Geschäftsmodelle
Aigner-Berater fordern mehr Anlegerschutz

Der Druck auf Banken und Finanzdienstleister, ihre Geschäftsmodelle an den Bedürfnissen der Kunden auszurichten, nimmt zu. Der wissenschaftliche Beirat von Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) fordert einen Paradigmenwechsel in der Anlageberatung - und kritisiert die bisherigen gesetzlichen Maßnahmen als unzureichend.

FRANKFURT/BERLIN. Das geht aus einer Stellungnahme hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Die vorgeschlagenen Maßnahmen würden die Finanzbranche noch stärker lenken als die bisher von der Bundesregierung beschlossene schärfere Protokollpflicht von Beratungsgesprächen, die bei Banken bereits heftig kritisiert wird.

In dem 26 Seiten umfassenden Gutachten fordert der Beirat Transparenz und Qualitätswettbewerb. "Ist das tatsächliche Preis-Leistungsverhältnis nicht zu ermitteln, können gute Anbieter und Angebote nicht honoriert und schlechte von Verbrauchern nicht gemieden werden", heißt es. Die Gutachter halten es für wesentlich, Verbraucher vor Falschberatung zu schützen. Kernpunkt ihrer Forderung ist daher eine Beratung unabhängig von Anbietern und Produkten. "Dies muss faktisch in der Praxis sichergestellt sein", heißt es in dem Gutachten. In der Branche gibt es bereits konkrete Ideen.

"Ohne einen funktionierenden Wettbewerb in der Bankberatung gibt es auch keinen Verbraucherschutz", sagte der Autor des Gutachtens, Andreas Oehler, Professor für Finanzwirtschaft der Universität Bamberg, dem Handelsblatt. "Die Intransparenz und der mangelnde Wettbewerb sind vergleichbar mit der Situation im Gesundheitswesen", sagte er. Mehr als dort stehe aber nicht die Beratung im Vordergrund, sondern der Verkauf von Finanzprodukten. Informierte Kunden erhielten mehr Beratungszeit und-inhalt als uninformierte. Die Beratung sei rein provisionsgetrieben und verfehle oft den Bedarf der Kunden. Die Probleme seien nicht erst seit der Finanzkrise bekannt. Auch das Aigner-Ministerium schätzt, das Anleger jährlich 20 Mrd. Euro wegen Fehlberatung verlieren.

Der Beirat schlägt zur Abhilfe sieben Maßnahmen vor (siehe "Der Weg zu einem mündigen Verbraucher"). So sollen Anbieter demnach Kundenprofile und entsprechende Anlageprogramme veröffentlichen. "Andere Produkte dürfen nur auf ausdrücklichen Kundenwunsch angeboten werden", heißt es. Für mehr Übersicht könnte ein Finanz-Tüv für Produkte sorgen, den auch die SPD fordert. "Im Rahmen der vorgeschlagenen ernsthaften Zertifizierung könnte deutlich weniger als die Hälfte der meisten angebotenen Produkte übrig bleiben", sagte Oehler. Ihm geht es weniger um ein Verbot der Produkte als darum, dass Verbraucher Risiken einschätzen können. Da sich viele aber nicht mit Geldanlage beschäftigen wollen, soll es für sie Standardprodukte geben.

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