Gesundheitsfonds
Fallstricke der neuen Regelungen

Steigende BeiträgeIn die Höhe schießende Krankenkassenbeiträge sind die 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherten gewohnt. Seit Anfang der 90er-Jahre stieg der Durchschnittssatz von knapp über 13 auf zuletzt 14,9 Prozent. Doch bislang konnten die Versicherten der hohen Belastung ausweichen. Sie suchten sich eine besonders preiswerte Kasse aus und sparten so Hunderte Euro im Jahr. Das geht nun nicht mehr. Seit dem Start des Gesundheitsfonds Anfang dieses Jahres gilt ein neuer Einheitsbeitrag von 15,5 Prozent. 7,3 Prozent zahlt der Arbeitgeber, 8,2 Prozent der Arbeitnehmer – so viel wie nie zuvor. Wer mehr als 3 675 Euro im Monat verdient, muss rund 360 Euro im Jahr mehr zahlen als bislang.

Allerdings sinkt die Belastung wieder ab dem 1. Juli. Denn dann geht der Einheitsbeitrag von 570 auf 540 Euro zurück, weil der Finanzminister weitere Steuermilliarden in das notleidende Krankenkassensystem pumpt. Lange vorhalten wird das jedoch nicht: Bereits für Mitte dieses Jahr erwartet das Bundesversicherungsamt, dass die ersten Krankenkassen mit den Zuweisungen aus dem Fonds nicht mehr auskommen. Dann werden sie Zusatzbeiträge von maximal 37 Euro im Monat erheben.

Ausweg Wahltarif
Völlig hilflos ausgeliefert sind die Versicherten den Kassen aber nicht. Die Versicherten können, sobald sie einen Zusatzbeitrag zahlen sollen, in eine andere Kasse ohne Zusatzbeitrag wechseln. Außerdem können sie ihre Belastung senken, indem sie sich für einen der von allen Kassen angebotenen Wahltarife entscheiden.

Besonders interessant für gesunde Versicherte mit einem höheren Einkommen sind Selbstbehalt- oder Beitragserstattungstarife. Gegen eine Selbstbeteiligung von höchstens 120 Euro im Jahr gibt es etwa bei der AOK Rheinland für einen Versicherten ab 42 000 Euro Jahreseinkommen 540 Euro Beitragserstattung, wenn er ein Jahr lang außer Vorsorgeuntersuchungen keine Leistungen in Anspruch nimmt. Wer sich in einen Hausarzttarif einschreibt, den alle Kassen bis Juli anbieten müssen, kann in der Regel zumindest die Praxisgebühr sparen. Allerdings muss der Versicherte mindestens drei Jahre im Wahltarif bleiben. Wird er in dieser Zeit schwer krank, zahlt er am Ende drauf.

Rohrkrepierer Basistarif
Privatversicherte können seit dem 1. Januar befristet bis zum 1. Juli ihren Versicherer wechseln – ohne dabei wie bisher die für sie gebildeten Altersrückstellungen im alten Unternehmen komplett zurücklassen zu müssen. Doch die Wechselkonditionen sind alles andere als attraktiv. Denn der Wechsel ist nur in einen neu geschaffenen Basistarif möglich, der im Leistungsumfang dem der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht. Mitgenommen ins neue Unternehmen können nur die auf diesen Basisschutz entfallenden Rückstellungen. Sie sind oft eher gering. Außerdem muss der Versicherte 18 Monate im Basistarif des neuen Unternehmens bleiben, bevor er in einen attraktiven Vollversicherungstarif wechseln kann.

Er hat allerdings die Möglichkeit, während dieser Zeit bei dem alten Unternehmen eine Zusatzversicherung zu schließen. Bei der Berechnung der Zusatzpolicen muss das Unternehmen die nicht auf den Basistarif entfallenden Rückstellungen sogar beitragssenkend berücksichtigen. Klar ist inzwischen, dass der Basistarif teuer wird. Schon bei jungen Wechslern erreicht er laut PKV-Verband den gesetzlich vorgegebenen Höchstbeitrag von 570 Euro. Viele Versicherte fahren daher finanziell besser, wenn sie gar nichts tun. Lukrativ ist der Wechsel nur für alte Versicherte, die in ihrer bisherigen Versicherung einen sehr hohen Beitrag zahlen.

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