Geringes Lohnwachstum
Koalition fürchtet neues Rentenloch

In der Koalition wächst die Sorge vor einem neuen Milliardenloch in der Rentenkasse: Die jüngste Prognose der Steuerschätzer verheißt für dieses und kommendes Jahr ein unerwartet niedriges Wachstum der Löhne und Gehälter.

doe/asr BERLIN. In der Koalition wächst die Sorge vor einem neuen Milliardenloch in der Rentenkasse. „Es wird knapp“, sagte am Wochenende ein Regierungsvertreter dem Handelsblatt. Anlass ist die jüngste Prognose der Steuerschätzer, die nach Informationen des Handelsblatts für 2006 und 2007 ein unerwartet niedriges Lohnwachstum unterstellt. Sollte die Vorhersage zutreffen, würden die Einnahmen der Altersversicherungen rund 1,5 Mrd. Euro hinter den Erwartungen von Sozialminister Franz Müntefering (SPD) zurückbleiben, hieß es inoffiziell bei den Rentenkassen.

Die erneute Hiobsbotschaft für die Rentenfinanzen steht im scharfen Kontrast zu deren vermeintlich positiver Entwicklung im ersten Quartal, als die Einnahmen um satte 14 Prozent anzogen. Doch beruht der Sprung alleine auf dem Einmaleffekt des neuen Zahlungstermins für die Beiträge. Mittelfristig hatte die Bundesregierung schon bislang erwartet, dass eine Anhebung des Beitragssatzes von 19,5 auf 19,9 Prozent zum 1. Januar 2007 unausweichlich sei.

Der im März vorgelegte Rentenbericht der Bundesregierung unterstellt ein Wachstum der Durchschnittsentgelte um 0,7 und 1,5 Prozent für die Jahre 2006 und 2007. Die Steuerschätzer erwarten nun aber, dass die Pro-Kopf-Löhne nur um 0,4 und 0,7 Prozent steigen. Damit bleiben sie deutlich auch unter den Prognosen der Wirtschaftsinstitute im Frühjahrsgutachten.

Ein Sprecher des Sozialministeriums erklärte, man kommentiere keine vorläufigen Zahlen. Der Arbeitskreis Steuerschätzung will seine Ergebnisse am Donnerstag vorlegen. Müntefering scheint weiter bemüht, den Rentenbeitrag zum Jahreswechsel nicht über 19,9 Prozent anzuheben. Damit würden sich die finanziellen Probleme aber 2007 erheblich verschärfen. Schon nach bisherigen Prognosen klafft im nächsten Jahr ein Loch von 600 Mill. Euro in den Rentenkassen, über dessen Deckung sich der Minister mit seinem Finanzkollegen Peer Steinbrück (SPD) noch nicht einigen konnte. Nun würde sich der Fehlbetrag auf gut zwei Mrd. Euro summieren.

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