Gesundheit
Ärztehonorare legen deutlich zu

Eine Bilanz der Kassenärztlichen Vereinigung bringt es an den Tag: Die deutschen Ärzte haben im ersten Quartal dieses Jahres deutlich mehr verdient als im Jahr zuvor. Allerdings gibt es regionale Unterschiede.

BERLIN. Die niedergelassenen Ärzte in Baden-Württemberg sind die Verlierer der Honorarreform 2009 - die Mediziner in Berlin die größten Gewinner. Im Durchschnitt verdienten die rund 140 000 Ärzte in Deutschland im ersten Quartal 7,8 Prozent mehr, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) am Montag in Berlin in einer vorläufigen Gesamtbilanz berichtete.

Die baden-württembergischen Mediziner mussten ein Minus von 0,7 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2008 hinnehmen. Spitzenreiter bei den Gewinnern sind die Ärzte in Berlin mit 32,2 Prozent mehr Geld, gefolgt von Niedersachsen mit einem Plus von 17,6 Prozent, Sachsen-Anhalt mit 16,1 und Mecklenburg-Vorpommern mit 15,6 Prozent mehr.

"Die Auswirkungen sind je nach Bundesland sehr unterschiedlich", sagte KBV-Chef Andreas Köhler. In den Kassenärztlichen Vereinigungen Bayern, Nordrhein und Rheinland-Pfalz sei der Honorarzuwachs weit unterdurchschnittlich. "Hier sehen wir Nachbesserungsbedarf." In Bayern gab es ein Plus von 3,5 Prozent, am Nordrhein von 4,2 und in Rheinland-Pfalz von 5,3 Prozent.

Ab dem 7. August wollen Ärzte und Kassen über das Honorar für 2010 verhandeln. Köhler sagte, dabei strebten die Ärzte Maßnahmen gegen die "Kostenunterdeckung" an. So habe es seit 2000 für die Ärzte Kostensteigerungen von 17 Prozent gegeben, die nun zumindest teilweise ausgeglichen werden sollten. An die Landesregierung in Baden-Württemberg gerichtet sagte Köhler, zum Ausgleich für den Verlust der Ärzte dort habe die Regierung bereits einen Zuschuss von 160 Mio. Euro ins Gespräch gebracht. "Das würden wir auch gerne akzeptieren."

Von der Gesamtheit aller Ärzte hätten 65 Prozent hinzugewonnen, besonders stark Kardiologen (Gewinneranteil: 82 Prozent), Nervenärzte (Gewinneranteil: 80 Prozent) und Urologen (Gewinneranteil: 77 Prozent). Dagegen hätten 35 Prozent aller Ärzte Verluste hinnehmen müssen, berichtete die KBV. 60 Prozent der Orthopäden verdienten weniger, 44 Prozent der Anästhesisten und 42 Prozent der Hals-Nasen- Ohren-Ärzte.

Köhler wehrte sich gegen Vorwürfe, die Ärzte forderten in der Krise zu viel für sich. "Das ist kein Jammern auf hohem Niveau." Das Investitionsrisiko führe dazu, dass junge Ärzte "trotz vermeintlich guter Zahlen" zu wenig bereit seien, sich niederzulassen. Deshalb drohe ein Ärztemangel.

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