Gesundheits-Studie Gestresst? Dann bist Du Student!

Mehr als jeder Zweite fühlt sich durch das Studium stark belastet, zeigt eine neue Studie. Bachelor-Studenten sind besonders betroffen – und Frauen. Mehr noch als Arbeitnehmer. Und doch gibt es eine Überraschung.
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Den Studenten machen vor allem  Zeit- und Leistungsdruck und die Angst vor Überforderung zu schaffen. Quelle: dpa
Hohes Stresslevel

Den Studenten machen vor allem Zeit- und Leistungsdruck und die Angst vor Überforderung zu schaffen.

(Foto: dpa)

BerlinDer Vorstandschef des Bundesverbands der Ortskrankenkassen, Martin Litsch (59), hat Ende der 1970er Jahre in Trier Soziologie und Volkswirtschaft studiert. Damals sei es nichts besonders gewesen, dass ein Studium deutlich mehr als zehn Semester in Anspruch genommen habe, meint der Kassenchef. Doch die heute noch immer verbreitete Meinung, dass die Studienzeit nicht nur die schönste, sondern auch eine relaxte Zeit ist, sei vielleicht damals näher an der Wahrheit gewesen als heute, sagt Litsch.

Deshalb konnte sich seinerzeit der Moderator und langjährige Chefredakteur des Westdeutschen Rundfunks (WDR) Dieter Thoma noch unwidersprochen den Spaß erlauben, dass auch bei Studenten sehr populäre Mittagsmagazin auf WDR 2 mit den Worten zu eröffnen: „Guten Tag meine Damen und Herren, Guten Morgen liebe Studenten!“ Heute könnte er dafür einen Shitstorm im Netz ernten. Denn spätestens seit den Bologna-Reformen und der mit ihnen einhergehenden zeitlichen Straffung und inhaltlichen Verdichtung des Studiums kann von stressfreiem Lernen an den Hochschulen kaum noch die Rede sein.

Wie sehr Deutschlands Studierende inzwischen gestresst sind, belegt eine neue Untersuchung der Lehrstühle für Marketing an den Universitäten Hohenheim und Potsdam, die der Bundesverband der Ortskrankenkassen in Auftrag gegeben hat. „Es handelt sich mit mehr als 18.000 befragten Studierenden an verschiedenen Hochschulen und für verschiedene Studienabschlüsse um die bislang umfassendste Untersuchung des Themas Studienstress“, sagte die Studienleiterin und Marketingexpertin der Universität Potsdam Uta Herbst bei der Präsentation am Dienstag.

53 Prozent haben bei der Befragung ein hohes Stresslevel angeben. Damit liegt das Stresslevel bei Studierenden noch höher als in der Privatwirtschaft. Denn dort fühlen sich nach einer vergleichbaren Studie aus dem vergangenen Jahr nur 50 Prozent vergleichbar überlastet durch ihre Arbeit. Den Studenten machen vor allem Zeit- und Leistungsdruck und die Angst vor Überforderung zu schaffen.

Dabei ist der Stress an den schon immer stark verschulten Fachhochschulen höher als an Universitäten und dualen Hochschulen. Auf den privaten Unis scheint es relaxter zuzugehen als an staatlichen Hochschulen. Bachelor-Studenten seien „signifikant gestresster“ als Master-Studierende oder Studenten die Lehramt oder Jura mit Staatsexamen studieren berichtet Herbst – ein starkes Indiz dafür, dass die Bologna-Reformen nicht nur positive Effekte hatten. Da wundert es nicht, dass laut anderen Untersuchungen jeder vierte Bachelor-Student sein Studium abbricht. Nicht erhoben wurde bislang, wie viele von den Abbrechern hinterher ein weniger stressiges Studium etwa ein Lehramtsstudium mit Staatsexamen aufnehmen.

„Zu hohe Anforderungen an sich selbst“
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17 Kommentare zu "Gesundheits-Studie: Gestresst? Dann bist Du Student!"

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  • @Herr Leo Löwenstein, 11.10.2016, 15:35 Uhr:

    „Es liegt doch vielmehr daran, dass die nachkommende Generation völlig unfähig ist, sich selbst einzuschätzen und sich dementsprechend zu verhalten.“

    Mit dieser Meinung dürften Sie durchaus richtig liegen. Ich finde, die „nachkommende Generation“ von heute ist nicht zu beneiden.

    Viele junge Menschen können heute nicht nur nicht mehr einschätzen wo sie stehen, sondern vor allem auch nicht, worauf es im Leben überhaupt ankommt (womit wir beim Thema „Werte“ wären – und damit ist beileibe nicht nur der finanzielle Aspekt gemeint, auch wenn der letzten Endes doch auf Werten beruht). Dafür, dass das so ist, kann man sie angesichts ihrer noch geringen Lebenserfahrung kaum selbst verantwortlich machen (dahingehend, dass die älteren es – aus welchen Gründen auch immer – versäumt haben, ihren Nachkommen ihre in früheren Zeiten auch hierzulande noch selbstverständliche Erfahrung zu vermitteln, dass „von nix nix kommt“).

    Das ändert allerdings nichts daran, dass die junge bzw. „nachkommenden Generation“ dies – trotz der dadurch im Vergleich zu den älteren Generationen oft ungünstigeren persönlichen Grundvoraussetzungen (die durch das gesellschaftliche und politische Umfeld bzw. durch die Erziehung ihrer „Sorgeberechtigten“ bedingt sind) – sobald sie erwachsen und damit „offiziell“ alt genug ist, selbst Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, dann im eigenen Interesse dann eben quasi wird „nachholen“ müssen.

    Aber „ungünstige persönliche Grundvoraussetzungen“ für junge Menschen gibt es heute weiß Gott nicht nur bei uns oder in den sog. „entwickelten“ Ländern, und wurden, werden und sollten) für sehr viele Menschen schon immer als Herausforderung gesehen, deren Bewältigung im Rückblick als umso befriedigender erwiesen hat.

  • Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme

  • Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

    Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof.

  • In vielen anderen Ländern geht es prima an den Universitäten. Die Studenten sind positiv, sehr leistungsbereit und arbeiten hart. Die deutschen Studenten sind doch nicht dümmer als diejenigen aus anderen Ländern, und sie arbeiten ebenfalls hart, sehr hart sogar. Deutschlands Unis mögen aber lieber ihre Macht ausspielen und die Neulinge sollen untergeben sein, leiden, schuften und zittern, denn warum sollen die es besser haben als wir damals? In anderen Ländern versuchen die Unis dagegen eher, gemeinsam und gleichberechtigt mit Spaß an Leistung und Können das Land und die Gesellschaft vorwärts zu bringen. Aber Gleichberechtigung, Arbeit und Spaß in einem Satz, das ist "Igitt" in Deutschland. (Völlig richtig, Frau Bollmohr - Ihr Kommentar weiter unten).

  • Es liegt doch vielmehr daran, dass die nachkommende Generation völlig unfähig ist, sich selbst einzuschätzen und sich dementsprechend zu verhalten.
    Das ganze fängt im Elternhaus an, in dem den Kindern alles mögliche abgenommen wird, damit sie nicht überfordert werden.
    In den Grundschulen werden die Standards immer weiter abgesengt, damit auch alle mitgenommen werden und ja keiner möglicherweise benachteiligt wird. Dabei wird immer mehr Kapazitäten in Sachen Förderung in wenig intelligente Kinder gesteckt, mit komischerweise kümmerlichem Erfolg. Die Förderung der leistungsstarken wird immer weiter zurückgefahren und gekappt, denn die brauchen das ja nicht. Das Niveau wird einfach gesenkt.
    So, nach der Grundschule, sollen ja möglichst viele die Chance auf ein Abi haben, auch da wird der Standard immer weiter gesenkt, Wissen wird immer weniger vermittelt, sondern sogenannte Kompetenzen. Nur ohne entsprechendes Wissen kann man keine Schlussfolgerungen oder parallelen zu anderen Ereignissen ziehen und somit eigene Schlüsse erarbeiten. Man verdummt unsere Kinder.
    So, dann kommen sie mit dem ereichten Abi zum Studium, jetzt wird zum ersten mal richtig Leistung verlangt und dann merken viele, dass das nicht mehr so leicht weiter geht und kommen mit den großartigen Wünschen und ihren begrenzten Möglichkeiten auf keinen grünen Ast.
    Zum Studieren gehört auch der entsprechend intelligente Kopf. Es muss auch den/die Wurstfachverkäufer/in, den/die Busfahrer etc. geben. Die Arbeit muss ja auch jemand machen. Ist doch nicht schlimm, wenn nicht jeder ein Hochschulabschluss hat.
    Und dann gibt's noch diejenigen, die sich die Freizeit- und Spassgestaltung der eigenen Zeit als Maxime gesetzt hat. Dass die nicht mit plötzlich zunehmendem Aufwand beim Studium klar kommen, versteht sich von selbst.
    Dass diejenigen besser klar kommen, die arbeiten müssen, wundert mich nicht, die haben ernsthafte Ziele, sich zu verbessern und nehmen das alles ernster.
    Ein Studium läuft eben nicht nebenher.

  • Sieht man sich die "wahren" Kenntnisse der Gymnasiasten heute an, da fehlt es eigentlich an einer Ausbildungsfähigkeit, kein gutes deutsch, Kopfrechnen gleich null, ich habe Bewerbungen gelesen, da bleibt kein Auge trocken, hier zeigt sich ganz deutlich das versagen des Schulsystems und die von der Politik gewollte Verblödung der Jugend, Berlin ist da Spitzenreiter,
    Einfaches Prozentrechnen oder gar ein einfacher Dreisatz werden nicht beherrscht von Gymnasiasten, was sollen die überhaupt studieren?
    Die Kenntnisse werden ja einfach nicht vermittelt, und diese jungen, da eigentlich auch nicht intelligent genug dafür, können diese Kenntnisse auch nicht aufnehmen.
    Für die Wirtschaft kommen da überhaupt keine brauchbaren Leute bei raus

  • In der Schweiz wird von der Grundschule zum Gymnasium gesiebt. 1/10 des Jahrgangs wird zum Gymnasium zugelassen. Prüfungen werden ernst genommen, schlechte Noten verteilt.

    In Deutschland wird bereits in der Grundschule darauf geachtet dass alle Schüler mitkommen. Noten werden mittlerweile erst mit der 3. Klasse vergeben. Schlechte Noten sind verpönt und werden dem Lehrer angelastet.

    Dann ist es wenig erstaunlich dass die Studenten sich schwertun wenn Sie gefordert werden.

  • Ach Ihr Armen (Schluchz)!

    Ich habe 1962 eine Lehre angefangen. Arbeitszeit Montag - Samstag 7.30 - 16.15.
    Ab dem 2. Lehrjahr bin ich zusätzlich abends in die Aufbauschule gegangen, um die Mittlere Reife nachzuholen, da ich aus der DDR, mit einem anderen Schulsystem kam.

    Ab 1970 bin ich dann abends, nach der Arbeit, zur TU getigert, um an der VWA meinen Betriebswirt zu machen. Am Wochenende, oder vorlesungsfreien Tagen, Lernen für Klausuren.

    Wie habt Ihr Euch denn Euren späteren Wettbewerb um Arbeitsplätze mit chinesischen, japanischen, oder koreanischen Studienabgängern vorgestellt?

  • @Herr Herbert Maier, 11.10.2016, 12:32 Uhr:

    "Das ist das deutsche System, das sich durch übermäßigen Druck, negative Motivation und der ständigen Angst, durchzufallen, auszeichnet. Ich habe einige Erfahrung mit ausländischen Universitäten, und überall wo ich dort war ging es netter, mitmenschlicher und positiver zu als in Deutschland. Sagt aber auch fast jeder deutsche Student im Ausland, das ist jetzt keine neue Weisheit."

    Sie sagen es:
    Übermäßigen - vor allen Dingen aber: sinnlos-kontraproduktiven (da auf das Erzeugen von Versagensängsten ausgerichteten) Druck.

    Der bloß dazu taugt, die Denkkanäle zu verstopfen und jede positive Motivation (echtes Interesse, Neugier, Freude, eigenständig etwas herauszufinden und weiterzuentwickeln) zuverlässig zu killen.

    Fällt alles unter die Rubrik "Man kann sich das Leben auch schwer machen" (vor allem gegenseitig).

    Das können wir Deutschen auch meiner Erfahrung nach leider offenbar besonders gut.

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