Gescheiterte Rettung
Quelle-Aus trifft Seehofer und zu Guttenberg

CSU-Chef Horst Seehofer hatte sich für eine Rettung Quelles stark gemacht. Vergeblich, wie sich jetzt zeigt. Die Nachricht vom endgültigen Aus für den Versandhändler kommt für den bayerischen Ministerpräsidenten zur Unzeit. Doch auch Bundeswirtschaftminister Karl-Theodor zu Guttenberg gerät durch die Quelle-Pleite unter Druck.
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HB BERLIN. Parteiintern steht Seehofer schon wegen des Bundestagswahl-Debakels unter Druck. Und jetzt nimmt ihn noch die Opposition unter Feuer. Doch Seehofer hat die Hoffnung für Quelle noch nicht aufgegeben. Er versicherte, sich für die Beschäftigten einzusetzen. „Wir haben das Menschenmögliche getan, um die Chance zu wahren, die sich lange Zeit für Quelle eröffnet hat“, sagte der CSU-Chef am Dienstag in Berlin. „Wir müssen gemeinsam - Politik, Insolvenzverwalter und Belegschaft - schauen, dass wir die die Auswirkungen für die betroffenen Menschen so gering wie möglich halten.“ Seehofer kündigte an, einen Zukunftsplan für die Region Nürnberg/Fürth zu erstellen.

Rückendeckung erhält Seehofer von Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Die Landesregierung habe alles getan, um dem zum insolventen Konzern Arcandor gehörenden Versandhaus aus dem fränkischen Fürth eine Perspektive zu geben, sagte er. „Wir haben mit der Gewährung des Massekredits die Voraussetzungen für die Investorensuche geschaffen“, so Zeil. Insolvenzverwalter und Banken seien nach Kräften unterstützt worden.

Dennoch ist die Suche nach einem Investor gescheitert. Keiner der vier Interessenten hatte bis Montag ein Angebot für die Arcandor-Versandhandelsgruppe Primondo abgegeben, weil sie das defizitäre Deutschland-Geschäft scheuen. Quelle steht nun vor der Schließung, andere Primondo-Teile sollen in Einzelteilen verkauft werden. Zeil sprach den insgesamt rund 8000 Quelle-Mitarbeitern sein Bedauern aus. „Es ist schmerzlich, dass ihr Engagement nicht durch einen erfolgreichen Verkaufsprozess belohnt wurde.“

Seehofer sprach von einem „schmerzlichen Vorgang“. Er sieht das Scheitern der Rettung aber nicht als eigene politische Niederlage. „Ich könnte heute nicht in den Spiegel schauen, wenn wir das in den letzten Monaten nicht getan hätten.“ Der Insolvenzverwalter hatte ihn am Morgen informiert, dass die Bemühungen gescheitert seien.

Die Opposition in Bayern gab der CSU indes eine Mitschuld an der Pleite. Die Uneinigkeit zwischen Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg habe den wichtigen Winterkatalog verzögert, sagte der SPD-Fraktionsvize Thomas Beyer. „Da half es auch nichts, dass sich Seehofer dann stolz und publicityträchtig mit dem ersten Exemplar des frisch gedruckten Katalogs vor die Kameras stellte.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte ebenfalls das „parteitaktische Kalkül“ und langwieriges bürokratisches Handeln als Grund für das Aus von Quelle. Die Vizechefin der Gewerkschaft, Margret Mönig-Raane, bezeichnete das Scheitern des Traditionsunternehmens am Dienstag in Berlin als „tragischen Schlusspunkt einer Reihe politischer Fehlentscheidungen“. Die politischen Fehler hätten zu Verzögerungen beim dringend benötigten Massekredit in Höhe von 50 Millionen Euro geführt.

Die Gewerkschafterin kündigt an, sich für die Bereitstellung öffentlicher Mittel zur Qualifizierung der von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter einzusetzen. „Da müssen jetzt die politisch Verantwortlichen ran, die eine wesentliche Mitschuld an der Entwicklung haben.“

Die CSU-Führung sieht vor allem die Probleme des Konzerns Arcandor als verantwortlich an. „Die Ursachen für diese Entwicklung liegen im Konkurs von Arcandor“, sagte Seehofer. Der Chef der CSU-Mittelstands- Union, Hans Michelbach, kritisierte die frühere Konzern-Führung. „Man muss natürlich sehen, dass Unternehmen, die vom Management ins Abseits geführt wurden, nicht unbedingt zum Schluss rettbar sind.“

Die Banken hatten Quelle im Sommer einen Massekredit über 50 Mio. Euro gewährt, der jedoch erst nach wochenlangem Tauziehen und politischem Druck zustande kam. Seehofer hatte sich für eine Rettung Quelles stark gemacht, Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg dagegen Skepsis anklingen lassen.

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