Geringe Neuverschuldung
Deutschland muss sich weniger Geld leihen

Die Bundesregierung will 2014 gut sechs Milliarden Euro neue Kredite aufnehmen - so klein fiel die Summe seit 40 Jahren nicht mehr aus. Grund für die Entwicklung ist vor allem die sinkende Neuverschuldung.
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BerlinDer Bund muss sich im kommenden Jahr dank der sinkenden Neuverschuldung so wenig Geld am Kapitalmarkt leihen wie seit 2007 nicht mehr. Geplant sei die Versteigerung von Anleihen im Volumen von 205 Milliarden Euro, teilte die mit dem Schuldenmanagement betraute Finanzagentur am Mittwoch mit. Das seien 42 Milliarden Euro weniger als in diesem Jahr. Hinzu kommen noch an die Inflationsrate gekoppelte Bundeswertpapiere, die zwischen zehn und 14 Milliarden Euro in die Staatskasse spülen sollen, 2013 waren es zehn 10 Milliarden.

Grund für den deutlichen Rückgang ist zum einen die verbesserte Haushaltslage. Die Bundesregierung plant für 2014 mit gut sechs Milliarden Euro die geringste Nettokreditaufnahme seit 40 Jahren. Im ablaufenden Jahr sollen es nach geltender Kalkulation noch rund 25 Milliarden Euro sein. Zum anderen muss der Bund weniger Schulden tilgen - auch deshalb, weil die durchschnittliche Laufzeit aller ausstehenden Bundeswertpapiere seit 2009 von sechs auf sechseinhalb Jahre gestiegen ist. „Beide Effekte - geringere Tilgung von umlaufenden Schulden und geringere Nettoneuverschuldung - sorgen dafür, dass das Emissionsvolumen in Bundeswertpapieren sinkt“, sagte der Geschäftsführer der Finanzagentur, Tammo Diemer.

Diemer rechnet mit einer anhaltenden starken Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen. „Sie sind weltweit handelbar, Investoren können sie jederzeit kaufen und wieder verkaufen“, sagte er. „Deshalb gibt es ein reges Interesse an Bundeswertpapieren.“ Für die 72 Versteigerungen in diesem Jahr übertrafen die Gebote der Investoren stets das geplante Volumen. Die Marktanalyse lasse „eine höhere Nachfrage von Zentralbanken und Banken und ein gewisser Rückgang der Aktivitäten bei Versicherungen und Hedgefonds ableiten“.

Ob der Bund die Investoren mit höheren Zinsen locken muss, ist Diemer zufolge offen. „Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Euro-Zinsmärkte auf eine mögliche Straffung der US-Geldpolitik reagieren werden.“ Allerdings gebe es einen Zusammenhang zwischen der Renditekurve von Anleihen und den Markterwartungen an die Politik der Zentralbanken.

Die Einführung neuer Instrumente - etwa Anleihen mit anderer Laufzeit - plant die Finanzagentur nicht. „Der Bund bleibt bei seinen etablierten Instrumenten und damit für den Markt verlässlich“, sagte Diemer. Möglich sei aber, dass es eine Emission der gemeinsamen Bund-Länder-Anleihe gibt. Sie feierte in diesem Jahr Premiere. „Wie es weitergehen wird, darüber müssen Bund und Länder entscheiden.“ Alle beteiligten Länder hätten sich günstiger finanzieren können als mit vergleichbaren eigenen Anleihen. Gleichzeitig sei ein neuer Investorenkreis erschlossen worden, vor allem im Ausland. „Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, dieses Segment erfolgreich auszubauen“, sagte Diemer.

Der Bund profitiert in der Euro-Schuldenkrise von seinem Status als sicherer Hafen. Alle großen Ratingagenturen bewerten Deutschlands Bonität mit der Bestnote AAA. Anleger sind deshalb bereit, für die hohe Sicherheit auf Rendite zu verzichten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Geringe Neuverschuldung: Deutschland muss sich weniger Geld leihen"

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  • Einnahmen wie nie, Schuldenanbbau. Toll.
    Aber ist eine Neuverschuldung nicht doch nur eine neue Verschuldung?!
    Pardon, aber stuft die Politik die Bürger tatsächlich als Volltrottel ein?

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