenes politisches Profil entwickelt. Er verkörpert  glaubwürdig liberale Grundwerte, und er steht für einen Politikstil, der von Ernsthaftigkeit geprägt ist. Wir, Genscher, Kinkel und ich haben uns deshalb für ihn mit einem Aufruf eingesetzt. Uns beeindruckt, dass er mit „neuem Denken“ in die Zukunft gehen will. Es ist ihm gelungen die Partei zu mobilisieren und auch Wähler, die seinetwegen die FDP wieder wählen wollen. Er hat eine gewisse Aufbruchstimmung erzeugt.

Wolfgang Kubicki ist ja ein ganz anderer Politiker-Typ.

Ja. Einmal hat er ein ausgesprochen landespolitisches Profil in Schleswig-Holstein.

Er ist aber auch bundespolitisch immer sichtbar und vor allem hörbar, wenn er sich holzschnittartig zu Wort meldet. Das kommt ja nicht unbedingt schlecht an bei den Bürgern, wenn er ausspricht, was viele denken.

Ja, das stimmt. Kubicki aber auch Lindner sind Personen, die kein Blatt vor den Mund nehmen – wenn auch sehr unterschiedlich im Stil. Aber beide sehen, dass sich die FDP in einer Existenzkrise befindet und thematisieren das auch offensiv. Kubicki manchmal sehr pointiert. Ohne Benennung der Ursache der Krise und das Aussprechen unbequemer Wahrheiten, kommt die FDP aber nicht wieder auf die Beine.

Deutet sich mit den unterschiedlichen Typen Lindner und Kubicki möglicherweise ein Modell an, wie FDP künftig agieren muss, um erfolgreich zu sein?

Die Signale, die beide aussenden, weisen den Weg in die richtige Richtung. Die FDP muss sich nicht neu erfinden, aber sie muss sich ohne Scheu den  Zukunftsproblemen stellen, notfalls auch darüber streiten. Ich habe von Dahrendorf gelernt, dass Streit um bessere Lösungen ein Lebenselement der Demokratie ist. Die FDP muss intellektuell wieder attraktiv werden.

Sollten die beiden auch in der Parteispitze eine stärkere Rolle spielen?

Das ist jetzt nicht das Thema. Ich finde es richtig, dass sich Lindner auf den Landesvorsitz und einen möglichen Fraktionsvorsitz in Düsseldorf konzentriert. Das ist schon eine große Aufgabe. Weitere personelle Veränderungen stehen jetzt nicht auf der Tagesordnung. Alle müssen jetzt unter Hintansetzung von Meinungsverschiedenheiten dafür kämpfen, dass die FDP die 5 % Marke überschreitet.

Kommentare zu " Gerhart Baum: „Piraten sind keine neue Freiheitspartei“"

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  • Nie wieder fdp, bei unserer Ehre, Wer heute noch so blöd ist der fdp auch nur eine Stimme zu geben, der erhebt die Lüge zur Wahrheit.

  • Klar, Rösler ist ein dummer Bubi. Aber was ist mit Westerwelle? Er beschließt mal eben, mit 7 anderen Außenministern, das für die EU ein neuer Superminister her muss, der Legislative und Exekutive in einer Person darstellt( Zu lesen auf DMN von gestern).

    Die FDP kriegt doch nur deshalb noch immer soviel Aufmerksamkeit, weil sie halt (noch) eine Regierungspartei ist.

    Es mag sein, das die Piraten keine neue Freiheitspartei sind. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn sie fordern, was auch der Bürger will: Transparenz! Seit Jahrzehnten wird deutsche Politik im Hinterzimmer gemacht. Und dazu stülpt uns die EU immer neue, unsinnige Reformen über.

    Als Steuerzahler will ich wissen, für was mein Geld von wem an wen verschleudert wird. Als Steuerzahler muss ich mich beim Finanzamt auf Wunsch nackig machen und unsere ReGIERenden handeln nach Belieben ohne Darstellungspflicht und mit voller Immunität.

    Man denke einen Moment darüber nach, das Deutschland kein souveräner Staat ist. Wir sind die BRD-Finanz-Agentur GmbH. Wo haben da Politiker eine Daseinsberechtigung? Wir haben letztendlich nur Geschäftsführer und einen Vorstand, welche den Bsitzern unterstellt sein müssten, nämlich dem Volk!

  • Die Liberalen hatten noch nie ein Gesellschaftsmodell und somit fehlt ihnen die Einsicht in soziale Belange.
    Die Liberalen sind nur für sich selbst da und schrecken dabei nicht vor Lug und Betrug zurück. Sie wollten sich als Steuersenkungspartei beliebt machen, zu einem Zeitpunkt, wo die Kassenlage ganz klar Pleite signalisierte. Merkel wußte das auch und nannte die FDP ihren Wunschpartner.
    Lindner wollte das Defizit des fehlenden Gesellschaftskonzeptes aufarbeiten, doch noch gilt: Input 0 = output 0. Ein Wahlergebnis mit Null paßt dazu.

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