Gesetzesänderung?
SPD sagt Mega-Abfindungen den Kampf an

Die Abfindungssumme von 50 Millionen Euro für den scheidenden Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking ist in der Großen Koalition in Berlin auf scharfe Kritik gestoßen. In der SPD wurde sogar der Ruf nach einem Eingreifen des Staates laut.

DÜSSELDORF. Die 50 Millionen Euro-Abfindung für Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking stößt in der Politik und bei Aktionärsschützern auf scharfe Kritik. "Abfindungen in dieser Höhe halte ich für pervers", sagte der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, am Donnerstag im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Das steht in keiner Relation zudem, was man in normalen Jobs verdienen kann."

"Das ist das falsche Signal in der heutigen Zeit", sagte auch der finanzpolitische Sprecher der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion, Otto Bernhardt, dem "Tagesspiegel". Der Finanzexperte ist sich sicher, dass die Millionen für Wiedeking noch ein politisches Nachspiel haben werden. "Das wird die Diskussion über die Managerbesoldung in der nächsten Legislaturperiode wieder in Gang bringen", glaubt Bernhardt. Nach Meinung des Unionspolitikers sollte der Staat die Höhe von Abfindungen aber nicht per Gesetz begrenzen. "Der Staat darf nur bei den Firmen eingreifen, die staatliche Hilfe bekommen", sagte Bernhardt.

Kahrs schlug vor, dass der Staat solchen "Auswüchsen" per Gesetz entgegenwirkt. "Man muss sich als Staat überlegen, ob man die steuerliche Absetzbarkeit von Abfindungen nicht begrenzt", sagte der SPD-Politiker, der auch Mitglied des Haushaltsausschusses des Bundestages ist. Solche Abfindungen, wie sie Wiedeking erhalte, seien "nicht vermittelbar", sagte Kahrs.

Der Vorgang sei skandalös, kritisierte am Donnerstag der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß. "Die Spekulationsgewinne, die seine Rieseneinkommen der vergangenen Jahre angeblich rechtfertigten, haben sich vollständig in Luft aufgelöst, und seine Firma ist am Ende", stellte Poß fest.

Auch Wiedekings Ankündigung, er wolle die Hälfte spenden, ändere nichts an der Verwerflichkeit des Prinzips, für Missmanagement Mio. zu bekommen. Porsche steht nach den Worten des SPD-Finanzexperten damit ebenso wie der ähnlich gelagerte Fall Schaeffler/Conti exemplarisch für "den Einzug der Zockermentalität des globalen Kasino-Kapitalismus selbst in die vermeintlich bodenständigsten deutschen Unternehmen und Wirtschaftszweige".

Mit einer sozialen Marktwirtschaft habe dies nichts mehr zu tun, meinte Poß. Die Existenzgrundlage vieler Tausend Arbeitnehmer werde von großspurigen Eigentümern und bonusgierigen Managern zum leichtfertigen Spieleinsatz in gigantischen Übernahmeschlachten gemacht. "Stets natürlich unter Mithilfe von ebenfalls bestens verdienenden Investmentbankern und Beratern", stellte Poß kritisch fest.

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