Gesamtmetall setzt Arbeitszeit auf die Agenda der Tarifrunde
Arbeitgeber wollen Korridor für Betriebe durchsetzen

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall will in der anstehenden Tarifrunde tarifvertragliche Öffnungsklauseln für eine Verlängerung der Arbeitszeit durchsetzen.

DÜSSELDORF. Wenige Tage vor dem Start der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie gehen die Arbeitgeber in die Offensive: Während die IG Metall nach bisheriger Planung nur über Lohnerhöhungen verhandeln will, macht der Arbeitgeberverband Gesamtmetall nun ernst mit seiner Forderung nach tariflichen Öffnungsklauseln bei der Arbeitszeit. „Hier brauchen wir mehr Spielraum – vor allem nach oben“, sagte Gesamtmetall- Präsident Martin Kannegiesser dem Handelsblatt (siehe „Nachgefragt“). Vor dem Hintergrund der politisch bisher noch nicht entschiedenen Debatte um gesetzliche Tarif-Öffnungsklauseln machen die Arbeitgeber die Lohnrunde 2004 damit indirekt zu einem Prüfstein für die Reformfähigkeit der Metall-Tarifparteien.

Der baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann, dem tarifpolitisch eine Schlüsselrolle zukommt, bekräftigte am Donnerstag hingegen, dass sich Verhandlungen auf die Entgeltfragen konzentrieren müssten. „Wir werden jedenfalls eine reine Lohnforderung stellen“, betonte er. Zwar sei die IG Metall „zu flexiblen Lösungen im Einzelfall immer bereit“. Längere Arbeitszeiten aber generell als Instrument zur Kostensenkung zu nutzen, lehne sie aber strikt ab. Noch kritischer fällt die Reaktion im Bezirk Hannover (Niedersachsen/Sachsen-Anhalt) aus: „Solche Vorstöße gehen nicht nur in die völlig falsche Richtung. Sie werden auch die Situation in den Verhandlungen deutlich verschärfen“, warnt Bezirkssprecher Jörg Köther.

Für die IG Metall ist die Lohnrunde 2004 ohnehin schwieriger als üblich – es handelt sich um die ersten Verhandlungen für alle 3,5 Millionen Metall-Beschäftigten seit dem Streikdesaster um die 35-Stunden-Woche im Osten. Am Montag will der Gewerkschaftsvorstand mit seiner Forderungsempfehlung an die insgesamt sieben IG-Metall-Bezirke den Startschuss dazu geben. Die ersten Verhandlungsrunden sind für Dezember terminiert.

Auf Basis der bisherigen innergewerkschaftlichen Diskussion wird mit einer Lohnforderung um 4 % gerechnet. In mehreren großen Bezirken hatten sich die Tarifkommissionen in den vergangenen Tagen auf einen Forderungsrahmen von 3,5 bis 4,5 % verständigt. Das sind gut zwei Prozentpunkte weniger als vor der Tarifrunde 2002. Zugleich wird sich diesmal ein Teil des Tarifabschlusses nicht in allgemeinen Lohnsteigerungen niederschlagen: Arbeitgeber und IG Metall haben sich bereits verpflichtet, ein Volumen von 1,39 % zu reservieren, um Anpassungskosten durch die Umsetzung des neuen Entgeltrahmenabkommens (Era) zu finanzieren. Mit dieser vor zwei Jahren in den Grundzügen beschlossenen Reform wird die traditionelle Unterscheidung zwischen Arbeitern und Angestellten aufgehoben.

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