Gesundheitliche Gründe
Perschau tritt von allen Ämtern zurück

Überraschend ist Bremens Wirtschaftssenator und Bürgermeister Hartmut Perschau (CDU) am Dienstag von allen Ämtern zurückgetreten.Gegenüber Regierungschef Henning Scherf (SPD) gab er an, er müsse in Zukunft aus gesundheitlichen Gründen erheblich kürzer treten.

HB BREMEN. Regierungschef Henning Scherf (SPD) bedauerte den Entschluss seines langjährigen engen Partners in der Spitze der rot-schwarzen Regierungskoalition an der Weser: „Persönlich haben wir ein ungewöhnlich offenes und herzliches Verhältnis entwickelt, das unsere politische Zusammenarbeit nachhaltig bestimmt hat.“ Senatskollegen und Mitarbeiter im Ressort bedauerten Perschaus Weggang, zeigten aber gleichzeitig Verständnis für die Entscheidung.

Für Scherf war Perschau „einer der entscheidenden Garanten des erfolgreichen Bremer Sanierungskurses der großen Koalition“. Durch seinen konstruktiven Rat seien auch schwierige Phasen wie etwa der Zusammenbruch des Bremer Vulkan bewältigt worden. Seine Mitarbeiter bezeichnen ihn als „stets fröhlich, sympathisch und ausgeglichen“. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) meinte: „Bremen hat Hartmut Perschau viel zu verdanken.“

Ganz wird der Polit-Profi Perschau der Politik dennoch nicht den Rücken kehren. Er kündigte an, künftig sein bisher ruhendes Mandat in der Bremischen Bürgerschaft ausüben zu wollen. Scherf: „Ich freue mich, dass Hartmut Perschau die Arbeit der großen Koalition auch künftig als Abgeordneter begleiten wird.“ Mit Perschau verliert Scherf zum zweiten Mal in seiner Amtszeit als Regierungschef einer großen Koalition den Partner an der Spitze: Schon 1997 - zwei Jahre nach Start des SPD/CDU- Bündnisses an der Weser - trat der christdemokratische Finanzsenator und Bürgermeister Ulrich Nölle aus Krankheitsgründen zurück. Damals sahen viele die große Koalition in Gefahr, denn Nölle und Scherf galten als tragende Säulen des Bündnisses.

Doch Perschau übernahm den Part problemlos. Jetzt hofft der Regierungschef auf den richtigen Nachfolger, der die Arbeit Perschaus „in seinem Sinne und zum Wohl des Landes fortführen wird“. Derzeit glaubt keiner an eine Krise im Bündnis. Das sei über neun Jahre gewachsen und nicht nur an Personen festgemacht, hieß es dazu aus dem Rathaus. Perschau wurde 1942 in Danzig geboren. Mit acht Jahren kam er nach Hamburg, wo später seine politische Karriere begann. 1974 zog der ehemalige Major der Bundeswehr als CDU-Abgeordneter in die Hamburger Bürgerschaft ein. 1981 übernahm er den Fraktionsvorsitz. 1989 zog es ihn ins Straßburger Europaparlament. Zwei Jahre später folgte er dem Ruf Sachsen-Anhalts und wurde dort Innenminister. 1993 trat er zusammen mit der Magdeburger CDU-Landesregierung im Zuge einer „Gehälteraffäre“ zurück und wechselte 1995 schließlich an die Weser.

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