Gesetz gegen Ärztemangel
Mehr Geld für Arztpraxen auf dem Land

Bessere Arbeitsbedingungen und Zuschläge sollen junge Ärzte aufs Land locken. Um den Ärztemangel zu bekämpfen, haben sich Union und FDP jetzt auf Eckpunkte eines neuen Gesetzes geeinigt.
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BerlinAuch in weniger dicht besiedelten Gebieten sollen Patienten künftig wohnortnah einen Arzt finden. Die Gesundheitsexperten der schwarz-gelben Koalition verständigten sich in der Nacht zu Freitag auf ein Maßnahmenpaket, mit dem der Ärztemangel in ländlichen Regionen bekämpft werden soll. Vorgesehen sind finanzielle Anreize für Mediziner, die sich in einer unterversorgten Region niederlassen, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Vertragsärzte sowie eine Erhöhung der Zahl der Medizinstudienplätze. Zudem soll sich die Verteilung der Arztsitze stärker am tatsächlichen Bedarf ausrichten. Die Planungsbezirke müssen dabei nicht mehr wie bisher den Stadt- oder Landkreisen entsprechen.

Derzeit stehen in den Städten meist zu viele, in dünn besiedelten Landstrichen aber zu wenig Ärzte zur Verfügung. Wegen Nachwuchsmangels könnten auf dem Land künftig bis zu 20.000 Ärzte fehlen. Insgesamt bekommen die mehr als 140.000 Ärzte in Deutschland 2011 ein Rekordhonorar von 32,5 Milliarden Euro.

Die zweite große Gesundheitsreform dieser Legislaturperiode, zu der Gesundheitsminister Philipp Rösler nun einen Gesetzentwurf erarbeiten muss, soll am 1. Januar 2012 in Kraft treten. Unter anderem sollen Ärzte in unterversorgten Gebieten nicht mehr ab einer bestimmten Anzahl von Patienten ein geringeres Honorar erhalten. Vor allem für Landärzte mit hoher Patientendichte ist diese Staffelung von Nachteil.

Auch die Notdienste sollen für den einzelnen Arzt attraktiver werden. So soll es für die Kassenärztlichen Vereinigungen möglich sein, den Bereitschaftsdienst durch die Kooperation mit Krankenhäusern sicherzustellen. Darüber hinaus sollen Ärzte in ländlichen Gegenden stärker durch die Telemedizin entlastet werden. Auch die Residenzpflicht soll gelockert werden: Ärzte müssen in Zukunft nicht mehr zwangsläufig dort leben, wo sie ihre Praxis haben. Sie können dann etwa in der Stadt wohnen, aber auf dem Land tätig sein.

Für die Auswahl zum Medizinstudium soll in Zukunft der Abiturnote weniger Gewicht beigemessen werden. Stattdessen sollen auch andere Kriterien eine Rolle spielen, wie etwa ein freiwilliges soziales Jahr oder eine pflegerische Ausbildung. Vorgesehen ist zudem, dass ein bestimmter Anteil der Studienplätze ohne Wartezeit an Bewerber vergeben wird, die bereit sind, nach der Ausbildung in ländlichen Gebieten zu arbeiten. Bereits vor zwei Tagen hatten sich Bund und Länder auf neue Planungsgrundlagen zur Verteilung der Arztsitze verständigt. Die Vereinbarung soll in das Gesetz einfließen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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