Gesundheits- und Pflegepolitik: Angst vor professioneller Pflege

Gesundheits- und Pflegepolitik
Angst vor professioneller Pflege

Viele Hilfsangebote der Pflegeversicherung werden kaum genutzt, obwohl pflegende Angehörige dringend Entlastung brauchen. Das liegt an mehreren Gründen, vor allem aber an der Scham alter Menschen und Bedürftiger.

BerlinWäre nicht die Flüchtlingskrise, stünde das Thema Pflege in Deutschland in dieser Woche in den Medien ganz oben auf der Agenda. Am Donnerstag eröffnet Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe in Berlin den Deutschen Pflegetag, der zwei Tage lang alles um das Thema Pflege versammelt, was Rang und Namen hat. 

Bereits am Montag eröffnet der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, die Pflegemesse in Hannover mit 700 Ausstellern. Dort wird er die zwei bereits verabschiedeten Pflegereformen der Bundesregierung rühmen. Da kommt es nicht ganz so gut, was das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen (WIdO ) herausgefunden hat: Viele der gut gemeinten Hilfsangebote der Pflegeversicherung werden von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen gar nicht genutzt. Unkenntnis ist nicht primär der Grund dafür. Ausschlaggebend ist vielmehr am häufigsten die Angst, sich von einem Fremden anfassen lassen zu müssen. Das WIdO hat im Rahmen des Pflege-Reports 2016 rund 1000 pflegende Angehörige befragt.

Dass die meisten Menschen im Fall der Pflegebedürftigkeit zu Hause bleiben wollen und die Aussicht am Ende ins Pflegeheim zu müssen einfach nur schrecklich finden, ist inzwischen eine Binsenweisheit. Dieser Wunsch ist übrigens der Grund dafür, dass die Bundesregierung bei ihren beiden Pflegereformen den Schwerpunkt auf Leistungsverbesserungen in der häuslichen Pflege gelegt hat.

Die gute Nachricht des am Montag veröffentlichten Pflegereport des AOK-Bundesverbands ist: Die meisten pflegenden Angehörigen kennen diese Hilfsangebote. Die schlechte ist: Genutzt werden sie aber häufig nur von einer Minderheit. Gleichzeitig sagt aber jeder vierte Pflegehaushalt, der weder den Pflegedienst noch Tagespflege oder Kurz- und Verhinderungspflege in Anspruch nimmt, dass er genau diese Leistungen eigentlich benötige.

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