Geschichte der Fehde
SPD und Gewerkschaften: immer wieder Krach

Trotz gemeinsamer Wurzeln, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, hat es in der 140-jährigen Beziehung von Sozialdemokraten und Gewerkschaften immer wieder handfeste Auseinandersetzungen gegeben. Im jüngsten Konflikt läuft der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Sturm gegen die Agenda 2010 des SPD- Vorsitzenden und Bundeskanzlers Gerhard Schröder zur Reform des Sozialstaates.

HB/dpa HAMBURG. Bereits 1999, kurz nach Schröders Amtsantritt, gab es Differenzen: Der Grund war ein von Schröder und dem britischen Premierminister Tony Blair erarbeitetes Grundsatzpapier, in dem steuerliche Entlastungen der Wirtschaft, Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt und die Straffung von Sozialleistungen verlangt wurden.

In den 16 Jahren vor der Bildung der rot-grünen Regierung hatten der DGB und die damals oppositionelle SPD kaum Probleme. Nur als der damalige SPD-Vize und saarländische Ministerpräsident Oskar Lafontaine 1988 Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich vorschlug, waren die Gewerkschaften zunächst irritiert.

Als der DGB 1968 die Notstandsgesetze nicht verhindern konnte, hatte er die in der Großen Koalition mitregierende SPD zu Änderungen gedrängt. 1974 beschleunigten zweistellige Lohnforderungen und ein unpopulärer Streik im öffentlichen Dienst das Ende des ersten SPD- Kanzlers Willy Brandt; Brandt hatte sich in schwieriger Wirtschaftslage öffentlich auf ein einstelliges Limit festgelegt.

Anlässlich von Massenstreiks war es zu Beginn des vorigen Jahrhunderts zum ersten großen Zerwürfnis um den Führungsanspruch gekommen. Im Mannheimer Kompromissabkommen von 1906 einigte man sich prinzipiell auf die Gleichberechtigung von Partei und Gewerkschaftsbewegung. 1930 waren es die Gewerkschafter in der SPD- Reichstagsfraktion, die im Streit über Einschränkungen bei der Arbeitslosenversicherung das Ende der Koalition erzwangen und der Regierung des Sozialdemokraten Hermann Müller ein Ende bereiteten.

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