Geschachere um Zuständigkeiten
Machtkampf im Bundesbank-Vorstand

In der Bundesbank ist ein Machtkampf um Posten ausgebrochen: Bundesbankpräsident Axel Weber sammelt seine Truppen bevor Thilo Sarrazin, der Neue, kommt. Von ihm weiß Weber nicht, wie er sich einfügen wird. Also muss der Bundesbankpräsident seine Getreuen beim Geschachere um künftige Zuständigkeiten bedenken.

FRANKFURT. Und damit fängt er gerade an: Längst pfeifen es die Spatzen von den Dächern, auch wenn Weber noch versucht, Nebelkerzen zu werfen: Hans-Helmut Kotz wird vom 1. Mai an Chef des neuen Zentralbereichs "Finanzstabilität". "Ich habe mich noch nicht festgelegt", sagt Weber zwar offiziell, aber intern heißt es zu der Personalie Kotz: "Es wird genau so kommen, auch wenn noch nichts beschlossen ist". Kotz soll Hermann Remsperger ersetzen, der Ende April bei der Bundesbank ausscheidet. Sein Aufgabengebiet "Internationale Beziehungen" wird das Herzstück des neuen Ressorts "Finanzstabilität". Ein Bereich für den auch Sarrazin öffentlich Interesse angemeldet hat.

Möglicherweise habe Kotz deshalb seinen neuen Posten selbst lanciert, um mit Sarrazin vor der Tür nichts dem Zufall zu überlassen und Fakten zu schaffen, heißt es aus der Bundesbank. Seinem Vorgänger Remsperger gefällt diese Indiskretion gar nicht. Er befürchte es entstehe der Eindruck, dass er die Dinge nicht im Griff gehabt habe und dass es jetzt eines Herrn Kotz bedarf, "um die Dinge auf die Reihe zu bringen", verlautet aus Bundesbankkreisen.

Wie Kotz seiner neuen Aufgabe gerecht wird, bleibt abzuwarten. Süffisant merken Beobachter an, der Mann, der zu allem ein wissenschaftliches Zitat parat hat, führe den Titel "Professor" nur wegen eines Lehrauftrages. Er habe nicht einmal promoviert. Als Bundesbankvorstand, der bisher unter anderem für die "Märkte" zuständig ist, hat Kotz sich bislang stark im Hintergrund gehalten. Warnungen vor der Finanzmarktkrise hat es aus seinem Mund nicht gegeben. Trotzdem soll er jetzt der neue starke Mann für die Finanzstabilität werden. Böse Zungen behaupten, er sei hauptsächlich mit einem Ticket der SPD in die Bundesbank gekommen - eine politische Besetzung eben. Da erscheint es folgerichtig, dass auch sein derzeitiger Aufstieg politisch motiviert ist.

Kotz dürfte deshalb künftig zu Weber stehen, genauso wie Vorstandsmitglied Rudolf Böhmler. Der hat dem Vernehmen nach gute Aussichten, zum "Innenminister" der Bundesbank zu avancieren, wenn er zu seinem jetzigen Bereich "Bau" noch die Hoheit über das "Personal" hinzubekommt. Für Böhmler zahlt es sich jetzt wohl aus, dass er bei seinem Amtsantritt zunächst einmal weniger begehrte Bereiche einschließlich Verwaltung und Revision übernommen hatte. Damit hätte Weber zwei Getreue und Vorstandsmitglied Hans Georg Fabritius, unter anderem zuständig für den Zahlungsverkehr, zählt ohnehin zu Webers Leuten.

Das sichert dem Präsidenten die Mehrheit auch bei unbequemen Entscheidungen - mit oder ohne "den Neuen" Thilo Sarrazin.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin
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