Gesetzentwurf Gesetz soll zum Betrieb von Kraftwerken zwingen

Mit einem neuen Gesetz will die Bundesregierung Stromengpässen im Winter vorbeugen. Das Abschalten dringend benötigter Gaskraftwerke soll meldepflichtig werden - und notfalls verboten werden können.
Update: 21.09.2012 - 12:11 Uhr 21 Kommentare
Gaskraftwerk in Oberbayern. Quelle: dpa

Gaskraftwerk in Oberbayern.

(Foto: dpa)

BerlinDie Bundesregierung will Stromengpässe im Winter durch ein gesetzliches Abschaltverbot für dringend benötigte Gaskraftwerke verhindern. Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass Betreiber das Stilllegen von Kraftwerken in Zukunft zwölf Monate vorher mitteilen müssen und die Stilllegung notfalls verboten werden kann. Der Entwurf liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Zunächst hatte die „Frankfurter Rundschau“ über das Vorhaben berichtet und von einer „Quasi-Verstaatlichung“ der Kraftwerke gesprochen.

Die Betreiber der Übertragungsnetze müssen bis Ende März 2013 zusammen mit der Bundesnetzagentur eine Liste systemrelevanter Kraftwerke erstellen. Dabei handelt es sich vor allem um Gaskraftwerke in Süddeutschland. Dem Entwurf zufolge könnte es um Kapazitäten von 3900 Megawatt gehen - das entspricht etwa zehn Gaskraftwerken. Wenn die Stilllegung verboten wird, würden die Kraftwerke als Netzreserve betriebsbereit gehalten.

Dafür sollen die Besitzer eine Entschädigung erhalten. Diese ersetze laut Gesetzentwurf aber nur die notwendigen Auslagen. Die Kosten für Bereithaltung und Einsatz der Reservekraftwerke könnten sich auf 80 Millionen Euro pro Jahr belaufen. Mit Blick auf zusätzliche Gaskosten und Sondereffekte könnten Kosten von bis zu 287 Millionen Euro entstehen. Diese sollen die Verbraucher über die Entgelte für die Stromnetze bezahlen, die Teil des Strompreises sind. Für einen Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden werden Zusatzkosten von maximal 1,55 Euro pro Jahr veranschlagt.#

Die Betreiber der Stromnetze erstellen laut Gesetzentwurf bis März 2013 zusammen mit der Bundesnetzagentur eine Liste systemrelevanter Kraftwerke - Anlagen, deren Wegfall das Stromnetz an den Rand eines großflächigen Ausfalls bringen würde. Laut "Frankfurter Rundschau" handelt es sich vor allem um Gaskraftwerke in Süddeutschland. Demnach könnte es um Kapazitäten von 1300 Megawatt gehen, das wären rund zehn Gaskraftwerke.

Schon seit Wochen sorgen sich Regierung und Koalition um mögliche Engpässe im Winter. Es gebe für den Winter womöglich eine Lücke von mehreren hundert Megawatt, um eine sichere Versorgung zu garantieren, hieß es in Koalitionskreisen. Da die steigende Ökostrom-Produktion ältere Kraftwerke zunehmend unwirtschaftlich mache, könnten bis zum Winter mehr Anlagen vom Netz gehen als erwartet.

Regelung greift noch nicht im kommenden Winter
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

21 Kommentare zu "Gesetzentwurf: Regierung will Stromausfällen vorbeugen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Zitat: "Die Betreiber der Übertragungsnetze müssen bis Ende März 2013 zusammen mit der Bundesnetzagentur eine Liste systemrelevanter Kraftwerke erstellen".
    Was sagt uns das? Unsere Regierung und die Bundesnetzagentur hatten und haben bisher offenbar keine Ahnung über die Systemrelevanz unserer Energieversorgung. Derzeit 30.000 MW installierte Windkraft- und ebenso viel Leistung der installierten Photovoltaikanlagen sind wohl nicht systemrelevant, wozu taugen sie und wozu wurden sie dann errichtet?

  • So, So

    Reine venünftige Vorsorge +
    Eigentum verpflichtet

    Wenn es so wäre, daß Eigentum verpflichtet, müßte das natürlich auch für die vorrangig behandelten Energieerzeuger gelten. Somit müßte jeder dieser EE Produzenten verpflichtet werden den Produktionsausfall durch reserve, grundlastfähige oder Stand By Energie abzusichern und zu gewährleisten.
    Ich schließe mich der Kommentatoren voll an, daß Versorgungssicherheit vor Gewinnmaximierung geht.
    Ebenso logisch finde ich, daß ein Gaskraftwerk, welches auf Grund der Gesetzeslage nur zu 50% Leistung produziert anders zu vergüten ist wie bei 100% Auslastung.
    Ob öffentl. rechtl. Institutionen diese Aufgaben besser und billiger durchführen, bezweifle ich.

    Schönen Tag noch.

  • Zitat: "Wie die es anstellen ist mir egal!"

    Windkraft, Solarenergie, Gezeitenkraftwerke, Wasserkraftwerke, Speicherkraftwerke, europaweite Vernetzung, Smart Grid ... fertig.

    Wo ist ihr Problem?

  • So so ... wieso werde ich das Gefühl nicht los, dass Ökoinvestoren (Garantierte 8-10% Rendite) und Bauern (auf dessen Grundstücke die Anlagen stehen) den Reibach machen und der Rest blechen muss. Eigentum verpflichtet ... ok, dann plädiere ich auch für die Enteignung der Ökoinvestoren und Bauern.

    Wie hier schon mehrmals erörtert, liegen die Probleme im EEG. Der Strom muss BEDINGUNGSLOS abgenommen werden. Früher gab es technische Bedingungen an Kraftwerke, die vom Netzbetreiber vorgegeben wurden, mit dem Ziel ein stabiles Netz zu gewährleisten.

    Ich fordere von den Alternativen Energieversorgern eine Garantie für eine jederzeit maximal leistbaren konstanten Stromversorgung 24 Std / 7 Tage / 360 Tage im Jahr mit einer vorigen Ankündigung von Wartungen. So war es vorher, nur so kann es funktioneren. Wie die es anstellen ist mir egal!

  • naja,

    der pure Lobbist war da nicht am Zug.

    Das hatte schon mit bundesweit geförderter und geforderter Solarenergie zu tun.
    Dort gab es ja auch reichlich Synergie-Effekte, welche die Alt-Obristen schon lange nicht mehr geleistet haben (Arbeitsplätze).
    Die Frage wer was bezahlt ist müßig, die Terms und ihre Ab-Zeitläufe sind
    unglücklich, aber nicht aberänderbar.
    Und selbstverständlich sind bei jeder SubventionsOrgie,
    die Altvorderen mit dabei und wollen wenns geht den Großteil des Kuchens.
    Diesmal reichlich spät. Warum; durch Überschätzung, durch
    Arroganz und dem ganzen Schwulst der dazugehört. Egos machen das Gebräu.

  • Sicherlich sind die Maßnahmen der Bundesregierung in der Tendenz richtig. Die Versorgung der Menschen muss sichergestellt werden. Ich frage mich allerdings, warum ich als Stromverbraucher die Kosten tragen soll. Die Empfänger der EEG- und der Steuersubventionen, die sich über zweistellige Nettorenditen und die gesichert über zwanzig Jahre, freuen dürfen, sollten einfach mal zur Kasse gebeten werden. Warum werden diese Ökoindustriellen so von der Politik geschützt. Ich vermute gute Lobbyarbeit der Ökoindustrie und reichliche Geschenke an die richtigen Stellen.

  • @ ihr

    Weiterhin sollten Sie erstmal nachschlagen was privatisieren bedeutet, bevor Sie es benutzen.

  • @ ihr

    Sie haben keine Ahnung wovon Sie reden. Die Kaltreserve kann man nicht verzocken, weil Sie immer bereit steht aber nicht am Markt angeboten wird. Das Märchen davon, dass auf diese zurückgegriffen wurde um Preise gering zu halten ist ebenfalls falsch. Denn je mehr diese genutzt wird, desto teurer wird sie. Die Preise für die Kaltreserve liegen deswegen IMMER höher als der Markpreis, egal wie irrwitzig hoch er sein könnte.

  • Die eigentliche Ursache liegt im EEG welches "Erneuerbaren Energien" einen Vorrang einräumt.

    Sonne und Wind speisen Strom gem. dem Belieben des Wetters in das Netz ein. Solange man ein bedarfsgesteuertes Stromnetz betreibt, muss der max. Strombedarf vollständig durch Kapazitäten moderner Kraftwerke abgedeckt werden die im Fall der Oekostromeinspeisung in heisser (befeuert), warmer, oder kalter Bereitschaft, stehen.

    Diese Kosten der Oekoreligion bzw. der "Energiewende" bei der man die Stromerzeugung gem. ökoreligiöser Visionen zu gestalten gedenkt, sucht man auf die Versorger abzuwälzen.

    Für die Versorger kommt dann irgendwann die wirtschaftliche Entscheidung die Kraftwerke deren Vollaststundenzahl keine Rentabilität mehr gewährt, stillzulegen.

    Anstatt dass man diese Kosten für die Kapazitätsbereitstellung über das EEG sichtbar dem Oekostrom zuweist, werden diese Kosten dann über Entschädigungen über die Netzkosten ausgewiesen.

    Vandale

  • Naja der letzte Fast-Blackout hatte nichts mit den EE zu tun. Die kritische Situation trat ein, weil an der Strombörse die Notreserve verzockt wurde - obgleich das, wie der Name sagt nie geschehen durfte.
    Offensichtlich sind Unternehmer nicht in der Lage, die Gemeinschaftsinteressen zu wahren.
    Deshalb entweder starke Kontrolle und Vorschriften oder besser noch: Privatisierung lebensnotwendiger Bereiche!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%