Gesundheirtsreform
Kassen bieten ab April Wahltarife an

Wer sich kostenbewusst verhält, kann als Mitglied der gesetzlichen Krankenkassen ab April bares Geld sparen: Viele Kassen wollen die neuen Möglichkeiten der Gesundheitsreform nutzen und Wahltarife anbieten. Was bisher nur Gutverdiener durften, wird auch Otto Normalkassenzahler erlaubt.

BERLIN. „Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren“, sagt Ingo Kailuweit, Vorstandschef der KKH. Auch bei der Barmer, der DAK, der TK und den Ortskrankenkassen wird mit Hochdruck an den neuen Tarifen gearbeitet.

Für die 50 Millionen Kassenmitglieder bedeutet dies, dass sie ab April bares Geld sparen können, wenn sie sich für mindestens drei Jahre für einen Tarif mit Selbstbeteiligung, mit Beitragsrückerstattung oder mit einem geringeren Leistungsumfang entscheiden. In einem solchen Tarif können die Kassen jährlich höchstens eine Prämie von bis zu 20 Prozent (maximal 600 Euro) eines Jahresbeitrags zurückerstatten. Kombiniert der Versicherte mehrere Tarife, kann er bis zu 30 Prozent (maximal 900 Euro) im Jahr sparen.

Bislang konnten nur die rund zehn Millionen freiwillig Versicherten mit einem Einkommen von über 3 900 Euro Selbstbeteiligung oder Beitragsrückerstattung wählen, sofern sie statt der bei den gesetzlichen Kassen üblichen Sachleistung die Kostenerstattung wählten. Sie mussten also zum Beispiel bei einer Arztbehandlung die Rechnung zunächst aus eigener Tasche zahlen, und zwar in Höhe der Honorare, die die privatärztliche Gebührenordnung vorschreibt. Von ihrer Kasse erhielten sie nur die deutlich niedrigeren Kassensätze zurück.

„Das ist wohl der Grund, warum bei uns nur wenige Versicherte von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht haben“, berichtet Rüdiger Scharf von der DAK. Bei der TK war der Selbstbehalttarif dagegen ein Erfolg: „Wir konnten dadurch viele freiwillig Versicherte bei der Stange halten, die sonst in eine private Versicherung gewechselt wären“, so TK-Sprecherin Dorothee Meusch. 2006 habe dies der TK Beitragseinnahmen von elf Mill. Euro gesichert, die sonst an die PKV gegangen wären.

In Zukunft wird es diese Tarife auch für die 40 Millionen Pflichtversicherten geben. Die Voraussetzung der Kostenerstattung entfällt. „Damit wird das Interesse deutlich wachsen“, erwartet KKH-Vorstand Kailuweit. „Schon jetzt erreichen uns zahlreiche Anfragen von unseren Versicherten.“ Zugleich biete sich für die Kassen eine Möglichkeit, Versicherte, die sonst zu einer anderen Kasse mit niedrigerem allgemeinen Beitrag wechseln würden, ans Unternehmen zu binden. Wie die neuen Tarife aussehen werden, will bislang keine Kasse sagen. Die Barmer will ihrem Verwaltungsrat erste Vorschläge Ende Februar unterbreiten, die KKH Mitte März. Die TK verrät nur, dass sie plant, den Selbstbehalt nach dem Einkommen zu staffeln.

Anschauungsmaterial bieten bislang nur die schon heute angebotenen Tarife für freiwillig Versicherte. Bei der TK gibt es für einen jährlichen Selbstbehalt von 300 Euro eine Beitragserstattung von 240 Euro am Anfang des Jahres. Freiwillig bei der Barmer Versicherte können derzeit zwischen zwei Tarifen wählen: Im ersten beträgt der Selbstbehalt 320 Euro im ersten und 300 Euro in jedem weiteren Jahr. Dafür gibt es pro Jahr eine Prämie von 250 Euro von der Kasse. Beim zweiten Tarif muss der Versicherte im ersten Jahr 50 Prozent seiner Kosten für ambulante Behandlung selbst zahlen, danach 45 Prozent pro Jahr. Sein Beitrag sinkt dadurch um stolze 650 Euro im Jahr.

Ganz so lukrativ werden die Tarife für alle Versicherten möglicherweise nicht aussehen. Denn der Gesetzgeber hat die Kassen verpflichtet, die Tarife so zu kalkulieren, dass sie sich selbst tragen. „Wir müssen vermeiden, dass am Ende die Kranken die Beitragsermäßigung für die Gesunden finanzieren“, sagt Kailuweit. Und das sei nicht ganz einfach.

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