Gesetzesinitiative
Textil-Discounter sollen Bezugsquellen offenlegen

Die Grünen vermuten „schlimme Auswüchse“ bei der Auslandsproduktion von Textilien für deutsche Unternehmen. Sie wollen dem Treiben per Gesetz ein Ende setzen. Auch ein Importverbot halten sie für zwingend.
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BerlinDie Grünen machen Front gegen deutsche Unternehmen, deren Waren im Ausland unter Sklavereibedingungen hergestellt wurden. Dazu wollen sie das Aktiengesetz ändern. Der Handelsblatt Online vorliegende Gesetzentwurf der Grünen-Bundestagsfraktion sieht vor, dass, anders als nach geltender Rechtslage, der Vorstand einer Aktiengesellschaft nicht haftbar ist, wenn er menschenrechtliche, soziale oder ökologische Standards wahren möchte und dadurch den Gewinn des Unternehmens schmälert.

Viele Vorstände seien durchaus gewillt, diese Standards auch im Ausland einzuhalten, sagte Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck. „Aber sie fürchten sich davor, entsprechende Entscheidungen zu treffen, weil durch den Kauf von Fair-Trade-Produkten oder durch menschenwürdige Arbeitsbedingungen die Kosten steigen und damit der Gewinn des Unternehmens geringer wird. Diese Sorge wollen wir ihnen nehmen.“

Dazu bedürfe es laut dem Gesetzentwurf einer Ergänzung des Paragrafen 93 im Aktiengesetz, „wonach die Einhaltung menschenrechtlicher, sozialer und ökologischer Standards in allen Geschäftsbereichen Bestandteil der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters sind und damit nicht zu einem Schadensersatzanspruch der Gesellschaft gegen den Vorstand führen können“. Hintergrund der Initiative sind Berichte über die indischen Lieferanten deutscher Textilunternehmen und -händler. Konkret geht es dabei um das so genannte Sumangali-System in Indien, das laut der Menschenrechtsorganisation Terre des hommes zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit gehört.

Beck hält es vor diesem Hintergrund zudem für unabdingbar, Firmen per Gesetz zur Offenlegung ihrer Bezugsquellen zu verpflichten. „Wenn derzeit nicht einmal die schlimmsten Auswüchse bekannt gemacht werden können, dann brauchen wir dringend eine gesetzliche Regelung“, sagte der Grünen-Politiker. Auf Ebene der Vereinten Nationen und auch in der EU habe man längst eingesehen, dass es ohne rechtliche Verpflichtung nicht gehe. „Warum die Bundesregierung wider besseres Wissen immer noch dem reinen Prinzip der Freiwilligkeit anhängt, ist mir schleierhaft“, sagte Beck.

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  • @fredi, . . . geht wohl, wenn ich im Hofladen einkaufe. Die Herkunft des Lebensmittel kann ich dort nachvollziehen. Schauen sie mal im Internet, da gibts paar solide Verbünde - ganz sicher.
    Bisschen mehr Mühe, aber unser Leben ist uns das wert.

  • Es wird ein Horror aufggebaut, dass z. B. China zur Weltmacht aufsteigt und zur Gefahr wird. Indien ebenfalls
    Aber wer hat denn diese Länder dazu gemacht?
    Das waren wir, die gesamte westliche Welt. Wie die Irren sind vorrangig deutsche Unternehmen nach Asien, nach China etc. geeilt um dort zu produzieren, weil es ja so billig ist.
    Und heute wundern sie sich, dass alles abgekupfert ist und nun die Länder das selber machen und usnere Markt überschwemmen, weikl wir ja auch alles rein lassen
    Als das FAX-Geraät erfunden wurde, von Deutschen übrigens, haben die hiesigen Firmen die Produktion nicht übernommen, weil sie nicht voausahnen konnten, wie hoch der Profit werden würde. Also ging es ins Ausland, nach China usw. Und so ist es mit allem. kein Elektrogerät, kein Handy wird hier mehr hersgestellt und heute wimmert die westliche Welt über Arbeitslose usw.
    Und Deutschland faselt dämlich von Globalisierung und haut usn das Wort immer wie eine Drohung um die Ohren. Läuft hier was nicht rund, kommt "das ist die Globalisierung" Das hat mit Globalisierung nichts zu tun, das ist Verrat am eigenen Land.
    Es gab früher mal einen Welthandel. Da kaufte man das von anderen was man selbst nicht hatte und umgekehrt.
    Und genau dahin müssen wir auf ganzer Linie zurück
    Wir reden von Eindämmung des CO2-Ausstoß und jagen die LKW von Norddeutschland bis nach Südfrankreich über die Autobahn mit Krabben, die dann in Marokko geüpult werden und auf diesem Weg wieder zurück kommen, weil es ein paar Cent billiger ist.
    Wie vrlogen ist das denn alles?

  • Sylvia
    das darf doch wohl nicht wahr sein.
    Wo leben wir denn inzwischen?

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