"Geschäftsbericht kann man eigentlich gleich wegschmeißen"
Verkehrspolitiker halten Bahn-Jahresbilanz für wertlos

Verkehrspolitiker haben die Bilanz 2003, die Bahnchef Mehdorn in wenigen Tagen vorlegen wird, schon im Vorfeld heftig kritisiert. Die mangelnde Vergleichbarkeit mit dem Vorjahr sei angesichts bevorstehender Entscheidungen zu einem Börsengang "unglaublich".

HB BERLIN. Bahnchef Hartmut Mehdorn hat noch nicht einmal die Bilanz seines Konzerns für 2003 vorgelegt – da hagelt es schon Kritik. Verkehrspolitikern zufolge sei der Jahresabschluss «das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt ist», berichtete die «Welt am Sonntag» (WamS). «Den Geschäftsbericht kann man eigentlich gleich wegschmeißen», wurde der FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich zitiert.

Das Hauptproblem besteht demnach vor allem darin, dass sich die Bilanz 2003 mit der des Vorjahres überhaupt nicht vergleichen lasse. Denn inzwischen sei das vor zwei Jahren von der Bahn erworbene Logistikunternehmen Stinnes konsolidiert worden. Damit sei der Einfluss des Stinnes-Umsatzes und -Ertrages auf die Bahn-Zahlen nicht mehr erkennbar.

Deshalb tauge die Bilanz nicht als Beleg dafür, dass der staatlich subventionierte Quasi-Monopolist auf dem Weg zu einem kapitalmarktfähigen, nachhaltig profitablen Unternehmen sei, so Friedrich. Die fehlende Vergleichbarkeit sei «im Vorfeld politischer Entscheidungen über einen Börsengang unglaublich», bemängelte der FDP-Bundestagsabgeordnete.

Dabei haben laut «WamS» die vier Obmänner des Verkehrsausschusses des Bundestages – neben Friedrich Reinhard Weis (SPD), Dirk Fischer (CDU/CSU) und Albert Schmidt (Grüne) – in einem gemeinsamen Brief an Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) darum gebeten, dafür zu sorgen, dass die Bahn bis auf weiteres auch einen so genannten Pro-Forma-Abschluss veröffentlicht. Dieser solle, wie in der Bilanz 2002 geschehen, die Entwicklung ohne Stinnes aufzeigen und sei für die Vergleichbarkeit unverzichtbar. Doch weder Mehdorn noch Stolpe hätten auf den Brief reagiert.

Die Verschlossenheit der Bahn verwundert laut «WamS» aber kaum. Nach Ansicht der Politiker dienten die roten Zahlen 2001 und 2002 «der Vorbereitung eines optischen Sanierungserfolges 2004». Vor allem mit den von Mehdorn ins Feld geführten Investitionen hätten die Verluste nichts zu tun. Denn nicht sie, sondern erst die in den Folgejahren resultierenden Abschreibungen seien Aufwand im Sinne der Ergebnisrechnung.

Mehdorn wird die Bilanz für 2003 am kommenden Donnerstag vorlegen. Erwartet wird ein Rückgang des Betriebsverlustes auf 200 Millionen Euro nach 454 Millionen Euro im Vorjahr. Dabei dürfte Mehdorn das Erreichen der Gewinnzone in diesem Jahr ankündigen.

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