Gesetzliche Quoten: Ja oder nein?
Für mehr Frauen im Aufsichtsrat

Nach Zahlen des DIW sind nur zehn Prozent der Aufsichtsräte in den 200 größten deutschen Unternehmen weiblich. Die Grünen daher eine gesetzliche Quote an: Bis 2017 sollen die Kontrollgremien mit mindestens 40 Prozent Frauen besetzt sein. Eine Umfrage der Unternehmensberatung Kienbaum ergibt: Die Ziele sind realistisch.
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BERLIN. Nach einem Gesetzentwurf der Grünen sollen deutsche Aufsichtsräte ab 2017 mit mindestens 40 Prozent Frauen besetzt sein. Bis 2015 sollen als Zwischenziel zumindest 30 Prozent erreicht sein. „Es ist an der Zeit von Appellen zu gesetzlichen Regeln zu wechseln“, sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast, die den Entwurf gemeinsam mit dem deutschen Juristinnenbund und der Frauen-Organisation Fidar (Frauen in die Aufsichtsräte) vorstellte.

Auch EU-Kommissarin Reding droht schon mit einer Quote

Nach Zahlen des DIW sind zehn Prozent der Aufsichtsräte in den 200 größten deutschen Unternehmen weiblich, drei Viertel davon wurden von den Arbeitnehmern nominiert. Auch die EU-Justiz-Kommissarin Viviane Reding erwägt eine gesetzliche Quote, „wenn bis Ende 2011 nichts geschieht“. Sie gab als Zielgröße 30 Prozent ab 2015 und 40 Prozent ab 2020 aus.

Die Ziele der Grünen sind durchaus nicht unrealistisch, meinen selbst deutsche Aufsichtsräte: Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Kienbaum, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, glauben 41 Prozent der befragten Aufsichtsräte, dass eine 30-Prozent-Quote schon in den Jahren 2013 bis 2015 erreichbar wäre, weitere neun Prozent meinen sogar, dass es noch schneller gehen könnte. Kienbaum hatte 58 Aufsichtsräte in langen persönlichen Gesprächen befragt. Gut zwei Drittel davon kontrollieren ein börsennotiertes Unternehmen, 59 Prozent einen Dax-Konzern. Nur 30 Prozent glauben, dass eine 30-Prozentquote erst nach 2020 umsetzbar sei.

In Norwegen gilt bereits eine 40-Prozent-Quote, die weitgehend problemlos erfüllt wird. Frankreich, Spanien und die Niederlande haben ebenfalls gesetzliche Vorgaben auf den Weg gebracht.

"Skepsis ist angebracht“, meint jedoch der Chef der Unternehmensberatung, Jochen Kienbaum. „In unserem Pool weiblicher Kandidaten herrscht zwar große Qualität, aber die Quantität muss zur Erfüllung der Quotenziele kontinuierlich erhöht werden.“

Die Aufsichtsräte selbst versprechen sich durchaus Vorteile von mehr Frauen in ihrem Kreis: 57 Prozent erwarten ein „erweitertes Erfahrungsspektrum“, 28 Prozent einen höheren Grad an Professionalisierung. Nur ein Fünftel glaubt nicht an einen spürbaren Nutzen von mehr Frauen im Aufsichtsrat.

Eine gesetzliche Quote jedoch findet nur jeder 20ste gut. Die Hälfte der Aufsichtsräte lehnen sie rundweg ab. Immerhin jeder dritte jedoch plädiert für eine freiwillige Selbstverpflichtung, wie sie etwa kürzlich die Deutsche Telekom eingeführt hat.

Die übergroße Mehrheit der amtierenden Aufsichtsräte sind jedoch dafür, zumindest eine Frau in die Kontrollrunde zu holen. Immerhin 13 Prozent fänden es gut, wenn frei werdenden Posten zwingend mit Frauen besetzt werden müssten.

Mittelfristig wollen die Grünen auch Quoten für den Vorstand

„Eine Quote für den Aufsichtsrat ist nur der Anfang – wir wollen auch die Vorstände quotieren“, sagte Künast. Es könne nicht sein, dass von 200 Vorstandsposten in den 30 Dax-Unternehmen lediglich vier von Frauen besetzt seien. Derzeit gibt es bei Siemens zwei weibliche Vorstände, bei Eon und SAP je einen. Kurzfristig wird jedoch auch die Quote im Aufsichtsrat mangels Zustimmung der Koalition nicht Gesetz werden, räumte Künast ein.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Wir haben schon genug damit zu, das hohe Niveau der deutschen Wirtschaft in Konkurrenz mit Asien zu sichern. in dieser Lage können wir uns kein absurdes Abweichen vom Leistungsprinzip erlauben. Wer wirklich gut ist, der schafft es nach oben und Mittelmass muss nicht gefördert werden.

    Viel wichtiger wäre die Förderung von männlichen Jugendlichen, die in der Schule krass benachteiligt werden. Dort schlummert noch Potenzial.

    im Übrigen ist Nick zuzustimmen: warum keine Quoten bei gefährlichen und schmutzigen berufen?

  • Was soll denn dieser Eingriff in Eigentumsrechte? Die Aktionäre entsenden in Aufsichtsräte, wen sie wollen. Was soll diese Politisierung und Verbeamtung der Wirtschaft. Demnächst gibt es Quoten für Neger, Schwule, Zigeuner, Katholiken, Protestanten, Muslime, Gottlose, Juden, Transvestiten,... Habe ich jemanden vergessen?

  • @ Nick
    voll deiner Meinung. Nicht die Quantität ist entscheidend, sondern die Qualität. Es gibt Gründe, warum Frauen dass nicht machen bzw. wollen. Ein Gesetz, dass Frauen in solchen Positionen verbietet gibt es nämlich nicht...Also Frauen: Nicht auf das Gesetz setzen. Nehmt es in die Hand und qualiiziert euch durch Leistung.

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