Gescheiterter SPD-Spitzenkandidat
Naumann verlässt Hamburger Bürgerschaft

Knapp drei Monate nach seinem Scheitern bei der Hamburger Bürgerschaftswahl hat der ehemalige SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann seinen Austritt aus dem Landesparlament angekündigt. Er will zurück in seinen alten Job.

HB HAMBURG. Am 15. Juni wird Naumann sein Mandat niederlegen und danach wieder als Herausgeber für die Wochenzeitung „Die Zeit“ arbeiten, wie die SPD am Donnerstagabend mitteilte.

In einem Brief an die Genossen habe er diesen Schritt mit der Unvereinbarkeit eines Mandats mit der Arbeit als politischer Journalist begründet.

Naumann werde das Angebot annehmen, zur „Zeit“ zurückzukehren, hieß es in der Mitteilung der Partei. In dem Brief bitte er die Mitglieder der Hamburger SPD um Verständnis für diesen Schritt.

Der Hamburger SPD-Landesvorsitzende Ingo Egloff erklärte, er habe Respekt vor Naumanns Entscheidung, nun zu seiner Arbeit zurückzukehren, von der ihn die Sozialdemokraten im März vergangenen Jahres weggeholt hatten. „Er hatte sprichwörtlich alles stehen und liegen lassen, um der Hamburger SPD zu helfen“, sagte Egloff.

Der ehemalige Kulturstaatsminister unter Bundeskanzler Gerhard Schröder war im März 2007 als Kandidat eingesprungen, nachdem die beiden ursprünglichen Anwärter aufgrund eines Skandals um verschwundene Wahlzettel bei der Kandidatenwahl zurückgetreten waren.

Egloff dankte Naumann „für seinen großartigen Einsatz“. Er habe in „einzigartiger Art und Weise den Wahlkampf für die Hamburger SPD geführt“ und in einer „furiosen Aufholjagd“ der SPD zu einem Gewinn von 3,6 Prozent verholfen.

Auch die SPD-Bürgerschaftsfraktion zeigte Verständnis für Naumanns Schritt. „Ich sehe hier ebenfalls die Gefahr von Interessenkollisionen“, sagte Fraktionschef Michael Neumann am Donnerstag. Darum sei die Entscheidung honorig und nachvollziehbar.

Naumann habe in einer für die Hamburger SPD problematischen Situation Verantwortung übernommen, betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Naumanns Platz in der SPD-Bürgerschaftsfraktion wird demnach Jan Quast übernehmen. Er habe bereits in den vergangenen zwei Legislaturperioden dem Landesparlament angehört und sich als Experte für Stadtentwicklungspolitik einen Namen gemacht.

Dem NDR sagte Naumann, der sich nach Angaben des Senders derzeit privat in Washington aufhält, er habe sich nichts vorzuwerfen. Der Hamburger SPD habe er bis zum Schluss gedient.

Bei der Wahl am 24. Februar hatte die CDU zwar ihre absolute Mehrheit verloren, war aber wieder stärkste Partei geworden. Naumann hatte sein Mandat trotzdem angenommen. Die anschließenden Sondierungsgespräche zwischen CDU und SPD blieben erfolglos.

Schließlich einigten sich Union und Grüne nach wochenlangen Verhandlungen auf eine Zusammenarbeit und damit auf die erste schwarz-grüne Landesregierung. Bürgermeister Ole von Beust wurde Anfang Mai von der Bürgerschaft wiedergewählt.

Die CDU war bei der Wahl auf 42,6 Prozent gekommen, die SPD unter Spitzenkandidat Naumann auf 34,1 Prozent, die Grünen auf 9,6 Prozent und die Linke auf 6,4 Prozent.

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