Gesetzentwurf
Regierung will Stromausfällen vorbeugen

Mit einem neuen Gesetz will die Bundesregierung Stromengpässen im Winter vorbeugen. Das Abschalten dringend benötigter Gaskraftwerke soll meldepflichtig werden - und notfalls verboten werden können.
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BerlinDie Bundesregierung will Stromengpässe im Winter durch ein gesetzliches Abschaltverbot für dringend benötigte Gaskraftwerke verhindern. Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass Betreiber das Stilllegen von Kraftwerken in Zukunft zwölf Monate vorher mitteilen müssen und die Stilllegung notfalls verboten werden kann. Der Entwurf liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Zunächst hatte die „Frankfurter Rundschau“ über das Vorhaben berichtet und von einer „Quasi-Verstaatlichung“ der Kraftwerke gesprochen.

Die Betreiber der Übertragungsnetze müssen bis Ende März 2013 zusammen mit der Bundesnetzagentur eine Liste systemrelevanter Kraftwerke erstellen. Dabei handelt es sich vor allem um Gaskraftwerke in Süddeutschland. Dem Entwurf zufolge könnte es um Kapazitäten von 3900 Megawatt gehen - das entspricht etwa zehn Gaskraftwerken. Wenn die Stilllegung verboten wird, würden die Kraftwerke als Netzreserve betriebsbereit gehalten.

Dafür sollen die Besitzer eine Entschädigung erhalten. Diese ersetze laut Gesetzentwurf aber nur die notwendigen Auslagen. Die Kosten für Bereithaltung und Einsatz der Reservekraftwerke könnten sich auf 80 Millionen Euro pro Jahr belaufen. Mit Blick auf zusätzliche Gaskosten und Sondereffekte könnten Kosten von bis zu 287 Millionen Euro entstehen. Diese sollen die Verbraucher über die Entgelte für die Stromnetze bezahlen, die Teil des Strompreises sind. Für einen Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden werden Zusatzkosten von maximal 1,55 Euro pro Jahr veranschlagt.#

Die Betreiber der Stromnetze erstellen laut Gesetzentwurf bis März 2013 zusammen mit der Bundesnetzagentur eine Liste systemrelevanter Kraftwerke - Anlagen, deren Wegfall das Stromnetz an den Rand eines großflächigen Ausfalls bringen würde. Laut "Frankfurter Rundschau" handelt es sich vor allem um Gaskraftwerke in Süddeutschland. Demnach könnte es um Kapazitäten von 1300 Megawatt gehen, das wären rund zehn Gaskraftwerke.

Schon seit Wochen sorgen sich Regierung und Koalition um mögliche Engpässe im Winter. Es gebe für den Winter womöglich eine Lücke von mehreren hundert Megawatt, um eine sichere Versorgung zu garantieren, hieß es in Koalitionskreisen. Da die steigende Ökostrom-Produktion ältere Kraftwerke zunehmend unwirtschaftlich mache, könnten bis zum Winter mehr Anlagen vom Netz gehen als erwartet.

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Regelung greift noch nicht im kommenden Winter

Kommentare zu " Gesetzentwurf: Regierung will Stromausfällen vorbeugen"

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  • Zitat: "Die Betreiber der Übertragungsnetze müssen bis Ende März 2013 zusammen mit der Bundesnetzagentur eine Liste systemrelevanter Kraftwerke erstellen".
    Was sagt uns das? Unsere Regierung und die Bundesnetzagentur hatten und haben bisher offenbar keine Ahnung über die Systemrelevanz unserer Energieversorgung. Derzeit 30.000 MW installierte Windkraft- und ebenso viel Leistung der installierten Photovoltaikanlagen sind wohl nicht systemrelevant, wozu taugen sie und wozu wurden sie dann errichtet?

  • So, So

    Reine venünftige Vorsorge +
    Eigentum verpflichtet

    Wenn es so wäre, daß Eigentum verpflichtet, müßte das natürlich auch für die vorrangig behandelten Energieerzeuger gelten. Somit müßte jeder dieser EE Produzenten verpflichtet werden den Produktionsausfall durch reserve, grundlastfähige oder Stand By Energie abzusichern und zu gewährleisten.
    Ich schließe mich der Kommentatoren voll an, daß Versorgungssicherheit vor Gewinnmaximierung geht.
    Ebenso logisch finde ich, daß ein Gaskraftwerk, welches auf Grund der Gesetzeslage nur zu 50% Leistung produziert anders zu vergüten ist wie bei 100% Auslastung.
    Ob öffentl. rechtl. Institutionen diese Aufgaben besser und billiger durchführen, bezweifle ich.

    Schönen Tag noch.

  • Zitat: "Wie die es anstellen ist mir egal!"

    Windkraft, Solarenergie, Gezeitenkraftwerke, Wasserkraftwerke, Speicherkraftwerke, europaweite Vernetzung, Smart Grid ... fertig.

    Wo ist ihr Problem?

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