Gesundheit
Glos plant Hilfe für Pharmagroßhandel

Wirtschaftsminister Michael Glos will den Gewinnverfall der Arzneimittelgroßhändler stoppen. Feste Zuschläge für jede verkaufe Packung eines rezeptpflichtigen Medikaments sollen die prozentualen Handelsspannen ersetzen.

BERLIN. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) denkt offenbar über Hilfen für die Arzneimittelgroßhändler in Deutschland nach. Sie klagen über einen rapiden Verfall ihrer Margen. Mit einem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, hat sich der Minister nun an verschiedene Gesundheitsverbände gewandt. Darin regt Glos an, die bisherigen prozentualen Handelsspannen zu ersetzen. Künftig soll ein Fixzuschlag von 93 Cent für jede vom Großhandel an die Apotheken verkaufte Packung eines rezeptpflichtigen Medikaments gezahlt werden. dazu kommt noch ein prozentualer Zuschlag auf den Abgabepreis von bis zu drei Prozent. Glos hat die Pharmaindustrie gebeten, bis zum 18. April zu dem Vorschlag Stellung zu nehmen.

Der Großhandelsverband Phagro, der 16 Großhändler mit 110 Niederlassungen in ganz Deutschland vertritt, drängt seit langem auf eine Reform der Arzneimittelpreisverordnung. Er fürchtet, dass andernfalls die Branche den gesetzlichen Auftrag nicht mehr erfüllen kann, die bundesweite Arzneimittelversorgung sicher zu stellen. Bislang sorgen dafür vor allem Vollsortimenter wie Phoenix, Anzag, Gehe und Sana Corp München, die binnen Stunden jedes zugelassene Medikament auch an die entfernteste Landapotheke liefern.

"Das ganze deutsche Vertriebssystem steht auf dem Spiel", sagt Thomas Trümper, Chef von Phagro. Grund für die Sorgen ist die Strategie großer Hersteller, immer mehr ihrer teuren Präparate direkt an die Apotheken zu liefern. Dadurch gehen den Händlern lukrative Umsatzanteile verloren, die sie zur Querfinanzierung ihrer Logistikkosten für den Vertrieb billiger Arzneimittel benötigen, an denen sie wegen der prozentualen Spannen nur wenige Cent verdienen. Allein im Jahr 2007 wuchs der Direktvertrieb mit teuren patentierten Medikamenten um 19 Prozent. Seit 2004 haben sich als Folge dieser Entwicklung die Margen im Großhandel von 1,9 auf 0,5 Prozent mehr als gedrittelt.

Der Fixzuschlag von 93 Cent würde nach Berechnungen von Phagro die Erlöse des Großhandels auf dem heutigen Niveau sichern. Außerdem würde er es für die Hersteller wieder lukrativer machen, auch ihre hochpreisigen Medikamente über den Großhandel zu vermarkten, sagt Cosima Kötting, Arzneimittelexpertin des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller (BAH).

Im Apothekenhandel wurden die prozentualen Handelsspannen bereits 2004 durch einen Fixzuschlag abgelöst, um den Apotheken den Anreiz zu nehmen, durch die Abgabe besonders teurer Medikamente ihr Einkommen zu Lasten der Krankenkassen zu optimieren. Dort hat sich das neue Zuschlagssystem nach übereinstimmender Meinung von Krankenkassen und Apotheken bewährt. Nach Angaben der Krankenkassen hat es sogar zu einer Verbesserung der Apothekenerlöse geführt.

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