Gesundheit
Kassen fordern Regierung zum Umdenken auf

Verbandschef Kaltenbach fürchtet, dass viele Versicherte die Zahlung des Zusatzbeitrages verweigern und plädiert für eine Härtefallregelung. Bisher berechnen noch nicht alle Kassen die Sonderbeiträge, so dass Betroffene durch einen Kassenwechsel Geld sparen können.
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BERLIN. Der Chef des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen, Heinz Kaltenbach, fürchtet, dass viele der gesetzlich Versicherten die neuen Zusatzbeiträge nicht zahlen werden. "Nach ersten Erfahrungswerten aus dem vergangenen Halbjahr liegt die Zahlungsquote bei 80 bis 90 Prozent," sagte Kaltenbach dem Handelsblatt. Die von einigen Kassen erhobenen Zusatzbeiträge in Höhe von acht Euro müssen die Versicherten selbst zahlen. Anders als die normalen Beiträge werden diese nicht vom Arbeitgeber abgeführt, sondern die Versicherten müssen das Geld selbst überweisen. Betroffen sind zunächst etwa sieben Millionen Menschen.

Kaltenbach erwartet, dass bis zu einem Fünftel nicht zahlen würde - auch, weil die acht Euro für viele Menschen eine soziale Belastung bedeute. "Wir haben daher die Bundesregierung bereits aufgefordert, umgehend Lösungen für Härtefälle zu schaffen," sagte Kaltenbach. Konkret forderte er, dass der Bund respektive die Sozialämter den Zusatzbeitrag für Bezieher von Arbeitslosengeld II und Sozialhilfeempfänger übernehmen sollte. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) lehnt dies ab und verweist auf die Möglichkeit, die Kasse zu wechseln.

Kaltenbach geht davon aus, dass die "überwiegende Mehrheit" der 130 Betriebskrankenkassen dieses Jahr ohne Zusatzbeitrag auskommen werde. "Die meisten unserer Kassen verfügen noch über genügend Rücklagen, um die politisch gewollte Unterdeckung im Gesundheitsfonds von vier Mrd. auszugleichen." Auch neun Innungskrankenkassen haben angekündigt, 2010 auf Zusatzbeiträge zu verzichten. Allerdings rechnet Kaltenbach damit, dass "im Laufe des Jahres für mehr als ein Drittel der 50 Millionen Mitglieder aller Kassenarten Zusatzbeiträge erhoben werden müssen".

Damit stehen den Versicherten zumindest 2010 noch ausreichend Wahlmöglichkeiten zur Verfügung. Sie können von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen und zu einer Kasse ohne Sonderbeitrag wechseln. Die Betriebskrankenkassen, die bislang 18,48 Prozent Marktanteil haben, könnten davon profitieren. Allerdings wollen laut einer Umfrage nur etwa 30 Prozent der Betroffenen wirklich wechseln.

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Kommentare zu " Gesundheit: Kassen fordern Regierung zum Umdenken auf"

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  • Die Politik darf hier nicht vor den Krankenkassen und der Pharmaindustire einkincken. Es muss standhaft der Wettbewerb beibehalten werden. Der Versicherte hat es jetzt in der Hand. Die Kasse kann jederzeit gewechselt werden und dass ist das große Problem bei den Kassen. Jetzt müssen diese flexibel und kostenbewusster arbeiten. Wer dies nicht tut verliert seine Mitglieder und das ist dann ein der richtige Weg, den die Politik hier vorgegeben hat. Alles andere würde unsere Kosten im Gesundheitswesen explodieren lassen und die Leistungen hätten keine Verbesserung erfahren. Gewonnen hätten hier nur die Funktionäre und die Pharmaindustrie.

  • Zynisch

    ich finde es von Politikern zynisch, daß die Versicherten aufgefordert werden, bei Erhebung der Zusatzbeiträge die Kasse zu wechseln.
    Die anderen Kassen haben nicht endlose Rücklagen, das heißt, sie erheben rasch ebenfalls Zusatzbeiträge. Es war von Ulla Schmidt auch ein Sozialausgleich für die Armen vorgesehen, jeder kann das nachlesen.

    Reich segnen tun sich unsere neoliberlen Politiker und die, die ihnen nahe stehen, mittlerweile maßlos. Auf die Anderen wird mit Verachtung herabgeschaut, die läßt man im Elend ersticken.

    Die Grundsicherungen sind viel zu niedrig. Z.b. ist für Strom ein betrag von 23.-- Euro angesetzt - zu zahlen sind hierfür real 45,-- Euro. Ein Friseurbesuch, der sehr teuer ist, ist in den Regelsätzen gar nicht vorgesehen.

    Glücklicherweise befasst sich das bundesverfassungsgericht gerade mit den Regelsätzen. Es wird weitere Arbeit auf sie warten, weil die Regelsätze der Alten und Kranken von Schmidt und Schröder um 20% gekürzt wurden mit dem Ergebnis, daß schwerwiegend Erkrankte rasch in die Heime abgeschoben werden, weil für die Landbewohner Fahrten zu den Ärzten nicht finanziert werden können. Das ist in den Regelsätzen auch gar nicht vorgesehen. Murks, Murks und nochmals Murks.....

    Es wäre wirklich schön, wenn sich die Krankenkassen ausnahmsweise mal auf die Seite der Versicherten stellen würden, denn die Oma und die Kranken vegetieren mit monatlich 140 - 150 Euro unter menschenverachtenden Umständen dahin.

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