Gerster-Nachfolger hofft auf besseres Verhältnis zum Verwaltungsrat: Weise: Rückgang auf vier Millionen Arbeitslose bis Herbst

Gerster-Nachfolger hofft auf besseres Verhältnis zum Verwaltungsrat
Weise: Rückgang auf vier Millionen Arbeitslose bis Herbst

Der neue BA-Chef Frank-Jürgen Weise ist sicher, das die Arbeitslosenzahl nicht die fünf Millionen-Grenze erreichen wird. Langfristig glaubt er allerdings nicht an einen radikalen Abbau der Arbeitslosigkeit.

HB BERLIN. Der neue Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, rechnet damit, dass die Arbeitslosigkeit bis Herbst von derzeit knapp 4,6 Millionen auf vier Millionen zurückgeht. «Wenn jetzt der Wirtschaftsaufschwung kommt, kann die Arbeitslosigkeit im Herbst bei der Vier-Millionen-Grenze liegen», sagte Weise der «Welt am Sonntag». Die Bundesagentur könne hier einen noch größeren Beitrag leisten als bisher: Eine voll professionalisierte Vermittlung könne die Arbeitslosigkeit von derzeit etwa elf Prozent auf zehn Prozent reduzieren, zitierte die Zeitung den neuen BA-Chef am Samstag vorab.

Sein Ziel sei es, noch mehr Menschen, die arbeiten wollen, an offene Stellen heranzuführen, sagte Weise. «Das muss unser Maßstab sein», betonte Weise. Einen radikalen Abbau der Arbeitslosigkeit hält er allerdings auch langfristig für wenig realistisch. «Eine Idee, dass man die Arbeitslosigkeit halbieren und dies gar selber verantworten könnte, ist abenteuerlich», sagte der Behördenchef.

Weise, dessen Ernennung die Bundesregierung nach einem einstimmigen Votum des BA-Verwaltungsrats am Freitag zugestimmt hatte, will die Behörde nach eigenen Angaben unpolitischer als sein Amtsvorgänger Florian Gerster führen. Dessen begonnenen Reformkurs werde er aber fortsetzen, sagte Weise dem Nachrichtenmagazin «Focus». Ziel dieses Reformkurses sei es, «die Zentrale nur noch auf das zu konzentrieren, was sie wirklich leisten sollte: die Qualität der Agenturen zu überwachen und gute Ideen weiter zu tragen». Seien aber die Ergebnisse der Regionalstellen bei der Vermittlung von Arbeitslosen unbefriedigend, «klopfen wir denen auf die Finger», sagte Weise dem «Focus».

Der designierte Chef der BA hofft der «Welt am Sonntag» zufolge, dass sich das Verhältnis zwischen dem Vorstand der Bundesagentur und dem Verwaltungsrat nach dem Ende der Gerster-Affäre verbessert hat. «In der kritischen Phase, als es um die Beraterverträge ging, wurden Informationen oft emotional bewertet. Das wirkte sich auch auf die Stimmung aus», sagte Weise. Vielleicht sei das Verhältnis durch die Krise nun aber besser geworden, weil der Verwaltungsrat jetzt erkenne, «wo seine Verantwortung ist und was er verlangen kann», hofft Weise.

Weise verteidigte im «Focus» erneut den Einsatz von Unternehmensberatern bei der Bundesagentur. «Die BA gibt in zwei Jahren 65 Millionen Euro für Berater aus - aber wir sparen durch die Reform im eingeschwungenen Zustand jedes Jahr Millionenbeträge». Bei der Bahn, Post oder Telekom sei in der Vergangenheit «zehn Mal so viel» für Berater ausgegeben worden.

Auf die Frage, warum sich kein Spitzenmanager für den Chefposten bei der BA habe finden lassen, sagte Weise der «Welt am Sonntag»: «Die Bezahlung ist einfach nicht adäquat zur Aufgabe und Größenordnung unserer Institution.» Zudem scheuten manche Manager die «komplizierten Aufgaben und Interessengeflechte» eines öffentlichen Unternehmens.

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